Gedankenraum - zu mir selbst finden

Hier können Betroffene über ihre Erlebnisse diskutieren.
A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Danke liebe Eli.

Ich habe gerade nicht viele Worte. Aber ich wollte gerne ein Danke hier lassen.

Ich fühle mich wie ausgelaugt.

Ich schwanke zwischen zu viel fühlen und nichts fühlen. Zwischen funktionieren und total überfordert fühlen.

Wut und Traurigkeit wechseln sich ab.
Sind dann plötzlich verschwunden, um dann wieder wie aus dem Nichts auszubrechen.

Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.

A.Rhiannon
"Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit. Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein."

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Eli

Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Eli »

Mmh das kennen wir gerade auch diese totale sprachlosigkeit. Schweigen. Keine Worte die es fassen.

Was uns ein bisschen hilft ist Musik und lyrik von Menschen wie Paul Celan oder nelly Sachs oder Eli wiesel die über den holocaust Gedichte geschrieben haben. Einiges passt da.

Und viel Geduld und milde mit sich.
Alles darf, nichts muss.
Wir waren in einem extremen Leben und haben extremes überlebt.
Versucht euch wenn möglich viele Pausen zu geben. Vielleicht hilft Natur.

Ich wünsche euch ein bisschen Ruhe. Ein bisschen Distanz. Ein bisschen Gefühl. Trost. Ein Wort oder Satz das oder der passend erscheint und unsagbares ein bisschen ausdrücken kann. Das was ihr gerade braucht.

Eine ruhige Nacht euch
Eli
A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Liebe Eli,

vielen Dank für deine Antwort. Wir hatten es schon im März gelesen. Seitdem bis jetzt hatten wir zumindest gefühlt keine Kapazität uns hier nochmal zu zeigen oder auf etwas einzugehen.

Die Natur hilft tatsächlich noch am besten. Das war in den letzten Monaten auch der einzige Raum, in denen wir mal so etwas wie Pausen zulassen konnten. Insgesamt sind Pausen aber sehr sehr sehr schwer gefallen.
Wir haben uns so sehr ge- / überfordert, dass der Körper viele verschiedene Symptome entwickelt hat und sich die Be- bzw. Überlastung deutlich auf verschiedenen Ebenen gezeigt hat. Ich hoffe, es wird jetzt langsam ein wenig besser...

Gleichzeitig ist Geduld mit mir / uns selbst bzw. ein Annehmen und Akzeptieren sowie ein Reduzieren eines Anspruchs von über 100% derzeit ein großes Übungsfeld für uns...
Es ist wirklich schwer... Daher gehen wir auch (immer wieder) so sehr über unsere Grenzen. Gleichzeitig scheint es zumindest Situationen zu geben, wo es nicht anders möglich ist bzw. eben nicht anders möglich erscheint.
Es ist eben ein großes Übungsfeld. Es erfordert wahrscheinlich Zeit... Und eben Geduld... schwer...

Achtung Trigger






Ansonsten hat sich in den letzten Wochen ein neues Innenkind gezeigt. Eines, das ganz eng mit dem kleinen Mädchen verbunden ist, welches all diese Schrecken und M*rd* etc. erfahren hat.
Es trägt irgendwie die gleichen Erinnerungen. Gleichzeitig beschäftigt es sich mehr mit den Gefühlen, dass es mit all den Erlebnissen so alleine gelassen wurde, dass es so verraten wurde.

Das Mädchen fühlt sich dermaßen ungeliebt, unerwünscht, nicht existenzberechtigt. So als dürfte es nicht (über)leben.
Es sieht im Innen sogar komplett anders aus, weil es sich so unglaublich anpassen und anders machen möchte, damit es wenigstens ein kleines bisschen Aufmerksamkeit bzw. Existenzberechtigung erhält.
Anfangs war es auch komplett erstarrt und stumm. Das ist inzwischen bereits etwas besser geworden.

Sie fühlt sich dennoch so ungeliebt, dass sie sich so fühlt als dürfte sie nicht sein. Es darf sie nicht geben. Die Dinge, die sie gesehen, erlebt und gemacht hat, waren zu schlimm. Die Tatsache, dass sie von den Eltern zu so etwas gegeben wurde, dass ihr T*d irgendwie in Kauf genommen wurde, dieser aber nicht eingetreten ist, der von anderen aber schon, das darf und kann so nicht sein. Dass sie so unendlich allein war mit dem Schmerz. Das allein ist schon nicht auszuhalten.
Außerdem wurden ihr doch noch so viele andere Sachen eingeredet.

...


Trigger Ende


Mal sehen, ob es hier so stehen bleiben darf.
Immerhin heißt der Thread Gedankenraum. Also vielleicht darf es zumindest hier einen Raum haben.

A.Rhiannon
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eli

Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von eli »

liebe a.rhiannon,

ich habe dich/euch gelesen. Das klngt sehr anstrengend alles. und auch wenn es hart ist für dich finde ich es gut wenn der körper ein stopp setzt.

ich wünsche dir zeit und raum um das neue innenkind ein bisschen ankommen zu lassen, dass sie sprache findet, ein wenig trost.
sie hat so so schrecklcihes überlebt. und es tut mir so sehr leid wie allein sie so lang war. und wie mutig sich jetzt zu zeigen. wir kennen die fassungslosigkeit und sprachlosigkeit und einsamkeit ein wenig und doch hat jeder mensche aus "so was" eine ganz eigene...

dir wünsche ich kraft um pausen auszuhalten. und zu spüren dass das heute alles sein darf.

eli
Aufatmende
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende »

Darf ich das kleine Mädchen direkt ansprechen?
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A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Liebe Eli,

vielen Dank für deine Worte. Das fühlt sich sehr gesehen an, auch für das Innenkind. Danke dafür.

Liebe Aufatmende,
ja, du darfst. Danke fürs vorher Fragen.

Liebe Grüße,
A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende »

Kleines Mädchen, ich habe gelesen, was "deine" Erwachsene über dich geschrieben hat. In mir war auch so ein kleines Mädchen wie du. Dem geht es jetzt besser. Das ist wirklich möglich, auch wenn du dich so viele Jahre versteckt hast und erstarrt warst. Ich glaube fest, dass die Erwachsene sich um dich kümmern möchte. Du bist nicht mehr allein! Da ist jemand, die dich lieb hat. Sie kann dich trösten und mit dir reden und etwas mit dir tun, was du gerne möchtest: ein Bilderbuch vorlesen oder singen oder malen oder in Pfützen springen oder Steine ins Wasser werfen. Sie wird dich garantiert nicht verraten und sie hält sich, wenn es möglich ist, an eure Vereinbarungen.
Du hast für die Große überlebt! Sie hat sich vielleicht schon bei dir dafür bedankt? Du bist stark und eine Kämpferin. Es war sehr klug von dir, zu erstarren, weil du dann alles besser aushalten konntest, was dir zugefügt wurde und was du tun musstest. Diejenigen, die das befohlen haben, waren sehr böse. Du bist unschuldig!
Du darfst spielen und lachen und schreien und dich wehren und etwas kaputt machen!
Du kannst es im Innen ganz lebendig und bunt machen mit Sachen zum Spielen und Tieren und was du sonst noch brauchst.
Dir wurden falsche Sachen über dich eingeredet. Die waren gelogen! Die Erwachsene kann die das bestimmt erklären, dass du das nicht mehr glauben musst. Die kann vielleicht diejenigen anschreien, die das gesagt haben.
Manchmal hat die Große vielleicht kein Kraft für dich oder keine Zeit oder fürchtet sich vor dem, was du erlebt hast. Du kannst dich trotzdem auf sie verlassen. Sie hat dich lieb, weil du ein Teil von ihr bist!
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Liebe Aufatmende,

hab ganz ganz lieben Dank für deine einfühlsamen Worte. Wir haben sie mehrmals gelesen und sie haben uns sehr berührt, auch und besonders die Kleine. Danke!
Du kannst es im Innen ganz lebendig und bunt machen mit Sachen zum Spielen und Tieren und was du sonst noch brauchst.
Da sind wir schon dabei, immer ein bisschen mehr auch für sie die Innenwelt zu gestalten. Dass es sich für sie sicher und schön anfühlt. Es wird mit der Zeit immer ein Stückchen besser.
Dir wurden falsche Sachen über dich eingeredet. Die waren gelogen! Die Erwachsene kann die das bestimmt erklären, dass du das nicht mehr glauben musst. Die kann vielleicht diejenigen anschreien, die das gesagt haben.
Das hatte meine Therapeutin beim letzten Mal auch sehr ähnlich als Übung vorgeschlagen. Ich habe angefangen bis zum nächsten Mal Situationen aus der Gegenwart zu sammeln, die zeigen, dass es Lügen waren. Dann versuchen wir vielleicht beim nächsten Mal, also dass ich als Erwachsene in der Imagination dann die von früher mit ihren Lügen konfrontiere.
Mal schauen wie das wird. Selbst für mich als Erwachsene fühlt sich das nicht so leicht an.

A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende »

Ich fand es sehr, sehr schwierig, aber auch sehr befreiend. Es war auch gar nicht mehr so wichtig, alles im Einzelnen auszusprechen. Es galt sozusagen mit, was ich geschrieben hatte und das Wagnis war, die Täter überhaupt anzuschreien, die Energie frei zu setzen.

Schön, dass es hilfreich war, was ich geschrieben habe. Das ist auch eine Genugtuung für "meine" Kleinen.
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Liebe Kleine,

ich möchte dir sagen, dass ich dir sehr dankbar bin, dass du so lange diese Erinnerungen, diese Bürde, diesen Schmerz für uns getragen hast. Das hat uns dabei geholfen zu überleben.

Jetzt bist du nicht mehr allein. Es ist schon ganz viel Zeit seit damals vergangen. Wir sind heute in Sicherheit. Ich bin heute für dich da. Du musst das alles nicht mehr allein tragen. Ich sehe dich und ich fühle mit dir. Deine Gefühle dürfen da sein und Raum haben.

Du musst mit all diesen Sachen nicht mehr allein umgehen.
Vor allem möchte ich dir auch sagen, auch wenn ich spüre, dass du es noch anders fühlst - dass es nie deine Verantwortung war. Nicht das, was die anderen Kinder erleiden mussten. Es war auch nie deine Verantwortung irgendjemand anderen zu schützen. Es tut mir leid, aber du hattest nie die Macht oder die Wahl darüber. Niemals, nicht einmal ein kleines bisschen. Das haben die Männer dich nur glauben lassen. Es war manipulativ, es war gemein, es war gelogen.

Auch heute haben wir nicht die Macht XY zu schützen. So oder so. Es war und ist nicht unsere Aufgabe und liegt nicht in unserer Macht. Ja, das fühlt sich ganz doll schlimm an und das darf es. Ich fühle es mit dir. All den Schmerz, all die Verzweiflung, all die Traurigkeit und die Ohnmacht. All das.
Weißt du XY sind inzwischen wie wir auch erwachsen. Weil so viel Zeit vergangen ist.

Das einzige, was wir tun können, ist möglichst auf uns selbst aufzupassen. Möglichst für uns selbst zu sorgen. Weiter für uns und unsere Sicherheit zu kämpfen. Das nicht für etwas oder jemand anderen aufzugeben - auch wenn das schwer fällt. Auch wenn das Schuldgefühle auslöst. Auch wenn sich das alles ganz schlimm anfühlt. Das einzige, was wir tun können, ist möglichst auf uns selbst aufzupassen, für uns da zu sein, uns abzugrenzen für unsere eigene Sicherheit.

Es ist nicht egoistisch. Denn wie damals haben wir keinen Einfluss, keine Kontrolle auf die Geschehnisse oder über andere. Wir können nur versuchen uns selbst zu schützen. Das dürfen wir. Wir sind Eigenschutz und Fürsorge und Leben wert. Ganz wirklich, auch wenn es sich für dich gerade überhaupt noch nicht so anfühlt.
Ich möchte diese Gefühle gemeinsam mit dir tragen und dir nach und nach auch Positives im Heute zeigen und dass es in Ordnung ist, das auch anzunehmen.

A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende »

Ja, ihr seid Eigenschutz und Fürsorge und Leben und Lieben wert!
Andere Kinder, Geschwister, die Einsamkeit, die das verursacht. Das ist alles so viel Arbeit, es zu aktualisieren.
Es liest sich, als würdest du Riesenfortschritte machen.
Wow!
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Danke liebe Aufatmende.

Manchmal fühlt es sich gar nicht so nach Fortschritt an... Aber ja, vielleicht ist es das trotzdem irgendwie. Danke fürs Bewusstmachen.

Es fühlt sich derzeit immer wieder schlimm an. Aber irgendwie darf es das ja auch. Immerhin darf und kann es heute ab und zu auch so gefühlt und zugelassen werden.

Gleichzeitig entwickeln sich dennoch auch (wieder) so schlimme psychosomatische Beschwerden, unter anderem ganz schlimme Magenkrämpfe. Weiß gar nicht wie so richtig damit umgehen...
Wobei ich schon gemerkt habe, dass Meditieren hilft, weil es diese ständig flache und verkrampfte Atmung zumindest für den Moment etwas entspannt.

Hat sonst noch jemand Tipps oder Erfahrungen, was gegen solche Stressmagenkrämpfe helfen könnte?

A.Rhiannon
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von A.Rhiannon »

Ich habe nochmal hin gefühlt. Es zerreißt mich zurecht. Auch im Heute.

Immerhin konnten nochmal Tränen geweint werden.

Und es konnte ganz kurz auch Wut gespürt werden und zwar an die richtige Adresse gerichtet.
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Eli

Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Eli »

Osteopathie vielleicht?
Das klingr ganz anstrengend und tut uns echt leid.

Mehr geht leider gerade nicht.
Dir gute stärkende gedanken
Eli
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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden

Beitrag von Aufatmende »

Auch wenn ich weiß, dass etwas psychosomatisch ist, hilft manchmal das, was ich bei tatsächlicher Krankheit auch täte. Meine Ärztin meinte dazu; den Schmerzen ist es egal. Dass sie psychosomatisch sind.
Bei Magenkrämpfen würde ich eine Wärmflasche nehmen oder sanft kreisende Bewegungen auf dem Bauch machen.
Meist habe ich eine Idee, zu welchem Anteil die Symptome gehören. Ich frage dann direkt, was dieser Anteil braucht und was er mir zeigen will. Das kann aber auch nach hinten losgehen und mich in alte Filme stürzen.

Meine Thera sagt, auch wenn etwas nicht funktioniert, verändert sich etwas, weil ich im Kontakt mit mir selbst war.
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