Bluna1206 hat geschrieben:Hallo vielen lieben dank für deine antwort,
habe mich sehr gefreut.
Bluna1206 hat geschrieben:Ich bin seit kurzer Zeit in Therapie und bin froh, dass ich eine gute Thera gefunden habe. Hatte grosses Glück.
Prima!!! Das ist ganz wichtig!! Allein ist so schwer, gute Verbündete sind eine große Hilfe.
Bluna1206 hat geschrieben:Im Moment hab ich das Gefühl dass ich nicht vorwärts komme.
Das kommt immer wieder mal vor. Mal geht's rascher weiter, dann wieder Flaute... Ist normal und verändert sich auch wieder.
Bluna1206 hat geschrieben:Habe immer wieder meine tiefen Löcher, in die ich reinfalle.
Das ist eine Baustelle, die in der Therapie wichtig sein wird.
Drei Sachen dazu:
- Rausfinden, was Dich in Loch befördert, wie sich das anbahnt.
- Rausfinden, wie Du Dich im Loch kurz vorm Loch noch abfangen kannst.
- Rausfinden, wie Du Dich, falls Du doch ins Loch gefallen bist, in der Verfassung reorientieren und wieder rausklettern kannst.
Bluna1206 hat geschrieben:ABER du hast RECHT ich will leben, aber nicht so.. So kann es nicht weitergehen.
Also, das kann ich verstehen und es ist Dein gutes Recht, ein Leben zu wollen, das zu Dir passt und Dich zufrieden stellt.
Aber mit "Sich Killen" kommt man da ja jetzt auch nicht hin, oder!??

Vielleicht doch lieber eine andere Strategie versuchen? Hm?? Willste???

Komm' schon, Bluna?!!! Da ist doch noch Motivation, gib' ihr doch die Chance, sich auszuleben!!
Bluna1206 hat geschrieben:Der ernstgemeinte Selbstmordversuch.. ja es war wirklich gut, dass es nicht rauskam, das man im Blut nichts nachweisen konnte. Ist aber schon sehr lange her und ich habe das Gefühl diese Selbstmordgedanken sind Zwangsgedanken um den Druck zu senken...
Stimmt fast. Eigentlich sind es Taktiken, sich zu beruhigen, sie stellen einen Ausweg dar und entlasten so, wenn alles zuviel wird. Sie sind ein bisschen wie Drogen. Und wenn man zu lange den Suizid als Lösungsmöglichkeit einbezogen hat, dann fällt einem irgendwann gar nix anderes mehr ein als das. Aber genau so kommt man eben in die Sackgasse und übersieht alles Andere, was auch gehen könnte. Man wird blind für Lösungsmöglichkeiten, weil die Suizidphantasien schneller da sind als eine Lösung braucht, um entwickelt zu werden.
Bluna1206 hat geschrieben:Habe mich heute selbstverletzt und leider geht es mir seitdem um einiges besser
Mach' Dir keinen Kopf. Einmal ist kein Mal. Das kommt mal vor, dass man in sehr gestresstem Zustand ein altes Verhaltensmuster rauskramt. Aber das setzt sich so nicht vor. Außerdem ist es Dein Körper und Du darfst mit ihm grundsätzlich machen, was Du willst. Wir haben auch Leute, die sich vom Scheitel bis zur Sohle mit Piercings und Tattoos übersähen lassen und da sagt auch keiner, dass das nicht sein darf. Da fällt das dann unter Selbstbestimmungsrecht. SV hat einen Sinn und manchmal geht's halt nicht ohne.
Bluna1206 hat geschrieben:Morgen habe ich Therapie und habe grosse Angst. Ich werde es ihr erzählen, bzw habe ich einen Brief geschrieben. Fällt mir einfacher.
Dann schreibst den Brief und gibst ihn ihr. Immer einfach machen, so einfach, wie's geht. Wenn es Dir mit Brief leichter fällt, ist das das, was Du machen solltest. Nix verkomplizieren. Und Angst haben? Ich glaube, das brauchst Du nicht. Es kommt drauf an, wie Du das mitteilst, das ist die halbe Miete.
Bluna1206 hat geschrieben:Ich werde sie fragen was sie von Medikamenten hält.. nur als Übergangslösung. Ich schaffe es sonst so nicht mehr glaube ich.
Sich einen kompetenten Arzt suchen bzw. ist sie ja selber Ärztin, dann genau schauen ob und wenn ja, was sinnvoll ist. Und so lange nehmen, wie's nötig ist und nicht länger, als es nötig ist. Mit Medis, die abhängig machen, besonders sorgfältig und vorsichtig sein, dann kann man auch sowas phasenweise einsetzten und richtig davon profitieren.
Bluna1206 hat geschrieben:Das mit der AU ist ganz schlecht. Ich war gerade erst für über zwei Monate krank wegen einer Op. Und mein Arbeitgeber ist der tollste den es gibt. Sie unterstützt mich so sehr. Ich kann nicht schon wieder fehlen. Und die Arbeit macht mir sogar Spass. Auch wenn sie mich auslaugt.. Wenn ich krank geschrieben wäre würde es zu Hause allein nicht lang gut gehen... das wäre für mich sehr schlimm..
Verstehe. Dann schauen, wie man trotz Berufstätigkeit genug Inseln zum Auftanken haben kann, mit den Kräften haushalten. Wenn schon keine 100%-Lösung oder -entlastung drin ist, dann doch bitte versuchen, möglichst gut für sich zu sorgen. Es gibt ja nicht nur die Extrempole, zwischen sich zugrunde ackern und au zu Hause vergetieren, sondern auch ausbalancierte Mittelwege.
Bluna1206 hat geschrieben:Wie gehts dir ??? Hoff du hast gut geschlafen?
Mir geht's gut. Und geschlafen hab' ich wunderbar. Aber ohne Medikamente. Ich hab' nur in einer sehr üblen Stressphase mal das Zolpidem genommen. Ich bin eher anti Medis, aber da ging's nicht mehr ohne. Ich hab' keine Nacht ein Auge zu gemacht und das war echt sowas von ätzend. Da brennt man so schnell aus. Da hab' ich meinen Thera angehauen, der auch Psychiater ist und hab' ihm gesagt, dass er was raussuchen soll, was beim Einschlafen/Durchschlafen hilft, und dass ich am nächsten Tag wieder fit sein muss und Autofahren können muss. Er hat mir das dann rausgesucht, hab's zwei Wochen genommen und bin super damit gefahren. Beim Absetzen null Probleme.
Das war halt so eine Erfahrung, wo ich kapiert habe, dass Medis nicht immer nur mit dem Ziel eingesetzt werden, Menschen pflegeleichter zu machen und zu dämpfen, sondern um dem Körper und der Seele mal ein bisschen unter die Arme zu greifen, wenn es nötig ist.
Bluna1206 hat geschrieben:Eigentlich sollte ich mich nicht so beklagen von 25-29 hatte ich ein schönes Leben. Davor und danach... Hölle. Aber ich kann behaupten dass ich diese Jahre geniessen konnte...
Das ist ein wichtiger Hinweis. Mir tut's ja wirklich leid, zu lesen, dass alles Sch.. war, außer den 4 Jahren. Aber auf der anderen Seite kann man da noch was anderes herauslesen: Es ging in den 4 Jahren, Bluna. Irgendwas lief da richtig rund. Also unter dem Eindruck dieser Erfahrung würde ich mich nicht umbringen, sondern versuchen, an diese Lebensphase wieder anzuknüpfen, zumindest wieder so ein Gefühlsleben hinzukriegen, auch wenn's heute inhaltlich im Außen sicher etwas anders ist.
Das von dem Lebenstraum unten hab' ich auch gesehen.
Kann' ich nachfühlen und Lebenspläne aufgeben zu müssen, für die man hart gearbeitet hat und wo man dann so nah dran war, das ist niederschmetternd. Man hat sich so lange dahin orientiert.

Und dann geht's nicht!
Aber bei Dir ist es noch nicht vorbei. Ich kann Deine Angst, dass es doch nichts mehr wird, verstehen. Aber ich war in einer ähnlichen Situation und bin darüber regelrecht beinahe verrückt geworden. Man will das unbedingt verhindern und man kann aber nicht alles im Leben erzwingen. Als ich dann - ganz wider Erwarten - doch mein Ziel erreicht habe, hatte ich damit gar nicht mehr gerechnet. Ich hatte mich vorher schon neu orientiert, weil ich dachte, es wäre schon alles aus. Damals hab' ich gelernt, dass man nur dann, wenn man sowas erreicht hat, was man verloren glaubte, diese wichtige Erfahrung macht, dass die Welt nicht untergeht, wenn etwas nicht gelingt. Mir hat das Schicksal mein Ziel dann doch noch hinterher geworfen, aber da war's mir schon gar nicht mehr wichtig, nicht mehr so wichtig wie früher. Das war ein ganz wichtiges Ereignis, wo's in meinem Kopf "klick" gemacht hat: Träume können platzen und das Leben ist so vielfälltig, dass man neue Träume entwickeln kann.
Ich kann Dir nur sagen: Was immer auch im Leben schief geht, es gibt den "Day After". Es wird weitergehen, es wird neue Ziele geben können, wenn Du die Fühler im Alltag und im Leben wieder ausfährst!
Hast Du schon mal Afrika bereist? Warst Du schon mal eisbaden? Hast Du schon Karaoke gesungen? Hast Du schon mal in einer Kommune gelebt? Fremde asiatische Pflanzen konsumiert, die legal sind und berauschen? Hast Du schon mal Cola mit Erdnussbutter verquirlt? Hast Du schon mal versucht, Hund und Meerschweinchen miteinander verträglich zu machen? Hast Du schon mal Spiegeleier in Herzchenförmchen gemacht und sie dann nicht aus der Pfanne gebracht??
Warst schon mal Bergsteigen oder hast in China Schlange gegessen? Hast Du schon mal fünf Tage am Stück ferngesehen und warst einfach faul? Hast Du verrückte Freunde oder kleinkarierte oder Spießerfreunde? Falls nein: Such' Dir welche!!
Hast schon mal rot-gelbe Wintersocken gestrickt oder zehn große Kürbisse für Halloween ausgekratzt mit einer Freundin? Reiten, lesen oder ein Buch schreiben? Oder mit der Camera fotografieren gehen. Sich bei der Volkshochschule zum Indischkochkurs anmelden und lustige Menschen treffen??
Was auch immer, Bluna. Das Leben lebt davon, dass man es lebt. Damit es einem gut gehen kann, muss man ganz viel machen. Und das geht allen Menschen so, auch den gesunden. Oft hat man den Dreh irgendwie nicht raus bzw. hatte man keine guten Vorbilder oder man hat viel Schlimmes erlebt, weshalb man vielleicht auch einen Profi braucht, der einem hilft, mit so schweren Emotionen klarzukommen. Das haben andere nicht nötig, weil die von solchen extremen Gefühlen nicht überfallen werden. Aber wir haben das halt. Aber man kann viel dazu lernen und dann steht einem erfüllten Leben eigentlich nichts im Wege.
Versuch' das zu ändern, was Du ändern willst. Ich denke, das ist der bessere Weg.

Sich umzubringen ist nicht cool, es ist noch nicht mal kreativ, das haben viele andere schon gemacht und sie sind alle vergessen worden. Aber wenn Du Dich und Dein Leben neu erfinden willst und kannst, dann wirst Du viel mehr vom Leben kriegen, als Dir so ein Drecksloch im Boden bieten kann. Ruhe mag man im Sarg finden, aber das ist doch stinkelangeweilig. Eigentlich möchte man doch mehr Impulse und Imput als Sargkissen und Leichenhemd. Ist doch gruselig.
Ich denke, Du kannst jetzt mal Deinen Traum anpeilen. Und wenn der nicht geht, dann gibt's aber mindestens so ungefähr 1000 Dinge, die Du stattdessen machen kannst. Gute Beziehungen, gute Gespräche, lustige Kochabende und Grillen und in Urlaub fahren und und und... Es gibt soviel, was einen ausfüllen kann. Die einen fliegen mit dem Gleitschirm, der nächste ist begeisterter Angler, der morgens um 5 aufsteht, damit er allein am See die Sonnenaufgänge genießen kann, der nächste klopft irgendwo im Steinbruch nach Fossilien... Die Welt ist eine einzige Schatztruhe, aber man muss gescheit hinschauen und reingreifen.
Wenn Du vom Leben selber begeistert bist, wirst Du viele Menschen genau mit dieser inneren Ausstrahlung anziehen wie das Licht die Motten.
Probier' Dich und Dein Leben bitte erst mal wirklich voll aus. Erst, wenn Du feststellst, dass sich echt nix ändern lässt, ist Suizid eine gute Idee. Aber ich glaube, Du wirst was finden, wenn Du Dich auf die Suche auf das Gute einlässt.
Du hast es 4 Jahre genau so gut gekonnt. Dann kannst Du das auch wieder. Natürlich immer mit Einbrüchen und Rückfällen, aber es ist egal, wenn's insgesamt aufwärts geht. Weg mit dem Sch...leben, kämpf' für was Besseres. Du hast es Dir verdient!
Gute Nacht!