Hilfe suchen?

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llave
Beiträge: 1
Registriert: Sa Aug 30, 2025 10:19 pm

Hilfe suchen?

Beitrag von llave »

Hallo ihr Lieben,

ich bin vor mehr als einem Jahr durch eine Doku auf dieses Forum gestoßen. Ich habe auch schon mehrmals einen Text verfasst und immer wieder gelöscht, aber jetzt möchte ich einfach versuchen mein Leben mal wieder in den Griff zu bekommen.

Mal zu meiner Vorgeschichte (TW):
Ich kann mich an kaum was aus meiner Kindheit erinnern, aber ich denke mal, dass ich einfach eine der Menschen bin, die eine schlechte Erinnerungsfähigkeit hat und nicht dass da irgendwas passiert ist.
Seit meinem 14. Lebensjahr ungefähr (28 Jahre jetzt) bin ich mental auf einer Abwärtsfahrt. Ich war nie wirklich froh oder glücklich, irgendwie war ich auch passiv suizidal. Nie was geplant, aber ich hab mir immer einen Unfall oder eine Krankheit gewünscht, die mir einen "einfachen" Ausweg ermöglicht. Ich hab mich nach jeder "überstandenen" Woche mit Fastfood und Süßigkeiten belohnt und das sieht man auch heute mehr als deutlich. Auf jeden Fall hab ich mit 18 gedacht, dass ich keine 5 Jahre mehr älter werde und hab mit meiner Berufsfindung viel zu lange gebraucht (jetzt abgeschlossenes Studium und Arbeit im öffentlichen Dienst).
Davor hab ich in einer Firma gearbeitet und ihn kennengelernt. Es war allgemein ein harmonisches Arbeiten mit allen Kollegen, ich war dort auch geoutet (lesbisch). Er hatte mal eine OP und hat mir dann in den Ohren gelegen, dass ihn niemand der Kollegen besucht oder sich nach ihm erkundigt. People Pleaser wie ich bin, hab ich ihm damals (Dezember 2020) einen Krankenbesuch abgestattet. Sollte ja kein Problem sein, da alle wussten, dass ich lesbisch bin. Ich muss sagen, eine der dümmsten und schlechtesten Entscheidungen meines Lebens. Bei diesem Besuch kam es dazu, dass er mich vergewaltigt hat. Heute ist das für mich wie ein schwarzer Fleck, ich weiß, dass es passiert ist, ich weiß, dass ich nicht gut atmen konnte und ich kann mich noch an die Schmerzen erinnern. Er meinte hinterher zu mir, dass ihm seine Verlobte zu dick geworden war und ich die perfekten Kurven hatte. Aber sonst ist alles irgendwie verschwommen. Eine positive Sache, die ich danach bemerkt hatte war, dass meine negative Stimmung in absolute Gleichgültigkeit umgeschlagen hat. Mich hat nichts mehr berührt und es war einfach angenehmer. Jedoch hab ich irgendwie mit seiner Aussage verbunden, dass mir das nicht passiert wäre, wenn ich noch mehr auf den Rippen hätte - ich hab seitdem 50kg zugenommen. Ich gebe mir die Schuld an allem und verabscheue das, was ich jetzt bin.

Ich möchte mich unglaublich gern wieder wohler fühlen, aber eine Therapie kommt irgendwie nicht in Frage. Die Wartezeiten sind einfach ewig und mir fehlt schon die Motivation anzufangen. Dazu wohn ich noch bei meiner Mutter (mein Ziel ist es mir in den nächsten Jahren ein Haus zu kaufen und da muss ich natürlich sparen) und da kann kein Brief nach Hause kommen, der von einem Psychologen/Psychiater kommt oder ein Fragebogen der Krankenkasse. Es gibt nur 2 Personen, die von der VW wissen (damalige beste Freundin und Ex-Freundin) und zu beiden habe ich keinen Kontakt mehr und da ich mich selbst in die Lage gebracht habe, möchte ich auch keine Familie/Freunde damit belasten.

Vielleicht kann mir jemand von euch ein paar Denkanstöße geben, wie ich mein Leben wieder verbessern kann. Danke euch <3
Eli

Re: Hilfe suchen?

Beitrag von Eli »

Hallo ilave

Willkommen hier im forum.
Das klingt ganz schlimm und tut mir sehr leid für dich.
Man spürt deinen Leidensdruck sehr in deinen Zeilen und dass du was ändern möchtest.
Das Essen..mmh vielleicht ist das wie ein Schutz "panzer" vor dem aussen, vor deinen Gefühlen? Habe eine freundin die das mal so beschrieben hat. Muss für dich gar nicht passen

Ich würde dir raten als erstes zu einer fachberatungsstelle für sexualisierte gewalt zu gehen und dort Hilfe zu suchen. Zb Frauen Notruf, wildwasser etc.

Bei der therapie frage erlebe ich dich als sehr ambivalent.
Der therapeut schickt keine Briefe nach hause und von deiner (privaten?) Kasse kommen auch keine Briefe woran man von aussen was sehen könnte. Ich war selbst privat versichert weiss das also.
Das kann also nicht der Grund sein keine therapie zu machen. (Oder öffnet deine Mutter deine Post?)

Wenn du privat versichert bist und nicht total in der Pampa lebst bekommst du sehr schnell Termine bei Traumatherapeuten.
Eine privat versicherte Freundin bekam dieses jahr in 2 Wochen 3 Vorschläge für erst Termine. Sie hatte 12 angeschrieben.

Aber auch wenn du nicht privat versichert bist dauert es meist 5 bis 12 Monate. Es ist also möglich.
Du findest sie auf der Homepage der deutschsprachigen Gesellschaft für psychotraumatologie.
Die haben alle gute und lange Fortbildungen in Traumatherapie. Du kannst dort auch ohne Erinnerungen gut hin gehen. Viele Frauen haben zu Beginn keine Erinnerungen. Das nennt man dissoziative Amnesie und ist bei konplex trauma eher die Regel als die Ausnahme.
Von "normalen " Therapeuten ohne lange spezialisierte Fortbildung die nicht auf dieser Seite stehen raten ich ausdrücklich ab. Die sind oft ohne Ahnung von trauna und helfen gar nichts aus meiner Erfahrung. Da lässt man nur Zeit und wenn man Pech hat geht es einem danach schlechter als vorher.

Wenn du kaum oder keine Erinnerungen an deine Kindheit hast hat das nichts mit schlechter Erinnerung zu tun. Das sagen alle mit diesem Problem inklusive mir früher :wink:
Das bedeutet du hast eine dissoziative Amnesie und niemand der eine gute Kindheit hatte ist ab 14 suizidal.
Weisst du auch selbst aber man bagatellisiert halt bei sich selbst um den horror nicht an sich ran zu lassen.

Da es dir schon so lange so schlecht geht und deine ess Störung so sehr schreit würde ich dir wirklich raten mal eine Traumatherapie anzugehen. Vielleicht in ein paar wochen. Vielleicht in ein paar Jahren. Wie du es eben schaffst.
Aber wie schlecht soll deine Lebensqualität noch werden?
Traumatherapie und ihre Methoden wirken enorm gut und teilweise auch schnell. Ich verstehe deine Angst aber für Therapeuten ist das Tages Geschäft.
Und dass du Angst hast was da hoch kommen könnte an Erinnerungen versteh ich auch.
Nur ohne Aufarbeitung ist es ja trotzdem da und kostet deine psyche und deinen Körper enorm viel Kraft. Es wabert so rum und macht dir dein Leben in der Gegenwart auch kaputt.
Dann finde ich es sinnvoller es anzuschauen und dann ist es verarbeitet in ein paar Jahren und dann kannst du ein freies und gutes leben haben. Du bist ja noch jung so dass sich das echt lohnt..je länger es dauert umso länger ist der weg raus.

Zuletzt zu der Sache mit deiner Mutter: könntest du nicht in eine günstige wg ziehen? Etwas Miete zahlst du bei deiner Mutter sicher auch und was hast du von einem Haus wenn es dir ständig schlecht geht?
Es wird schwierig, dass es dir besser gehen soll wenn du mit einem Menschen zusammen lebst der nicht gut zu dir war und(?) ist?
Du wirst sicher denken dass sie doch so schlimm nicht war oder ist aber faktisch schreibst du selbst dass du keine ahnung hast wie sie früher war. Und das bedeutet nunmal nichts gutes. Wäre es gut gewesen hättest du Erinnerungen.
Ja das alles macht Angst und tut weh aber vielleicht kannst du vorsichtig und immer mal wieder drüber nachdenken.
Oder gibt es noch andere Gründe nicht auszuziehen ausser das Haus Thema?

Ich bin oft ziemlich direkt und hoffe das ist nicht zu viel für dich.
Ich habe aber wirklich Ahnung von trauma, von dissoziativen amnesien und habe schon viel erlebt im gesundheits System und in guten und schlechten therapien.
Also wenn du noch Fragen hast frag gerne.
Ansonsten alles liebe dir. Dass du gute Schritte gehen kannst und liebe Menschen im System findest die dich ernst nehmen.

Pass gut auf dich auf. Du bist es wert.
Eli
PS es gibt auch gute Bücher über trauma. Wenn du gerne liest empfehle ich dir gern welche. Das hat mir sehr geholfen um mich besser zu verstehen.
Leben?
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Registriert: Mi Okt 02, 2019 1:53 pm

Re: Hilfe suchen?

Beitrag von Leben? »

Nur kurz ein praktischer Tipp.

Falls man nicht möchte dass Post nach Hause kommt gibt es die Möglichkeit eines Postfaches bei einer Postfiliale. Wie nah oder fern von der eigenen Wohnung man das einrichtet liegt bei einem selbst.

Und dann veranlassen dass die Post dorthin gesendet wird.
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