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Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 9:45 pm
von *wirrli
Ich glaube aber schon, dass das so eine Art Hemmschuh ist...

Hey...
wenn du wüsstest, dass danach was ganz Großartiges kommt,
dann hättest du doch dem Impuls schon lange nachgegeben oder? :wink:

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 9:57 pm
von gästefrau
ganz ehrlich?
keine ahnung......es ist schließlich verpönt....man darf das doch nicht "einfach so" machen.......
außerdem denkt man doch viel an seine mitmenschen, freunde....will nicht, dass sich jemand einen vorwurf macht oder jemanden irgendwie ein schlechtes gefühl plagen könnte...schuldzuweisungen und so........
das ist für mich einer der hauptbeweggründe warum es mich noch gibt.....
über die frage "danach" hab ich im akutfall noch nie nachgedacht, über meine freunde jedoch sehr viel

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:00 pm
von *wirrli
gästefrau hat geschrieben:man darf das doch nicht "einfach so" machen......
klingt schwer katholisch 8)
gästefrau hat geschrieben:außerdem denkt man doch viel an seine mitmenschen, freunde....will nicht, dass sich jemand einen vorwurf macht oder jemanden irgendwie ein schlechtes gefühl plagen könnte...schuldzuweisungen und so........
das ist für mich einer der hauptbeweggründe warum es mich noch gibt.....
hm... da hatte ich grad ne Diskussion drüber... :roll:
du tust es oder tust es nicht, für dich!
Und nicht für Andere!

Klar, ich finde auch, dass man nicht alle zurücklassen kann
und auch Verantwortung hat!!

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:02 pm
von eljott
ich denk ma da ist trotzdem was dran *wirrlis,
denn alle denkgebilde, die einen "paradiesischen zustand" nach dem tod imaginieren,
haben zugleich ein suizidverbot in ihre vorstellungswelt integriert.
wer sein leben selbst beendet, wird in so gut wie keiner spirituellen vorstellungen dafür mit einem tollen afterlife belohnt.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:11 pm
von gästefrau
wurde katholisch erzogen, hab mich jedoch von der kirche abgewandt.....aber es ist doch auch die gesellschaft, die es einem quasi verbietet

und - eljott - ich denke da geht es nicht nur um spiritualität bzw. glauben....für mich gehts da wirklich ganz stark um die mitmenschen......

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:13 pm
von eljott
ja, gästefrau, das hatte ich verstanden.
ich hatte mich auf *wirrli hier:
*wirrli hat geschrieben:Ich glaube aber schon, dass das so eine Art Hemmschuh ist...
bezogen.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:14 pm
von *wirrli
gästefrau hat geschrieben:für mich gehts da wirklich ganz stark um die mitmenschen......
auch ein schwieriges Thema...

einerseits lobenswert, nicht alle im Stich zu lassen.
Andererseits:
sollen diese Menschen die Last/Bürde tragen, dass du wegen ihnen noch da bist?

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:15 pm
von *wirrli
eljott hat geschrieben:ja, gästefrau, das hatte ich verstanden.
ich hatte mich auf *wirrli hier:
*wirrli hat geschrieben:Ich glaube aber schon, dass das so eine Art Hemmschuh ist...
bezogen.
Ja, ich mein ja auch:
wenn einem einer das Paradies versprechen würde,
dann wär man schneller mal tot?!

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:18 pm
von gästefrau
*wirrli hat geschrieben:
gästefrau hat geschrieben:für mich gehts da wirklich ganz stark um die mitmenschen......
auch ein schwieriges Thema...

einerseits lobenswert, nicht alle im Stich zu lassen.
Andererseits:
sollen diese Menschen die Last/Bürde tragen, dass du wegen ihnen noch da bist?
das sehen die (zum glück?) anders...... :roll:

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Do Dez 20, 2012 10:20 pm
von gästefrau
@eljott: alles klar.....dann hab ich dich auch richtig verstanden.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Fr Dez 21, 2012 12:07 am
von peshewa
ich habe meinen glauben stark geändert. ich redete mir jahre lang ein, dass die welt aus wissenschaft besteht. herzschlag = leben, kein herzschlag = tod. gefühle sind impulse des gehirns in der amygdala, jedes gehirnareal ist für irgendwas zuständig. und dennoch gibt es phänomene, wie die dissoziation bspw. die mir so niemand erklären kann. wer eine psychose hatte der weiss, wie schnell aus absolut logischer realität eine völlig neue realität werden kann. klar geschehen diese dinge auch im gehirn, und dennoch fühle ich mich als mehr als gehirn.
im video finde ich jetzt auch nicht der licht-teil so prikelnd, sondern die begründung, warum wir überhaupt hier auf der welt sind, und ja, selbst wenn es wissenschaft wäre, so müsste es doch einen sinn dahinter geben. für mich macht es so sinn, ich merke es wirkt gegen die suizidgedanken und gibt für mich auch kraft, an mir zu arbeiten, denn die vorstellung, das alles nochmals durchleben zu müssen ist definitiv die schrecklichste vorstellung, die ich haben könnte. auch das forum hier gibt mir halt, ich will nicht verantwortlich sein, wenn irgendwann hier geschrieben wird, dass sich jemand schuld gibt, weil er mir nicht helfen konnte oder so - dass will ich niemandem hier antun.

auf der anderen seite - ja - wenn ich stark suizidal bin denke ich an all diese dinge auch nicht. dann denke ich noch nicht mal an meine eigenen kinder dabei und das ist wirklich schlimm. aber ich glaube auch, dass man lernen kann, warnzeichen früh zu erkennen und hilfe zu kriegen in einem moment, in dem man noch hilfe annehmen kann, in dem man das ruder noch umreissen kann.

es ist egal ob die vorstellung stimmt oder nicht, denke ich, hauptsache sie hilft. und die menge an nahtoderfahrungen, die sich alle sehr ähneln stimmen mich tatsächlich sehr nachdenklich !!! und das ist gut so !!!!!

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Fr Dez 21, 2012 8:54 pm
von gäatefrau
peshewa hat geschrieben:aber ich glaube auch, dass man lernen kann, warnzeichen früh zu erkennen und hilfe zu kriegen in einem moment, in dem man noch hilfe annehmen kann, in dem man das ruder noch umreissen kann.
mein problem dabei ist: 1., dass ich diese frühen warnzeichen als solche nicht sehen/akzeptieren kann und will
2., ich riesen schwierigkeiten damit habe, hilfe (außer meiner thera) in anspruch zu nehmen bzw. annehmen zu können
ich 3. diese frühen warnzeichen zu wenig ernst nehme
und sie 4. sich sehr schnell steigern können und ich es dann quasi (mangels mir meiner selbst-bewusst-sein) übersehe und mich dann irgendwann eine riesen lawine überrollt.........also noch eine rieesen baustelle für mich!! :(

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Fr Dez 21, 2012 9:15 pm
von peshewa
noch ... daher schreib ich auch "ich glaube, man kann es lernen".

es gibt tage, da stehe ich auf und sehe in allem eine potentielle möglichkeit, mit umzubringen.

"ein schritt nur und alles ist vorbei". "ein kurzer stromschlag und es ist aus". "ein schnitt, und du wirst erlöst". "einen moment die front des tgv umarmen und es ist vorbei".
hin und wieder kommen auch psycho-gedanken wie: "ob man stirbt wenn man den kopf in den backofen hält"

ich kann den ganzen tag nicht anderes sehen als wie ich mich virtuell selbst umbringe und doch liege ich am schluss im bett und denke: "schade, ist nicht eine flugzeugturbine auf mich gefallen".

ich will tot sein, ganz ehrlich, aber ich will nicht die verantwortung für diese tat. ich kenne die konsequenzen, habe genügend versuche hinter mir, den ersten mit gerade mal 8 jahren. ich habe aber auch genügend leute erlebt, die diesen endgültigen schritt gegangen sind und habe meine eigene wut erlebt, die wut, dass sie sich das recht nehmen, zu gehen und ich weiter kämpfen muss.
ich kann nicht wissen was die zukunft bringt. aber ich will daran glauben, dass die 30 jahre an schmerz, kummer und ghetto nicht umsonst gewesen sind. ich will nicht bereuen müssen, dass ich mit 8 nur einen knochenbruch erlitt, nicht ein paar stockwerke höher gegangen bin. ich will nicht bereuen müssen, dass ich nicht schon mit 5 gestorben bin, wie es meine schwester tat. es wäre so sinnlos und ein sinnloser tod macht das sinnlose leben noch sinnloser, irgendwie.

ich kann 1000 argumente aneinander reihen, keines kann mich selbst endgültig überzeugen. aber wenn ich denn schritt gehe, dann will ich sicher sein, dass mich auch das 1001. argument nicht überzeugt hätte. ich will sicher sein, dass nicht einen tag nach meinem suizid die welt erträglich geworden wäre.

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Fr Dez 21, 2012 9:30 pm
von gästefrau
find ich klasse peshewa, wie du das meisterst!
peshewa hat geschrieben:es gibt tage, da stehe ich auf und sehe in allem eine potentielle möglichkeit, mit umzubringen.
auch ich kenne diese tage und die sind sehr mühsam.....es wäüre in diesen momenten wesentlich leichter es einfach zu tun......
peshewa hat geschrieben:ich will tot sein, ganz ehrlich, aber ich will nicht die verantwortung für diese tat
warum eigentlich nicht? bitte versteh mich nicht falsch. ich finde deine einstellung dazu sehr gut und auch hilfreich, aber kannst du mir beantworten, warum du für deinen tod nicht die verantwortung übernehmen magst? für das eigene leben mag man doch auch die verantwortung haben, oder?.....mich interessiert das ernsthaft (falls das eine dumme frage für dich ist)

Re: tabuthema suizid

Verfasst: Fr Dez 21, 2012 9:54 pm
von peshewa
es wäre leichter für mich, ja. aber bin ich mir so viel wert? bin ich so viel wert, mich über andere zu stellen? bin ich so viel wert dass ich plötzlich über mein leben bestimmen darf? ich glaube das wäre mit weiteren 25 jahren therapiearbeit verbunden und wenn ich mir so viel wert wäre, ich glaube dann müsste ich mich nicht mal mehr umbringen.

verantwortung zu übernehmen bedeutet dazu zu stehen. eine entscheidung aus überzeugung durchzusetzen, zu sagen: hier bin ich, hier war ich und nun seht ihr mich nie wieder. ich habe angst vor dem gesehen werden, selbst im tod. ich will auch nicht die verantwortung übernehmen, wie es möglicherweise anderen damit geht.

als ich noch kind war schaute ich aus dem fenster, mein nachbar hatte sich gerade in den kopf geschossen, die polizei war da, der leichenwagen war da. ich sah seine frau, ich sah wie sie auf der bank sass und weinte. ich sah den hund, der nervös hin und her lief. ich sah die polizisten, sichtlich betroffen, weil mein nachbar vor seiner alkohlerkrankung, mit der seine misere begann, auch polizist war - es war ein ehemaliger kollege von ihnen. ich sah später auch die putzequipe, die kam und jedes mal wenn ich aus dem fenster schaute und das haus sah dachte ich daran zurück. ich sah ihn vor mir, als er uns 2 monate zuvor noch beschrieb, wie er sich eins umbringen würde, ich sah unseren eigenen schock und unsere unfähigkeit, angemessene worte zu finden, die nicht bloss daher gesagt klangen würden. ich sah die trauer meines vaters. er sprach mit ihm, kaum 12h vorher, er hat ihm gesagt, dass es so nicht weiter gehen könne, man konnte wirklich zuschauen, wie er immer mehr und mehr verlor, am ende auch seine frau. mein vater sagte, es müsse sich doch etwas ändern. das hat es - mein vater hatte schuldgefühle und ich bin mir sicher, er hat sie heute noch, denn es war sein enger freund und er kannte ihn seit kindheit, angeblich.

für diese dinge soll ich verantwortung tragen? anderen leid zufügen, weil mir leid zugefügt wurde? mich so wichtig nehmen, dass es mir egal wird, was nach meinem ableben passiert? mich so wichtig nehmen, dass ich über leben und tod entscheiden darf, wie es mein erster vater getan hat? mord an dem was ich bin - und ich sehe mich nicht immer als ich, weshalb ich es mord und nicht selbstmord nennen würde. MORD? Darf ich morden, habe ich das recht dazu? bin ich so viel wert, mein leid über alles andere zu stellen? darf ich diesen körper umbringen, weil papa es nicht vollbrachte? vor dem gesetz wäre seine tat die harmlosere tag, auch wenn der folgeschmerz grösser war.

wir können aufstehen, wenn wir auf der schlittschuhbahn ausrutschen und umziehen, wenn uns der wohnort nicht passt. aber wir haben nur ein leben, nur eine einzige möglichkeit, den tag zu gestalten, jede sekunde ist vergänglich und sie kommt nie wieder zurück. warum jetzt und nicht vor einer stunde. warum nicht vor einem jahr. warum nicht vor 25 jahren - ich bin mir sicher, es hätte ein möglichkeit gegeben. ich will nicht akzeptieren, dass alles umsonst war.

... und ich will nicht dass irgendwo ein mädchen am fenster sitzt, rausschaut und zusieht, wie eine frau in einem sarg in ein schwarzes auto geschoben wird und sich fragt, ob sich auch jemals irgendwer so um sie kümmern wird ...