Trauer-Raum

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

ich habe von dir geträumt, wie fast jede Nacht. Der erste Traum war real - ich habe dich umgebracht. Der zweite Traum war nicht real - ich habe dich auch umgebracht. Es muss raus, bin schuld, weil ich meine Fresse nicht halten konnte, weil ich es gewagt hatte, mich aufzulehnen, weil ich einen Moment haben wollte, der dich umgebracht hat. Ich sehe mich, ich sehe dich - manchmal erkenne ich uns selbst nicht mehr auseinander. Aber am Ende bist immer du tot, nicht ich. Obwohl ich mit dir gestorben bin.
Ich sehne mich nach dem Tod, nicht nur um bei dir zu sein, nicht nur um dem ewigen Schmerz ein Ende zu bereiten, nicht nur um dem Druck zu entfliehen, der Schlinge die immer enger wird. Ich sehne mich genauso nach dem Tod, um endlich mit der Seele im Gleichstand zu sein. Bin ich gestorben im Leben und du lebst im Tod? Gespalten was zusammen gehört? Getrennt, was einst so nah beisammen war?
WARUM ???????????
WARUM ?????????????
WARUM ??????????????????
WAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRRRRRRUUUUUUUUUUUUUMMMMMMMMMMMMMMMM ?????????????

warum besuchst du mich jede verdammte nacht? warum hasse ich dich und liebe dich zugleich? warum lebst
und stirbst du in mir? warum versuchte ich dich zu beschützen und habe dich dadurch umgebracht? ich weiss
nicht was ich fühle, ich weiss nicht was ich denke, ich weiss nicht was ich tue. warum lässt du mich nicht los?
warum lasse ich dich nicht los? warum tut es jede verdammte nacht und jeden verdammten tag so verdammt
weh?

ich sterbe langsam. manchmal beneide ich dich um deinen tod.
Montyy

Re: Trauer-Raum

Beitrag von Montyy »

Hallo Bruderherz,
du bist nun schon eine ganze weile weg, und dich quält hoffenlich nichts mehr wo du bist. das wäre mir sehr wichtig, auch wenn ich nur noch in gedanken zu dir sprechen kann. es is alles so unfaßbar, dermaßen brutal, so überhaupt nichts zu ändern, nichts zu helfen. du fehlst mir so, und ich soll abschied nehmen. eigentlich konnte ich genau das nicht. du wußtest was kommt, daß ich am liebsten getauscht hätte, und auch daß ich unter abschied sterben verstehe. bloß das darf ich nicht, du sollst mich auch nicht umsonst geschützt haben. du hast dir gewünscht, daß ich glücklich werde, aber ich weiß nicht ob ich sowas schweres schaffe. es is schon schwer genug, keinen mist zu machen, an gelegenheiten mangelts nicht. es is auch schwer, in etwas nur den guten teil zu sehen, mir gehts da normalerweise nicht so, daß ich das trennen kann. stattdessen erschlägt es mich geradezu. ich hab keinen blassen schimmer, wie du das geschafft hast. aber ich weiß auch, daß du eine solche kämpfernatur warst, daß nichtmal ein ausgebildeter einzelkämpfer entfernt in die nähe deiner fähigkeiten kommen könnte. auch das mit dem vertrauen is so unerklärbar, denn du hättest allen grund gehabt, überhaupt nie wieder jemand zu vertrauen. trotzdem durfte ich dir ein bruder sein.
heute sieht das so aus, daß ich tatsächlich einen geeigneten thera finden konnte, der mich versteht, mich ernst nimmt, und auch weiß was er da tut. ich denke, daß es nun sinn macht, bestimmte zusammenhänge zu offenbaren. so, wie du es zu mir versucht hast, mit dem schreiben, das is wahrscheinlich der leichteste weg. was aus sicht meines thera auch effizient ist, wäre hypnose, aber ich hab schiß. sicher, man kann das so ansetzen, daß ich erinnerer was in der sitzung war, nur wenn da was heftiges kommt, zb aus den 2 tagen die mir komplett fehlen? sicher, ich werd den thera fragen, aber es is halt n wiederspruch, wenn ich einerseits die erinnerung an die sitzung brauche, aber andererseits wirklich das problem kommen kann, daß ich nicht mit dem klarkomme was dann hochkommt. irgendwie anfassen müßt ich das thema aber, denn die dauerkopfschmerzen hab ich seit genau dieser zeit, das paßt sogar zu den krankenakten-einträgen vom hausarzt. vieles, was du mir gesagt hast, ist auch vertraulich, ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll, denn ich bin bei dem ereignis der letzte lebende, den das direkt betrifft. normalerweise hab ich n guten panzer, kaum wer merkt was wirklich in mir ist, nur bei dem thera gehts nich drum, nur nicht aufzufallen. du hast mit mir damals oft über sowas gesprochen, nur daß dir das früher weh tat, wenn was auffiel, weil man das gegen dich verwendete, während ich zwar nicht auffalle, aber kaum aus dem panzer raus kann, obwohl die gedanken so weh tun. da sind wir wieder gleich, denn ich hab echte sorgen, ob ich meine glaubwürdigkeit verliere. wenn ich was erklären würde, kann ich leicht vom 100sten ins 1000ste kommen, während jede erklärung nicht etwa eine sache beantwortet, sondern im gleichen atemzug mehr fragen aufwirft. das is aber nich der sinn einer antwort. ich versuche darüber nachzudenken, wie du das geschafft hast es mir zu sagen, denn du warst irgendwie ausgesprochen vorsichtig, und doch hab ich sehr viele gedanken mit dir geteilt. nur daß ich jetzt nen thera nutzen muß, der dafür bezahlt wird, und mir mit professioneller distanz helfen möchte. sicherlich, ich war kein thera für dich, aber dein bruder. außerdem hättest du niemals einen thera akzeptieren können. ich kann mich nur damit trösten, daß es möglicherweise das beste war, was dir passieren konnte, auch wenn ich dich als dein großer bruder nicht schützen konnte. sicher, wir müssen alle mal gehen, aber das hier hätte nie so passieren dürfen. nun weiß ich nicht genau wie es weiter gehn soll, das wirds aber. ich bekam den tip, daß ich irgendwie abschied von dir nehmen soll, zb indem ich dir einen brief schreibe, und den dann in einem passenden augenblick den flammen übergebe. ich bräuchte dich nicht vergessen, aber ich denk das werde ich ohnehin nie, du hast einen großen platz in meinem herzen.
machs gut bruderherz, und alles liebe
dein montyy
gast Q

Re: Trauer-Raum

Beitrag von gast Q »

Hab heut einen Song gehört u musst sofort an dich denken! verloren! Fühle die Traurigkeit! :?
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

es tut mir leid.
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

ich vermisse dich
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

Hdl ... Wie passen aufeinander auf, ja?
Montyy

Re: Trauer-Raum

Beitrag von Montyy »

ich glaub, mein bruderherz paßt auch irgendwie auf :)
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

:-)
Gast

Re: Trauer-Raum

Beitrag von Gast »

Montyy

Re: Trauer-Raum

Beitrag von Montyy »

danke :)
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

hilf mir :-( wo auch immer du bist, bitte, hilf mir :-(
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

da sind diese fragen im kopf, weisst du, fragen nach diesem "was wäre wenn".
ich vermisse dich so sehr :-( weisst du noch an unserem geburtstag? ein jahr
älter, alles etwas mehr :-( wir haben uns geschworen wir werden nicht älter.
du wurdest nicht älter, du hattest recht :-( es tut so unendlich weh. bin ich
schuld? gibst DU mir die schuld dafür? du hattest mich angesehen wie er. ich
sehe es heute noch. manche blicke bedürfen keiner worte. es tut mir so unendlich
leid :-(
Montyy

Re: Trauer-Raum

Beitrag von Montyy »

nein, du hast keine schuld. nicht hier.
Marlene
Beiträge: 329
Registriert: Do Dez 29, 2011 8:11 pm

Re: Trauer-Raum

Beitrag von Marlene »

Ich möchte gerne, daß ihr wieder runter kommt.
Ihr fehlt mir. Vieles läuft schlecht und ich bin hier ganz alleine. Und niemand ist/bleibt da. :cry: :cry: :cry: :cry:
LG Marlene
peshewa

Re: Trauer-Raum

Beitrag von peshewa »

Der Winter ist eingebrochen. Die Kälte. Ich sitze gerade am Fenster, dein Neffe und deine Nichten sind bereits im Bett. Sie hätten dir gefallen. Der Grosse verlor eine gute Freundin durch einen Autounfall. Er weinte und sagte damals er hätte in xy (Ort) in den Himmel geschaut aber sie sei nicht dagewesen. Es zerriss mir das Herz, dass er sie im Himmel suchte und nicht verstand, dass er sie nie wieder sehen wird. Er fand für sich aber eine ganz eigene Lösung: er meinte er würde einfach mal in ein Flugzeug steigen und zu ihr fliegen. Das ist nun über ein Jahr her. Ich habe ihm erklärt, dass ich auch mal einen ganz lieben Menschen verloren habe, der fast gleich alt war, wie seine Freundin. (was "verloren" heisst musste ich ihm erklären). Er fragte mich woran du gestorben bist. Diese Frage hat mir auch die TS gestellt. Ich halte mich dann kurz, meine übliche Antwort: er hat sich in seiner Wut verloren. Es tut weh, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Die Bilder sind das eine - Kabelbinder, orange Rohre, die Waschmaschine, du, mein Bruder, er ... bis heute kann ich keine Wäsche per Maschine waschen. Bis heute getraue ich mich in keinen Keller. Das andere, was mindestens so brutal ist, ist diese Kälte. Ich versuchte dich zu wärmen, den Kampf gegen diese Kälte zu verlieren. Immer wenn ich an dich denke, beginne ich zu frieren.
Die Nacht ist klar heute, ich sehe zu den Sternen, draussen funkelt der Schnee im Vollmond. Ich frage mich, wo du wohl bist und ob du auch zu mir runter schaust; ob du mich weinen siehst. So viele Jahre sind vergangen, ich konnte nie weinen, ich konnte nie trauern. Da war Angst, Wut, Verzweiflung - nur keine Trauer. Es beginn weh zu tun, richtig, richtig weh.
Weisst du noch unser Geheimnis? Ich habe nie jemals jemandem davon erzählt ;-) Es wird immer unser Geheimnis sein, das hatte ich dir versprochen. Dein Neffe ist bald gleich alt wie du, seine Geburt einen Tag nach deinem Todestag. Morgens um 5 Uhr an deinem Todestag fingen die Wehen an - so nah kann Leben und Tod sein. Ich war längst überfällig und fragte mich immer: "warum genau heute". Im Nachhinein bin ich froh, hat die Geburt so lange gedauert, auch wenn es die Hölle war. Dieser eine Tag wird immer der schlimmste Tag im Jahr sein. Immer. Es ist, als hättest du ihn mir geschickt. Noch 3 Monate sind es bis dahin - er wird so alt sein, wie du damals. Ich würde mir wünschen, an dein Grab zu können, wenn es noch existiert.
Es ist paradox, wie sehr ich dich liebe und wie sehr du mich hassen musst, für das was ich getan habe. Ich friere immer mehr. Meine Hände beginnen zu zittern. Leise fallen meinen Tränen auf die Tastatur. Ich schäme mich nicht mehr, dich zu lieben, ich habe das Recht dich zu lieben. Mein Sohn meint, du könnest nun mit seiner Freundin spielen. Ich bin froh, bist du nicht so alleine wie ich. Irgendwann, meine Kleine, werde ich bei dir sein und dann kann ich nur hoffen, dass du mir verzeihst.
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