von Johanna » Sa Mai 23, 2026 3:47 am
Hallo, schon lange nicht mehr hier gewesen. Rund 2 Jahre. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, warum ich wieder auf die Idee kam hier zu schreiben. Es ist spät, schon fast 4 Uhr nachts, und ich kann nicht schlafen. Keiner ist da und ich hatte plötzlich wieder dieses Bedürfnis, mich mitzuteilen. Vielleicht auch, weil ich mich einsam fühle. Und weil ich früher mal das Gefühl hatte, hier sicher zu sein. Und ein Zeichen hey ich bin noch da.
In den letzten 2 Jahren hatte ich noch zwei weitere Klinikaufenthalte und erste Ansätze von Traumatherapie.
Bei dem einen stationären Aufenthalt war ich in der Commitment-Phase, die ungefähr 6 Wochen ging. Dieser Aufenthalt tat mir eigentlich sehr gut. Ich lernte einige Skills, konnte mich öffnen und war bereit und gewillt, an mir zu arbeiten und Dinge zu verarbeiten.
Nach der Commitment-Phase wäre ich eigentlich für 8 Wochen zuhause gewesen und danach für 10 Wochen zur Expositions-/Verarbeitungsphase zurück in die Klinik gegangen. Doch beim Abschlussgespräch kam die bittere Enttäuschung: Ich wurde nicht für die nächste Phase übernommen.
Die Begründung war, dass ich mich in den Gruppentherapien zu wenig mitteilen würde und zu selten aktiv Hilfe beim Pflegepersonal suche. Dabei dachte ich eigentlich, genau dafür sei die erste Phase da gewesen: zu lernen, wann ich Skills anwenden muss, meine Anspannung besser wahrzunehmen und Strategien selbstständig umzusetzen. Und genau das konnte ich eigentlich recht gut anwenden. Wenn ich es alleine nicht schaffte, bat ich auch um Hilfe.
Dann zu hören, ich hätte es „falsch“ gemacht oder sie hätten eine ganz andere Sicht darauf, war sehr verletzend. Es fühlte sich an, als hätte ich nicht bestanden.
In Gruppentherapien war ich zwar ruhig, aber durch meinen Autismus fällt es mir generell schwer, vor vielen Menschen zu reden. Trotzdem habe ich mitgemacht, wo ich konnte, und versucht umzusetzen, was man uns beigebracht hat.
Sie wollten, dass ich die erste Phase wiederhole. Nach längerem Überlegen lehnte ich das aber ab, weil ich nicht dachte, dass ich mich in Gruppen plötzlich mehr mitteilen könnte. Die Angst war viel zu groß, wieder nicht weiterzukommen.
Der andere Klinikaufenthalt war letztes Jahr im September, diesmal in einer anderen Klinik. Dort wurde mir gesagt, dass die Therapie individueller ablaufen würde, ohne festen Zeitplan. Trotzdem brach ich den Aufenthalt nach etwa 5/6 Wochen ab.
Ich habe dort eigentlich nur Fitness gemacht, viele Therapien fielen aus und meine zuständige Therapeutin gab mir nie das Gefühl, wirklich zuzuhören. Sie stellte mir teilweise zehnmal dieselbe Frage in einer Sitzung. Oder sagte Dinge wie:
„Welches Sternzeichen hatte der Täter?“ ,weil sie daraus seine Persönlichkeitszüge ableiten wollte.
Oder:
„Er wird dich schon nicht umb#####n.“
Und auch:
„Jede Frau hat Ängste, vor allem während der Periode.“
Oder:
„Also ist nur das passiert.“
Es fühlte sich oft so an, als würde sie alles relativieren. Als wäre das, was passiert ist, nicht schlimm genug. Als würde man mich nicht ernst nehmen oder gar nicht richtig sehen.
Sie erzählte außerdem oft mehr über sich selbst oder fragte über die Täter , was sie heute machen, ob sie Freundinnen haben usw. ,statt wirklich über mich zu sprechen.
Als ich darum bat, entlassen zu werden, war das ebenfalls schwierig. Obwohl ich schon über einen Monat dort war, meinten sie, ich sei „erst zwei Wochen da“. Und das ich somit noch nicht genug Zeit hätte mich einzugewöhnen. Danach konnte ich angeblich nicht entlassen werden, weil ständig jemand krank war. Und es wohl nur meine zuständige Ärtztin/Therapeutin veranlassen könnte.
Ich fühlte mich dort irgendwann so unwohl, dass ich mich nur noch isolierte, Angst hatte mein Zimmer zu verlassen und kaum noch essen konnte. Anders als bei den anderen Aufenthalten hatte ich dort auch keine Bezugspersonen unter den Patienten. Deshalb war ich am Ende zwar froh zu gehen, aber gleichzeitig auch frustriert, dass es wieder nicht geklappt hatte.
Jetzt bin ich bei einer ambulanten Therapeutin, da ich im April 21 geworden bin und nicht mehr zu meiner Kinder- und Jugendpsychiaterin gehen kann. Ich bin erst seit fast 2 Monaten bei ihr und behandle dort nun mein Trauma.
Und ehrlich gesagt kostet es unglaublich viel Kraft.
Die Schuldgefühle sind wieder stärker geworden. Die Fragen von früher kommen zurück:
Hätte ich etwas verhindern können?
Wie hätte ich es verhindern können?
Meine Dissoziationen sind ebenfalls stärker geworden. Vom Schlaf kaum zu sprechen. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ohne Angst eingeschlafen bin. Nächte ohne Albträume sind selten.
Trotzdem bin ich froh, dass ich es jetzt angehe und noch einen neuen Versuch wage.
Auch wenn ich nicht mehr weiß, wann ich das letzte Mal wirklich unbeschwert war, weiß ich irgendwo, dass es diesen Zeitpunkt mal gegeben haben muss. Ich vergesse nur die schönen Momente oft sehr schnell. Das Dunkle fühlt sich meistens größer an als das Helle.
Dabei gab es auch schöne Dinge in den letzten 2 Jahren.
Ich habe einen neuen Partner, der mich unterstützt. Das ist manchmal immer noch ungewohnt für mich, weil ich solche Erfahrungen kaum kannte.
Ich bin außerdem aus meinem Elternhaus ausgezogen. Die Beziehung zu meiner Mutter wurde durch den Abstand besser. Nicht perfekt, aber wir begegnen uns heute anders. Es gibt nicht mehr jeden Tag Streit wie früher.
Ich habe jetzt eine schöne Wohnung mit meinem Freund und mein Kater Miloh, der mich seit fast 8 Jahren begleitet, ist ebenfalls bei mir. Und das bedeutet mir unglaublich viel und gibt mir Kraft.
Seit letztem Sommer bin ich krankgeschrieben. Ich war Azubi und gegen Ende des ersten Ausbildungsjahres komplett am Ende. Ich habe mich überarbeitet, meine Grenzen ignoriert oder sie wurden trotz Gesprächen im Betrieb überschritten. Ich hatte täglich Panikattacken, Angst vor jedem neuen Tag, kaum Schlaf und griff irgendwann jeden Tag zu Alk##### nach der Arbeit. Irgendwann selbst morgens, als ich dann krankgeschrieben war einfach um den Tag, meine Gedanken und alles irgendwie auszuhalten.
Aber ich habe aufgehört.
Heute trinke ich kaum noch. Wenn überhaupt, dann nur bei Anlässen mit anderen und nicht mehr alleine. Auch wenn ich manchmal noch den Drang danach habe oder andere selbstzerstörerische Verhaltensweisen. Ich widerstehe und wende stattdessen skills an. Auch wenn es mak Rückschläge gab.
Und ich bin inzwischen seit über einem halben Jahr frei von SVV.
Eigentlich etwas, worauf ich stolz sein sollte.
Nein.
Das „eigentlich“ soll weg.
Ich bin stolz.
Auch wenn ich mich schlecht fühle, weil ich seit einem Jahr krankgeschrieben bin und weiß, dass ich die Ausbildung nicht fortführen werde, versuche ich trotzdem weiterzugehen und zu kämpfen.
Ich möchte bald in eine Maßnahme kommen, um in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu arbeiten. Und auch wenn ich mich manchmal fühle, als würde ich nichts für diese Gesellschaft leisten, glaube ich trotzdem, dass das eine Entscheidung ist, die mich wirklich glücklich machen könnte.
Vielleicht zum ersten Mal etwas, das wirklich zu mir passt.
Ohne diesen ständigen Druck, so funktionieren zu müssen wie andere.
Sondern einfach so sein zu dürfen, wie ich bin. Darin besteht meine Hoffnung. Und Hoffnung bedeutet eben Hoffnung , ein Lichtblick.
Hallo, schon lange nicht mehr hier gewesen. Rund 2 Jahre. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, warum ich wieder auf die Idee kam hier zu schreiben. Es ist spät, schon fast 4 Uhr nachts, und ich kann nicht schlafen. Keiner ist da und ich hatte plötzlich wieder dieses Bedürfnis, mich mitzuteilen. Vielleicht auch, weil ich mich einsam fühle. Und weil ich früher mal das Gefühl hatte, hier sicher zu sein. Und ein Zeichen hey ich bin noch da.
In den letzten 2 Jahren hatte ich noch zwei weitere Klinikaufenthalte und erste Ansätze von Traumatherapie.
Bei dem einen stationären Aufenthalt war ich in der Commitment-Phase, die ungefähr 6 Wochen ging. Dieser Aufenthalt tat mir eigentlich sehr gut. Ich lernte einige Skills, konnte mich öffnen und war bereit und gewillt, an mir zu arbeiten und Dinge zu verarbeiten.
Nach der Commitment-Phase wäre ich eigentlich für 8 Wochen zuhause gewesen und danach für 10 Wochen zur Expositions-/Verarbeitungsphase zurück in die Klinik gegangen. Doch beim Abschlussgespräch kam die bittere Enttäuschung: Ich wurde nicht für die nächste Phase übernommen.
Die Begründung war, dass ich mich in den Gruppentherapien zu wenig mitteilen würde und zu selten aktiv Hilfe beim Pflegepersonal suche. Dabei dachte ich eigentlich, genau dafür sei die erste Phase da gewesen: zu lernen, wann ich Skills anwenden muss, meine Anspannung besser wahrzunehmen und Strategien selbstständig umzusetzen. Und genau das konnte ich eigentlich recht gut anwenden. Wenn ich es alleine nicht schaffte, bat ich auch um Hilfe.
Dann zu hören, ich hätte es „falsch“ gemacht oder sie hätten eine ganz andere Sicht darauf, war sehr verletzend. Es fühlte sich an, als hätte ich nicht bestanden.
In Gruppentherapien war ich zwar ruhig, aber durch meinen Autismus fällt es mir generell schwer, vor vielen Menschen zu reden. Trotzdem habe ich mitgemacht, wo ich konnte, und versucht umzusetzen, was man uns beigebracht hat.
Sie wollten, dass ich die erste Phase wiederhole. Nach längerem Überlegen lehnte ich das aber ab, weil ich nicht dachte, dass ich mich in Gruppen plötzlich mehr mitteilen könnte. Die Angst war viel zu groß, wieder nicht weiterzukommen.
Der andere Klinikaufenthalt war letztes Jahr im September, diesmal in einer anderen Klinik. Dort wurde mir gesagt, dass die Therapie individueller ablaufen würde, ohne festen Zeitplan. Trotzdem brach ich den Aufenthalt nach etwa 5/6 Wochen ab.
Ich habe dort eigentlich nur Fitness gemacht, viele Therapien fielen aus und meine zuständige Therapeutin gab mir nie das Gefühl, wirklich zuzuhören. Sie stellte mir teilweise zehnmal dieselbe Frage in einer Sitzung. Oder sagte Dinge wie:
„Welches Sternzeichen hatte der Täter?“ ,weil sie daraus seine Persönlichkeitszüge ableiten wollte.
Oder:
„Er wird dich schon nicht umb#####n.“
Und auch:
„Jede Frau hat Ängste, vor allem während der Periode.“
Oder:
„Also ist nur das passiert.“
Es fühlte sich oft so an, als würde sie alles relativieren. Als wäre das, was passiert ist, nicht schlimm genug. Als würde man mich nicht ernst nehmen oder gar nicht richtig sehen.
Sie erzählte außerdem oft mehr über sich selbst oder fragte über die Täter , was sie heute machen, ob sie Freundinnen haben usw. ,statt wirklich über mich zu sprechen.
Als ich darum bat, entlassen zu werden, war das ebenfalls schwierig. Obwohl ich schon über einen Monat dort war, meinten sie, ich sei „erst zwei Wochen da“. Und das ich somit noch nicht genug Zeit hätte mich einzugewöhnen. Danach konnte ich angeblich nicht entlassen werden, weil ständig jemand krank war. Und es wohl nur meine zuständige Ärtztin/Therapeutin veranlassen könnte.
Ich fühlte mich dort irgendwann so unwohl, dass ich mich nur noch isolierte, Angst hatte mein Zimmer zu verlassen und kaum noch essen konnte. Anders als bei den anderen Aufenthalten hatte ich dort auch keine Bezugspersonen unter den Patienten. Deshalb war ich am Ende zwar froh zu gehen, aber gleichzeitig auch frustriert, dass es wieder nicht geklappt hatte.
Jetzt bin ich bei einer ambulanten Therapeutin, da ich im April 21 geworden bin und nicht mehr zu meiner Kinder- und Jugendpsychiaterin gehen kann. Ich bin erst seit fast 2 Monaten bei ihr und behandle dort nun mein Trauma.
Und ehrlich gesagt kostet es unglaublich viel Kraft.
Die Schuldgefühle sind wieder stärker geworden. Die Fragen von früher kommen zurück:
Hätte ich etwas verhindern können?
Wie hätte ich es verhindern können?
Meine Dissoziationen sind ebenfalls stärker geworden. Vom Schlaf kaum zu sprechen. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ohne Angst eingeschlafen bin. Nächte ohne Albträume sind selten.
Trotzdem bin ich froh, dass ich es jetzt angehe und noch einen neuen Versuch wage.
Auch wenn ich nicht mehr weiß, wann ich das letzte Mal wirklich unbeschwert war, weiß ich irgendwo, dass es diesen Zeitpunkt mal gegeben haben muss. Ich vergesse nur die schönen Momente oft sehr schnell. Das Dunkle fühlt sich meistens größer an als das Helle.
Dabei gab es auch schöne Dinge in den letzten 2 Jahren.
Ich habe einen neuen Partner, der mich unterstützt. Das ist manchmal immer noch ungewohnt für mich, weil ich solche Erfahrungen kaum kannte.
Ich bin außerdem aus meinem Elternhaus ausgezogen. Die Beziehung zu meiner Mutter wurde durch den Abstand besser. Nicht perfekt, aber wir begegnen uns heute anders. Es gibt nicht mehr jeden Tag Streit wie früher.
Ich habe jetzt eine schöne Wohnung mit meinem Freund und mein Kater Miloh, der mich seit fast 8 Jahren begleitet, ist ebenfalls bei mir. Und das bedeutet mir unglaublich viel und gibt mir Kraft.
Seit letztem Sommer bin ich krankgeschrieben. Ich war Azubi und gegen Ende des ersten Ausbildungsjahres komplett am Ende. Ich habe mich überarbeitet, meine Grenzen ignoriert oder sie wurden trotz Gesprächen im Betrieb überschritten. Ich hatte täglich Panikattacken, Angst vor jedem neuen Tag, kaum Schlaf und griff irgendwann jeden Tag zu Alk##### nach der Arbeit. Irgendwann selbst morgens, als ich dann krankgeschrieben war einfach um den Tag, meine Gedanken und alles irgendwie auszuhalten.
Aber ich habe aufgehört.
Heute trinke ich kaum noch. Wenn überhaupt, dann nur bei Anlässen mit anderen und nicht mehr alleine. Auch wenn ich manchmal noch den Drang danach habe oder andere selbstzerstörerische Verhaltensweisen. Ich widerstehe und wende stattdessen skills an. Auch wenn es mak Rückschläge gab.
Und ich bin inzwischen seit über einem halben Jahr frei von SVV.
Eigentlich etwas, worauf ich stolz sein sollte.
Nein.
Das „eigentlich“ soll weg.
Ich bin stolz.
Auch wenn ich mich schlecht fühle, weil ich seit einem Jahr krankgeschrieben bin und weiß, dass ich die Ausbildung nicht fortführen werde, versuche ich trotzdem weiterzugehen und zu kämpfen.
Ich möchte bald in eine Maßnahme kommen, um in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu arbeiten. Und auch wenn ich mich manchmal fühle, als würde ich nichts für diese Gesellschaft leisten, glaube ich trotzdem, dass das eine Entscheidung ist, die mich wirklich glücklich machen könnte.
Vielleicht zum ersten Mal etwas, das wirklich zu mir passt.
Ohne diesen ständigen Druck, so funktionieren zu müssen wie andere.
Sondern einfach so sein zu dürfen, wie ich bin. Darin besteht meine Hoffnung. Und Hoffnung bedeutet eben Hoffnung , ein Lichtblick.