Hi,
brauche Einschätzungen oder vielleicht auch Leute, die Ähnliches kennen.
In meiner Beziehung habe ich immer wieder Sex gehabt, auch wenn ich es nicht wollte. Ich habe dann nicht sonderlich reagiert und es einfach über mich ergehen lassen. Wenn mein Freund beim Sex fragte: "Gefällt es dir?", hab ich einfach "Ja" gesagt. Meine Körpersprache und dass ich mich nicht am Sex beteiligt habe, sondern nur ein Objekt war quasi, waren aber sehr deutlich. Ich hatte auch öfter Schmerzen, dachte nur noch daran, dass er hoffentlich bald fertig ist und es aufhört. Irgendwann hab ich in solchen Situationen dann einfach meinen Körper verlassen, damit ich es nicht miterleben muss.
Ich bin immer noch in der Beziehung. Sex ist immer noch ein Problem für mich, mittlerweile kann ich aber in den meisten Fällen Nein sagen, wenn ich keine Lust auf Sex habe. Ich habe die Phase, in der es so schlimm für mich war größtenteils verdrängt, heute hab ich mich mit dem Thema sexuelle Übergriffe beschäftigt und alles kam wieder hoch.
Ich gab und gebe mir für dass alles am meisten selbst die Schuld. Ich sage mir oft, ich habe mich quasi selbst vergewaltigt, weil ich einfach nicht Nein gesagt habe und nichts unternommen habe, den Sex abzubrechen. Ich weiß auch, dass wenn ich Nein gesagt hätte, er sofort aufgehört hätte, das ist zumindest heute so. Was ich mich aber auch frage ist, wie er es nicht bemerkt haben kann wie ich mich gefühlt habe oder wieso er nicht darauf geachtet hat, wie es mir ging, weil das aus meiner Sicht klar zu erkennen war, auch wenn ich nichts gesagt habe.
Ich bin einfach sehr verwirrt, inwieweit ich mir selbst die Schuld für all das geben muss.
Vielleicht hat jemand Ähnliche Erfahrungen und kann sich mit mir dazu austauschen.
LG
Brauche Einschätzungen (TW)
-
Eli
Re: Brauche Einschätzungen (TW)
Hallo nachtfalter
Ich sehe es von zwei Seiten.
1. Er war nicht empathisch und hätte das erkennen können und müssen. Zumindest auf die Dauer. Das war nicht okay. Juristisch ist das natürlich keine schuld. Und auch keine Vergewaltigung. Es ist unsensibel und moralisch war das sch von ihm. Würde das definitiv mit ihm besprechen wie schlimm das war. Vielleicht hat er es bemerkt und hatte Angst es anzusprechen. Man kann niemanden in den Kopf gucken. Denke deshalb wäre ein Gespräch gut. Ich könnte sonst nicht mit dem Menschen zusammen sein oder Sex haben und ich glaube auch nicht dass das gut tut wenn diese krasse Situationen zwischen euch stehen. Denn es geht dir ja immer noch nach was ich gut verstehe.
2.
Ich vermute du bist als Kind oder Jugendliche mb worden oder? Dann ist es sehr schwer wenn man keine gute Therapie hatte bei Sexualität nein zu sagen und für sich verantwortlich zu sein. Ich denke aber darum geht es: man ist erwachsen und in einer Beziehung auf augenhöhe (zumindest theoretisch, meine damit, dass der andere auch davon ausgehen kann und muss dass man für sich sorgen kann) und für sich verantwortlich. Man kann aus meiner Sicht (!) diese Verantwortung auch nicht komplett (!) an den partner abgeben. Wenn man zb streitet und es wird einem zuviel hat man zb auch die Verantwortung zu sagen ich geh kurz raus und schnaufe durch. Schütze mich. Daneben gibt es viele andere Situationen wo man das machen muss. Eigentlich ja in jeder Beziehung. Dass du das jetzt viel besser kannst ist super. Ich denke es geht um selbst Verantwortung und nicht um Schuld. Und ich glaube du solltest da verständnisvoll und mitfühlend mit dir sein. Damals konntest du nicht nein sagen was auch total nachvollziehbar ist bei einer mb vor geschichte die nicht gut verarbeitet ist.
Ach und zu deiner frage: kenne das aus einer letzten Beziehung aber nur sehr vereinzelt. Das ist vielleicht zweimal im Jahr passiert. Nicht regelhaft.
Alles gute dir
Eli
Ich sehe es von zwei Seiten.
1. Er war nicht empathisch und hätte das erkennen können und müssen. Zumindest auf die Dauer. Das war nicht okay. Juristisch ist das natürlich keine schuld. Und auch keine Vergewaltigung. Es ist unsensibel und moralisch war das sch von ihm. Würde das definitiv mit ihm besprechen wie schlimm das war. Vielleicht hat er es bemerkt und hatte Angst es anzusprechen. Man kann niemanden in den Kopf gucken. Denke deshalb wäre ein Gespräch gut. Ich könnte sonst nicht mit dem Menschen zusammen sein oder Sex haben und ich glaube auch nicht dass das gut tut wenn diese krasse Situationen zwischen euch stehen. Denn es geht dir ja immer noch nach was ich gut verstehe.
2.
Ich vermute du bist als Kind oder Jugendliche mb worden oder? Dann ist es sehr schwer wenn man keine gute Therapie hatte bei Sexualität nein zu sagen und für sich verantwortlich zu sein. Ich denke aber darum geht es: man ist erwachsen und in einer Beziehung auf augenhöhe (zumindest theoretisch, meine damit, dass der andere auch davon ausgehen kann und muss dass man für sich sorgen kann) und für sich verantwortlich. Man kann aus meiner Sicht (!) diese Verantwortung auch nicht komplett (!) an den partner abgeben. Wenn man zb streitet und es wird einem zuviel hat man zb auch die Verantwortung zu sagen ich geh kurz raus und schnaufe durch. Schütze mich. Daneben gibt es viele andere Situationen wo man das machen muss. Eigentlich ja in jeder Beziehung. Dass du das jetzt viel besser kannst ist super. Ich denke es geht um selbst Verantwortung und nicht um Schuld. Und ich glaube du solltest da verständnisvoll und mitfühlend mit dir sein. Damals konntest du nicht nein sagen was auch total nachvollziehbar ist bei einer mb vor geschichte die nicht gut verarbeitet ist.
Ach und zu deiner frage: kenne das aus einer letzten Beziehung aber nur sehr vereinzelt. Das ist vielleicht zweimal im Jahr passiert. Nicht regelhaft.
Alles gute dir
Eli
Re: Brauche Einschätzungen (TW)
Guten Morgen,
Aus meiner Sicht, rückblickend:
Meine eigene Verwirrung, meine eigenen Signale waren für meinen Partner sicher sehr schwer zu deuten.
Er selber verfügt durchaus nicht über die Empathie, die ich ihm abverlangen wollte.
Was ich aus meinem Denken und unserer Kommunikation gestrichen habe ist das Wort "Schuld".
Das ist eine Sackgasse.
Ich konnte und habe für mich die Verantwortung übernommen, meine Signale eindeutiger transportiert.
Mein Partner konnte, nachdem wir ehrlich und vorwurfsfrei geredet haben, doch im Laufe der Zeit seine Wahrnehmung schärfen.
Die Emoathiefähigkeit, die es mir so richtig einfach machen würde besitzt er bis heute nicht.
Er ist der Mensch, der er ist. Und so ist es gut.
Ich bin der Mensch, der ich bin. Auch gut.
Wir haben unsere Schwächen, respektieren uns.
Jeder sich, jeder den anderen.
Es wäre vielleicht sinnvoll mit Deinem aktuellen Partner immer wieder zu sprechen.
Das ist aus meiner Sicht die Konsequenz, die Du aus der Vergangenheit ziehen könntest.
Einiges machst Du jetzt anders.
Im Prinzip hast Du ja bereits eine sehr reflektierte Sicht darauf und Dich entwickelt. Heute kannst Du die Grenzen besser setzen.
Viele Grüße
LunaSue
Aus meiner Sicht, rückblickend:
Meine eigene Verwirrung, meine eigenen Signale waren für meinen Partner sicher sehr schwer zu deuten.
Er selber verfügt durchaus nicht über die Empathie, die ich ihm abverlangen wollte.
Was ich aus meinem Denken und unserer Kommunikation gestrichen habe ist das Wort "Schuld".
Das ist eine Sackgasse.
Ich konnte und habe für mich die Verantwortung übernommen, meine Signale eindeutiger transportiert.
Mein Partner konnte, nachdem wir ehrlich und vorwurfsfrei geredet haben, doch im Laufe der Zeit seine Wahrnehmung schärfen.
Die Emoathiefähigkeit, die es mir so richtig einfach machen würde besitzt er bis heute nicht.
Er ist der Mensch, der er ist. Und so ist es gut.
Ich bin der Mensch, der ich bin. Auch gut.
Wir haben unsere Schwächen, respektieren uns.
Jeder sich, jeder den anderen.
Es wäre vielleicht sinnvoll mit Deinem aktuellen Partner immer wieder zu sprechen.
Das ist aus meiner Sicht die Konsequenz, die Du aus der Vergangenheit ziehen könntest.
Einiges machst Du jetzt anders.
Im Prinzip hast Du ja bereits eine sehr reflektierte Sicht darauf und Dich entwickelt. Heute kannst Du die Grenzen besser setzen.
Viele Grüße
LunaSue
Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt.
Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte,
der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.
Viktor Frankl
Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte,
der dem Leben zu antworten - das Leben zu ver-antworten hat.
Viktor Frankl
-
nachtfalter
- Beiträge: 2
- Registriert: So Sep 21, 2025 9:30 pm
Re: Brauche Einschätzungen (TW)
Hi, danke für eure Einschätzungen,
ich hatte in meiner Kindheit keine (mir bewussten) sexuellen Missbrauchserfahungen, aber andere Missbrauchserfahrungen. Mir wurde schon immer gezeigt, dass mein Nein nicht gilt und nicht beachtet wird. So fällt es mir in allen Situationen bis heute schwer, meine Grenzen aufzuzeigen.
Ich habe mit meinem Partner auch damals schon darüber gesprochen, leider fehlt mir bei ihm die Empathie dafür, so wie du es schreibst LunaSue. Wir sind unsere erste Beziehung und haben unsere ersten Male alle miteinander erlebt. Er wollte sofort nachdem wir zusammengekommen sind Sex, mir ging das zu schnell. Auch dazu habe ich nie explizit Nein gesagt sondern es eher unterschwellig angedeutet. Dass er dieses Unterschwellige nicht aufgenommen hat, hat mich entmutigt und ich habe alles dann einfach geschehen lassen. Ich glaube auch, dass er nicht verstanden hat, wie gravierend diese Phase für mich war, dass es sich für mich wirklich wie Vergewaltigungen angefühlt hat, auch wenn dass natürlich nie seine Absicht war. Und wie sehr das bis heute unser Sexleben prägt und meinen Umgang mit Sex. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auch wieder ein. Wie er früher beim Fingern meine Beine auseinandergedrückt hat, damit ich sie nicht zusammenpresse. Oder dass er, wenn ich dann seine Hand weggeschoben habe, sie einfach immer wieder hingemacht hat.
Da das alles wieder hochgekommen ist, zweifle ich momentan sehr an unserer Beziehung. Ich werde auf jeden Fall mit ihm erneut darüber sprechen, das ist mir klargeworden. Ich würde so gerne sagen, dass das alles nur wegen ihm passiert es, und er es einfach hätte merken sollen. Aber ich weiß auch, dass das nicht fair ist und dass ich in meiner Selbstfürsorge und Selbstverantwortung für mich hätte sorgen müssen.
Danke für eure Antworten<3
ich hatte in meiner Kindheit keine (mir bewussten) sexuellen Missbrauchserfahungen, aber andere Missbrauchserfahrungen. Mir wurde schon immer gezeigt, dass mein Nein nicht gilt und nicht beachtet wird. So fällt es mir in allen Situationen bis heute schwer, meine Grenzen aufzuzeigen.
Ich habe mit meinem Partner auch damals schon darüber gesprochen, leider fehlt mir bei ihm die Empathie dafür, so wie du es schreibst LunaSue. Wir sind unsere erste Beziehung und haben unsere ersten Male alle miteinander erlebt. Er wollte sofort nachdem wir zusammengekommen sind Sex, mir ging das zu schnell. Auch dazu habe ich nie explizit Nein gesagt sondern es eher unterschwellig angedeutet. Dass er dieses Unterschwellige nicht aufgenommen hat, hat mich entmutigt und ich habe alles dann einfach geschehen lassen. Ich glaube auch, dass er nicht verstanden hat, wie gravierend diese Phase für mich war, dass es sich für mich wirklich wie Vergewaltigungen angefühlt hat, auch wenn dass natürlich nie seine Absicht war. Und wie sehr das bis heute unser Sexleben prägt und meinen Umgang mit Sex. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auch wieder ein. Wie er früher beim Fingern meine Beine auseinandergedrückt hat, damit ich sie nicht zusammenpresse. Oder dass er, wenn ich dann seine Hand weggeschoben habe, sie einfach immer wieder hingemacht hat.
Da das alles wieder hochgekommen ist, zweifle ich momentan sehr an unserer Beziehung. Ich werde auf jeden Fall mit ihm erneut darüber sprechen, das ist mir klargeworden. Ich würde so gerne sagen, dass das alles nur wegen ihm passiert es, und er es einfach hätte merken sollen. Aber ich weiß auch, dass das nicht fair ist und dass ich in meiner Selbstfürsorge und Selbstverantwortung für mich hätte sorgen müssen.
Danke für eure Antworten<3