Hallo alle zusammen hier.
Ich bin nun auch auf das Thema OEG gestoßen und habe auf anraten von meinem Therapeuten den Antrag gestellt.
Vielleicht kurz zu mir. Ich bin nun 26 Jahre alt und wurde 1999 von meinem damaligen Jugendleiter missbraucht. Er war zu der Zeit sowas wie ein Vater, ich habe ihm vertraut und er war mein Vorbild

. Da war ich gerade 14 geworden. Er hat mich unter Alkoholeinfluss gebracht und hat mein ganzes Vertrauen ausgenützt. Ihr wisst bestimmt was ich mein. Mir ging es sehr schlecht danach. Ich habe direkt als ich zuhause war mit einem "Magen-Darm-Infekt" reagiert.
Etwa ein Jahr später bin ich das erste Mal in psychologische Behandlung gekommen. Meine Hausärztin wusste nicht mehr weiter mit mir. Ständige Bauchschmerzen und Depressive Verstimmungen. 4,5 Monate in einer Psychosomatischen Klinik waren nur eingeschränkt erfolgreich. Im jahr 2001 habe ich alles zur Anzeige gebracht. Es folgte das übliche Prozedere. Beim Amtsgericht wurde er für 8 Monate auf 3 Jahre Bewährung und Geldstrafe wegen sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlener verurteilt.
Ich selbst war Nebenklägerin und musste zum Glück ohne seine Anwesenheit und ohne Öffentlichkeit aussagen. Ein Glaubwürdigkeitsgutachten wurde im Laufe des Verfahrens erstellt und meine Glaubwürdigkeit bestätigt. Ich habe das Gutachten selbst gelesen und alles sprach für mich. In der Verhandlung haben sie noch versucht die Gutachterin auseinander zu nehmen, aber das hat zum Glück nicht geklappt. Im Urteil steht, dass nun das Geschehe sich auch so zugetragen hat.
Er hat dann zwar Revision eingelegt und es kam zu einer weiteren Verhandlung beim Landgericht, aber da hat er dann kurz vor Ende des ersten Verhandlungstages zurückgezogen. Die Richterin hatte seinen Anwalt gebeten doch nocheinmal mit seinem Mandanten zu sprechen, da er doch genau wüsste, dass es eher zu seinen Ungunsten ausfallen würde. Naja Urteil wurde rechtskräftig und die Schikanen gingen erst richtig los
Nun erst 10 Jahre später habe ich vom OEG erfahren, eben durch meinen Therapeuten. Da mein Antrag nun erst seinen Weg zum entsprechenden Versorgungsamt gefunden hat, habe ich ja noch keine Erfahrungen wie es damit läuft. Also kann hier noch keinem auf dem Gebiet helfen. Bisher weiß ich nur, der Antrag muss in dem Bundesland gestellt werden wo die Tat passiert ist. Bei mir ist das Hessen.
Was denkt ihr, muss ich trotzdem wieder ein Glaubwürdigkeitsgutachten machen? Es ist doch eigentlich bewiesen, dass ich nicht gelogen habe oder? Bei mir wird es eher schwierig die Folgen zu beweisen. Zum einen waren sich alle Therapeuten nicht einig, ob nun Borderline oder PTBS. Die aktuelle Diagnose ist wohl eine komplexe PTBS. Es ist von Anfang an schriftlich festgehalten, dass es mit dem Missbrauch und den Dingen danach zusammenhängt. Dazu habe ich einige körperliche Probleme. Doch das wird schwer. Ich habe Morbus Crohn und nun auch meinen kompletten Dickdarm verloren. Ausgebrochen ist der Crohn bei der ersten Gerichtsverhandlung. Den nächsten heftigen Schub hatte ich nach der zweiten Verhandlung. Selbst die Mediziner sind sich nicht einig, wodurch Crohn kommt. Naja mal sehen wie sie damit umgehen.
Ich bin nun seit einem Jahr im Krankenstand und es wird nicht wirklich besser. Eine Reha wurde mir genehmigt, aber keiner weiß wann ich in der Klinik aufschlagen darf. Vielleicht kennt ihr die - Bad Mergentheim Taubertalklinik.
Ohje nun ganz schön viel geschrieben. Wie seit ihr mit der Warterei umgegangen bzw. geht ihr damit um? Im Kopf beschäftige ich mich ständig damit. Ich würde mich gerne gar nicht mehr mit dem Thema beschäftigen, aber mir ist es doch wichtig. Alle in meinem Freundeskreis und engen Verwandtschaft wissen, dass was war. Aber irgendwie sind die wohl der Meinung das kann man doch einfach vergessen und warum sollt ich jetzt damit noch Probleme haben. Es kann keiner nachempfinden wie es innerlich ist. Ständig habe ich FB und ihn ständig in meinem Kopf. Blöderweise erinnert mich mein Stoma auch tagtäglich an ihn (für mich hängt das im Kopf immer zusammen) und spüre die Folgen hier im Umkreis immernoch. Er selbst ist ausgewandert, aber im Verein war ich die Böse und nicht er. Entschuldigt mein Wirrwarr.
Ihr hattet fast alle soviele Schwierigkeiten den Antrag durch zu kriegen und irgendwie wirds mir da ganz anders. Würde euch auch gerne moralisch unterstützen soweit es geht. Hier zuhause habe ich eigentlich keine Unterstützung. Aber ich habe einen sehr guten Therapeuten und langsam kommen wir voran. Der erste seit nun 10 Jahren eben, wo tatsächlich was bewegt.
Danke fürs Zuhören, vielleicht kann mir auch einer was dazu sagen. Aber das loswerden war schon ganz gut. Ach und noch zu meinen Erfahrungen, es kennt sich keiner damit aus. Niemand wusste wo ich das beantragen muss und wie genau. Selbst das Versorgungsamt wusste es nicht so genau. Es gibt dort nur einen der dafür zuständig ist und der war schon länger krank.
LG ks
