von zuzuzu » Mo Aug 25, 2025 6:01 pm
Hallo zusammen,
erstmal vielen Dank euch allen für eure Meinungen, ich schaue hier oft rein und bin sehr dankbar für den Input. Ich will einen Update geben, da paar Monate vergangen sind.
Erstens, ich bin weiterhin in Therapie. All meine Erinnerungen über unterschiedliche unangenehme Situationen mit meinem Vater sind hochgekommen und das belastet mich sehr. Vor paar Wochen hat meine innere Spannung ihren Peak erreicht und ich habe meinen Vater angerufen und ihm erzählt, dass ich mich an alles erinnern kann. Er hat allem, was ich gesagt habe, zugestimmt und sich entschuldigt. Ich glaube, er versteht nicht den Ausmaß davon, was er angerichtet hat. Das Gespräch hat zwar nicht alle meine Probleme gelöst, diese krasse innere Spannung ist aber erstmal weg und ich fühle alleine dadurch eine große Erleichterung.
Ich weiß nicht, was jetzt mein Ziel ist und was ich von ihm will, beziehungsweise wie unsere Beziehung weiter aussehen wird. Ich fühle ein großes Spektrum an Emotionen, die abwechseln sind: Wut, Trauer, Mitleid, Liebe, Hass, Enttäuschung, Frust. Ich muss damit erstmal leben.
Den Kontakt habe ich ein bisschen eingeschränkt. Ich telefoniere deutlich seltener mit ihm, und nur sachlich. Ich habe unseren Chat archiviert und kriege keine Benachrichtigungen mehr.
Mit der Hochzeit hat sich alles von alleine geklärt. Meine Eltern können zu mir nicht kommen und deswegen wird mein Vater auch nicht anwesend sein.
Ich und mein Freund haben einige Probleme in Sexualleben, weil ich zu oft an mein Trauma denken muss und diese Gedanken unser Sex ruinieren. Mein Freund hat aber viel Verständnis dafür und ich bin ihm sehr dankbar. Er ist in dieser Zeit meine größte Unterstützung gewesen.
Mit meiner Mutter ist es kompliziert. Ich liebe sie wirklich sehr, aber es gab ein Zeitpunkt in meinen Teenager Jahren, wo sie sehr nah dran war zu verstehen, dass ich missbraucht wurde. Sie hatte aber Angst und hat das Thema nicht weiter gepusht. Sie hat nämlich eine Bekannte von mir angerufen und hat gesagt, dass mein Vater sie auch angefasst hat. Ich hatte dann Todesangst und habe meiner Mutter gesagt, dass das alles nicht wahr ist und mein Vater sowas nie machen würde. Sie hat mir "geglaubt" und für ihre eigene Ruhe das Thema gelassen. Ich glaube, ein Teil von ihr konnte an die schreckliche Wahrheit nicht glauben und der andere wollte es nicht.
Ein Kommentator hat mich gefragt, wieso ich meinen Vater schütze und nicht anzeige. Ich verstehe diese Aussage ganz gut und bin natürlich der Meinung, dass alle Täter angezeigt werden sollen. Ich bewundere den Mut aller Opfer und Zeugen, die das machen. Ich bin aber noch nicht soweit und weiß nicht, ob ich je soweit sein werde. Ich weiß, dass wenn ich meinen Vater anzeigen würde, würde es mir persönlich sehr viel Leid ins Leben bringen. Auf mich wartet dann ein langer und schwieriger Gerichtsverfahren und das wird auch noch durch die Tatsache erschwert, dass ich aus meinem Heimatsland ausgewandert bin und nicht zurück kann. Ich weiß, dass meine Mutter, Tante und meine Großeltern damit gar nicht gut zurecht kommen werden. Ich bin (noch) nicht bereit für diese Konsequenzen. Der Frieden meiner Familie wurde immer auf meine Kosten gekauft. Ich will mein Leben jetzt nicht noch schwieriger machen. Ich will meinen Vater auf gar keinen Fall beschützen und ich kaufe kein einziges Wort von ihm und seine Entschuldigung bedeutet nichts. Ich will aber mich und mein Leben und meine Ruhe beschützen, weil es ansonsten keiner tun wird.
Viele Grüße an alle von euch,
Zuzuzu
Hallo zusammen,
erstmal vielen Dank euch allen für eure Meinungen, ich schaue hier oft rein und bin sehr dankbar für den Input. Ich will einen Update geben, da paar Monate vergangen sind.
Erstens, ich bin weiterhin in Therapie. All meine Erinnerungen über unterschiedliche unangenehme Situationen mit meinem Vater sind hochgekommen und das belastet mich sehr. Vor paar Wochen hat meine innere Spannung ihren Peak erreicht und ich habe meinen Vater angerufen und ihm erzählt, dass ich mich an alles erinnern kann. Er hat allem, was ich gesagt habe, zugestimmt und sich entschuldigt. Ich glaube, er versteht nicht den Ausmaß davon, was er angerichtet hat. Das Gespräch hat zwar nicht alle meine Probleme gelöst, diese krasse innere Spannung ist aber erstmal weg und ich fühle alleine dadurch eine große Erleichterung.
Ich weiß nicht, was jetzt mein Ziel ist und was ich von ihm will, beziehungsweise wie unsere Beziehung weiter aussehen wird. Ich fühle ein großes Spektrum an Emotionen, die abwechseln sind: Wut, Trauer, Mitleid, Liebe, Hass, Enttäuschung, Frust. Ich muss damit erstmal leben.
Den Kontakt habe ich ein bisschen eingeschränkt. Ich telefoniere deutlich seltener mit ihm, und nur sachlich. Ich habe unseren Chat archiviert und kriege keine Benachrichtigungen mehr.
Mit der Hochzeit hat sich alles von alleine geklärt. Meine Eltern können zu mir nicht kommen und deswegen wird mein Vater auch nicht anwesend sein.
Ich und mein Freund haben einige Probleme in Sexualleben, weil ich zu oft an mein Trauma denken muss und diese Gedanken unser Sex ruinieren. Mein Freund hat aber viel Verständnis dafür und ich bin ihm sehr dankbar. Er ist in dieser Zeit meine größte Unterstützung gewesen.
Mit meiner Mutter ist es kompliziert. Ich liebe sie wirklich sehr, aber es gab ein Zeitpunkt in meinen Teenager Jahren, wo sie sehr nah dran war zu verstehen, dass ich missbraucht wurde. Sie hatte aber Angst und hat das Thema nicht weiter gepusht. Sie hat nämlich eine Bekannte von mir angerufen und hat gesagt, dass mein Vater sie auch angefasst hat. Ich hatte dann Todesangst und habe meiner Mutter gesagt, dass das alles nicht wahr ist und mein Vater sowas nie machen würde. Sie hat mir "geglaubt" und für ihre eigene Ruhe das Thema gelassen. Ich glaube, ein Teil von ihr konnte an die schreckliche Wahrheit nicht glauben und der andere wollte es nicht.
Ein Kommentator hat mich gefragt, wieso ich meinen Vater schütze und nicht anzeige. Ich verstehe diese Aussage ganz gut und bin natürlich der Meinung, dass alle Täter angezeigt werden sollen. Ich bewundere den Mut aller Opfer und Zeugen, die das machen. Ich bin aber noch nicht soweit und weiß nicht, ob ich je soweit sein werde. Ich weiß, dass wenn ich meinen Vater anzeigen würde, würde es mir persönlich sehr viel Leid ins Leben bringen. Auf mich wartet dann ein langer und schwieriger Gerichtsverfahren und das wird auch noch durch die Tatsache erschwert, dass ich aus meinem Heimatsland ausgewandert bin und nicht zurück kann. Ich weiß, dass meine Mutter, Tante und meine Großeltern damit gar nicht gut zurecht kommen werden. Ich bin (noch) nicht bereit für diese Konsequenzen. Der Frieden meiner Familie wurde immer auf meine Kosten gekauft. Ich will mein Leben jetzt nicht noch schwieriger machen. Ich will meinen Vater auf gar keinen Fall beschützen und ich kaufe kein einziges Wort von ihm und seine Entschuldigung bedeutet nichts. Ich will aber mich und mein Leben und meine Ruhe beschützen, weil es ansonsten keiner tun wird.
Viele Grüße an alle von euch,
Zuzuzu