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Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: So Jul 07, 2024 3:38 pm
von A.Rhiannon
Liebe Eli,
vielen Dank für die Antwort. Vor allem, wo es euch gerade auch nicht gut zu gehen scheint. Wir wünschen euch viel Kraft!
Osteopathie habe ich bisher nur für den Rücken etc. ausprobiert. Da ist es gut. Mal schauen, mein Osteopath macht glaube ich nichts für Magen und Darm, aber mal schauen. Oder nochmal umschauen.
Liebe Aufatmende,
dir auch vielen Dank für die Tipps. Das ist auch nochmal wichtig zu lesen, dass es auf gewisser Ebene egal ist, ob die Schmerzen nun eine körperliche oder psychosomatische Ursache haben. Dass sie trotzdem ernst genommen werden und versorgt werden sollten/ dürfen. Denn oft gehe ich irgendwie dann doch auch darüber hinweg oder nehme es nicht ernst genug, um es auch angemessen zu versorgen. Es ist dann glaube ich eher ein Weghaben-Wollen.
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mo Jul 08, 2024 7:29 am
von Eli
Hallo
Mmh ich denke eben osteopathen sehen ja immer dem gesamten körper. Und magen schnerzen können ja auch zb vom rücken kommen.
Dass es egal ist ob es psychosomatisch oder körperlich ist ist nicht meine erfahrung. Auch wenn ich weiss dass fachleute das sagen. Bei mir wirken auch sehr starke schmerzmittel bei körper flashs zb nicht.
Aber versuchen schadet kann nicht.
Vielleicht braucht es einfach viel ruhe (ähm ja...) oder kontakt mit wut und aggression. Magen hat oft mit unterdrückter wut zu tun laut psychosomatik.
Ich hoff es geht dir bald besser.
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Jul 10, 2024 4:41 pm
von Aufatmende
Bei mir wirken Schmerzmittel auch nicht immer. Deswegen schrieb ich: auf gewisser Ebene. Andersherum habe ich einen entzündeten Zahn wohl längere Zeit ignoriert, weil ich aus gutem Grund die Schmerzen nicht wahrgenommen habe. Jetzt, während ich schreibe, habe ich eine :
TRIGGER
"Hand im Gesicht"
TRIGGER ENDE
und entsprechende Schmerzen

So oder so hilft Selbstfürsorge. Meistens

Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Jul 10, 2024 9:13 pm
von A.Rhiannon
Liebe Eli, liebe Aufatmende
danke für eure Antworten und Tipps. Mein Osteopath ist kein reiner Osteopath. Daher muss ich mich zusätzlich vielleicht nochmal ganzheitlicher umsehen.
Das mit dem Wut-Thema kann aber tatsächlich sein. Zumindest haben mir das meine Träume letzte Nacht nochmal gezeigt.
Ja, Ruhe ist weiterhin so ein Thema. Aber derzeit schaffe ich es zumindest ab und zu ein paar Ruhemomente mit in den Alltag einzubauen.
Auch die Wahrnehmung nach Innen ist dabei immer wieder wichtig. Nicht immer möglich, aber ab und zu und dann wird es als wertvoll empfunden.
Schmerztabletten helfen mir bei psychosomatischen Schmerzen auch nicht. So empfinde ich es zumindest. Also so Medikamente an sich. Auch die Entkrampfungsmittel für den Magen scheinen eher nicht zu helfen, sondern vielmehr ruhiges bewusstes Atmen. Das wiederum ist leider oft nur sehr schwer für mich möglich.
Ich denke, dass insgesamt ein Versorgen der Schmerzen und psychosomatischen Symptome schon auch hilfreich sein kann. Nicht im Sinne von Medikamenten, sondern eher durch ein Zuwenden. Irgendwie sich Kümmern oder so. Das ist nur eben nicht immer so möglich wie ich es gerne hätte.
In schlimmen Phasen versuche ich dann zu meditieren oder progressive Muskelentspannung oder Imaginationen oder Innenwahrnehmung und Innenkommunikation. Gleichzeitig lässt das teilweise noch mehr an die Oberfläche. Das kann nicht richtig aufgefangen werden. Aber vielleicht Schritt für Schritt und nach und nach.
Letzte Nacht so Alpträume gehabt. Hatte ich länger nicht mehr so. Da war auch Wut das Thema.
Eventuell Trigger
Dem T*ter waren meine Gefühle völlig egal. Das hat sich in dem Moment für mich so schlimm angefühlt. Da war so eine Wut da. Gleichzeitig wusste ich, dass ich nichts ausrichten konnte, nichts ändern konnte. Immerhin hat es dazu gereicht den Täter wütend anzufunkeln und irgendwas wütend zu sagen.
Trigger Ende
Ich bin wütend und traurig darüber, dass euer Verhalten, euer Umgang mit mir, eure Taten mir eine komplette Kindheit, einen Anker, eine komplette Familie genommen hat.
Es hat mir das alles verwehrt und die Folgen sind so weitreichend spürbar.
Diese Haltlosigkeit.
Diese Sehnsucht.
Diese Verzweiflung.
Wenn ich in mich fühle, spüre ich eine riesige Traurigkeit und auch noch irgendwie Angst und auch Wut. Vor allem Traurigkeit und Wut.
Tränen können immerhin schon ab und zu geweint werden. Wobei es sich so anfühlt als wären es nie genug. Der Traurigkeit darf sich in kleinen Schritten angenähert werden.
Und Wut.
Die hatte ich schon mal gemalt. Vielleicht muss sie auch nochmal anders ausgedrückt und gezeigt werden...
Mir die Wut überhaupt einzugestehen ist meist schon schwer genug.
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Jul 10, 2024 11:06 pm
von Aufatmende
Evtl. hilft, dir beim Ausatmen etwas vorzustellen: einen Faden oder Band, das du (mit Handbewegung) aus dem Mund ziehst, eine Kerze die du zum Flackern bringst, einen Wattebausch, den du wegpustest. Damit ist mehr Ablenkung da.
Du hast ja schon jede Menge Mittel und setzst sie auch ein!
Viel Durchhaltevermögen!
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: So Jul 21, 2024 12:52 pm
von A.Rhiannon
Danke liebe Aufatmende!
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Auszug aus einem Brief an meine Mutter (den ich nie abschicken werde)
Triggergefahr!
Weißt du, ich habe inzwischen erkannt – ich habe es sogar fühlen können – dass all diese Dinge, die du über mich gesagt hast, die Art wie du mich behandelt hast, dass das nie wirklich etwas mit mir zu tun hatte, dass es nie meine Schuld war. Es war deine eigene Unzufriedenheit, deine eigene Angst, deine eigene Wut auf dich und dein Leben, deine eigene Unzulänglichkeit. Ich gebe dir das alles zurück. Es gehört zu dir. Wie ein schwarzer Mantel, aus dem ich steige, ihn zertrete und dir zurückgebe. Du kannst nun sehen, wie du damit lebst. Denn es gehört nicht zu mir, es gehört zu dir, schon immer. Endlich habe ich es erkannt - gefühlt.
Gleichzeitig tut diese Erkenntnis so sehr weh, dass ich es nie beeinflussen konnte. Ich hatte nie die Chance etwas an deinem Verhalten, an deinen Gefühlen zu ändern. Ich war dem schutzlos ausgeliefert. Das tut weh, ich hatte gar keine Wahl. Das zu erkennen ist irgendwie noch schmerzhafter als zu glauben, wenn ich mich nur genug angestrengt hätte, anders gewesen wäre, dass es dann anders gewesen wäre, dass du mich dann geliebt und mich beschützt hättest. Aber nein, es lag nie an mir. Es lag an dir. Es war nie meine Schuld, dass du es nicht geschafft hast mich zu beschützen, mich zu lieben. Es wäre deine Verantwortung gewesen dir Hilfe zu holen und für dein Kind da zu sein. Das hast du nicht getan und hast mich stattdessen immer mehr zerstört und zerstören lassen.
Weißt du, es ist sehr schmerzhaft auch heute als Erwachsene keine Mutter zu haben. Keine Mutter, an die man sich wenden könnte, die einen tröstet, unterstützt, zuhört, in den Arm nimmt, mit einem lacht und weint, durch die man sich angenommen und geschätzt fühlt.
Nein, es war nicht alles schlecht. Es gab auch die Momente, in denen wir lachen konnten und in denen du mir zugehört hast. Aber es konnte jede Sekunde komplett ins Gegenteil kippen. Es war nie vorhersehbar. Ich musste immer auf der Hut sein und mich in Sekundenbruchteilen anpassen. Für mich war immer Ungewissheit, Angst, Unsicherheit und das Gefühl nicht genug zu sein.
Was ich vor allem im Heute so schlimm finde, ist nicht allein, dass ich keine Mutter habe oder einen Vater. Es ist zusätzlich zu all dem, dass mir ein echter und sicherer und unbeschwerter und ehrlicher Kontakt zu meinen Geschwistern verwehrt wird. Ich muss immer Angst haben vor den Konsequenzen. Du hast mir mein Leben lang verboten über irgendetwas aus der Familie, von Zuhause, zu reden. Ich sei schuld, wenn die Menschen danach sterben, wenn ich darüber reden würde. Wenn ich versuchen würde wegzulaufen, dann würde mich die Polizei überall finden und zurück bringen. Danach würde alles nur noch schlimmer werden und alle würden erkennen, was ich wirklich für ein schlimmes Kind sei. Was wäre noch schlimmer, für mich bedeutete es, dass ich entweder ganz bei den Männern leben müsste oder auch erm*rdet werden würde.
Gleichzeitig wurde mir von den Männern immer gedroht, wenn ich nicht mache, was sie sagen oder zu viel weine, dass sie dann irgendwann meine Geschwister holen würden. Ich musste sie doch beschützen. Gleichzeitig erkenne ich heute, dass ich nie die Macht darüber hatte. Die Entscheidungsgewalt lag immer nur bei den Männern und euch. Ihr habt entschieden, dass ich es bin, die zu den Männern muss. Du hast es geschehen lassen – jahrelang. Immer wieder.
Es kostet mich noch immer so viel Kraft mich daraus frei zu kämpfen. Gleichzeitig verwirren mich all diese widersprüchlichen Gefühle dir gegenüber. Aber ich versuche mir zu sagen, dass das ok ist und all diese Gefühle zu erlauben und zuzulassen. Auch wenn das zusätzlich Energie kostet.
Am liebsten würde ich nämlich all diese Gefühle einfach auslöschen. Verbrennen. Ertränken. Rausschneiden. Aber das geht nicht. Da sind Wut. Da ist eine riesige unbändige Traurigkeit. Da ist trotz allem auch Sehnsucht und Vermissen. Es ist alles in allem kaum auszuhalten. Aber ich möchte mich dadurch nicht noch weiter kaputt machen lassen. Deshalb möchte ich mich dem langsam Schritt für Schritt zuwenden, hinsehen, hinfühlen.
Gleichzeitig möchte ich mich davon auch Schritt für Schritt befreien. Die Sachen dir zurückgeben. Mich mir fürsorglicher zuwenden. Mehr Rücksicht und Mitgefühl mit mir selbst haben. Denn das habe ich verdient. Das hatte ich schon immer. Das kann ich heute ändern. Heute kann ich für mich da sein. Heute darf ich für mich da sein. Ich kann und darf für meine Grenzen einstehen und mir Gutes tun. Ich habe Liebe und Fürsorge verdient. Das hatte ich schon immer. Heute bin ich unabhängig von dir. Heute darf und kann ich mir das selbst geben. Dazu gehört auch immer mal wieder die Kleinen in mir zu trösten, die eine Mama vermissen, die Traurigkeit und den Schmerz darüber zuzulassen. Auch die Wut einiger zu sehen und zu erlauben. Dann auch wieder loszulassen und auf die Gegenwart zu konzentrieren. Es ist ein ständiger Balanceakt, ein ständiges Probieren und Erfühlen. In jedem Fall nehme ich mich heute viel besser an und kümmere mich besser um mich und meine Gefühle. Ich möchte mich und meine Bedürfnisse noch ernster nehmen. Heute kann und darf ich das.
Ich bin Ordnung, so wie ich bin.
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Der Brief klingt irgendwie weiter, als ich mich im Moment fühle. Mir fällt es immer noch richtig schwer diese Gefühle zuzulassen. Mein Körper beschwert sich immer noch massiv. Aber da werde ich jetzt endlich mal zum Arzt gehen und mir so vielleicht etwas mehr Fürsorge gönnen... Fällt schwer, aber ist ein erster Schritt.
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: So Jul 21, 2024 10:11 pm
von Aufatmende
Wow, sei stolz auf dich! Das hat dich vermutlich viel gekostet an Zeit und Kraft, diesen Brief zu schreiben.
Ich wünsche dir, dass du den Inhalt noch mehr fühlen kannst und dass du eine gute Balance zum Umgang mit dem verletzten Kind in dir findest.
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Di Jul 23, 2024 4:18 pm
von A.Rhiannon
Vielen Dank für die lieben Wünsche liebe Aufatmende. Und Danke fürs hier schreiben. Das fühlt sich dadurch gesehen und etwas besser an.
In der letzten Nacht dann Alpträume gehabt und heute tagsüber kamen dann neue Erinnerungen zurück. Das war in den letzten Monaten immer mal schon wieder da, konnte aber nicht raus. Heute durfte es.
Das erklärt vielleicht auch nochmal die Magen-Darm-Problematik...
Es hat wieder sehr viel Zeit und Kraft gekostet da hin zu schauen und dann zu versuchen es zu verändern.
Da hat auch ganz viel das Thema sich angenommen fühlen, sich selbst annehmen, in Ordnung sein, irgendwo dazu gehören mit zu tun.
Trigger
Die Erinnerungen sind wirklich schlimm und ....
Ich habe es versucht positiv umzuwandeln und der Kleinen gesagt, dass es in Ordnung und sogar gut ist, dass sie nicht zu denen dazugehört und nicht dazu gehören will. Dass sie trotzdem leben darf. Das es kein Entweder Oder gibt. Auch, wenn die das so gesagt haben.
Dass sie in Ordnung ist wie sie ist.
Trigger Ende
Vorher hatte ich sogar noch einen weiteren Brief an ein Familienmitglied geschrieben, den ich auch nicht vorhabe abzuschicken.
Gleichzeitig bekommen meine Gefühle so nochmal mehr Raum und meine Gedanken können sich nochmal anders ordnen.
Jetzt bin ich komplett müde und total fertig.
Dennoch denke ich, dass ich noch irgendwelche Dinge erledigen sollte.
Ich glaube, es ist selbstfürsorglicher und auch vernünftiger mir Pause zu gönnen. Auch das ist völlig in Ordnung und erlaubt und gut. Auch, wenn es sich (noch) nicht so anfühlt...
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Jul 24, 2024 11:13 am
von A.Rhiannon
Das, was noch schwierig ist, ist das schlechte Gewissen darüber sich selbst zu schützen und dadurch (aus Selbstschutz) in Kauf zu nehmen anderen den Kontakt zu verwehren, ohne es genau zu erklären. Wobei dieses Nicht-genau-Erklären auch aus Selbstschutz und aus Schutz der anderen Person heraus kommt.
Das fühlt sich für mich wie die richtige Entscheidung und ganz ganz wichtig so an.
Trigger
Aber im Innen fühlen sich viele sehr schlecht darüber. Aus verschiedenen Gründen.
Da ist Vermissen.
Das Gefühl unglaublich schlecht und egoistisch zu sein und das nicht sein zu dürfen.
Da sind deshalb so starke Selbstvorwürfe und Selbsthassgedanken.
Es muss gehorcht werden.
Das geht so weit, dass einige sich am liebsten selbst *pfern würden, sei es durch Kontaktaufnahme direkt mit T*tern oder durch Su*z*d.
Trigger Ende
Ich pass schon auf uns auf...
Dennoch. Es ist so anstrengend und fühlt sich einfach schlimm an.
Gibt es Ideen, was dabei helfen kann, dass diese Art von Selbstschutz erlaubt und für uns (zumindest derzeit) sogar notwendig ist?
Wir haben der Person im Außen (ein Geschwister) so gut wie es geht erklärt sowie unsere tiefe Zuneigung gezeigt und dennoch klar abgegrenzt und auf die Wichtigkeit unserer Bedürfnisse hingewiesen keinen Kontakt zu haben.
Wir können und wollen aus Selbstschutz keinen Kontakt haben. Da sind auch schon Informationen an T*ter weiter geflossen.
Wir können das nicht. Wir wollen das nicht. Aber es wäre nur aus Selbstschutz. Sonst nichts.
Und einige in uns erlauben das nicht.
Weil das Geschwister es doch nicht wirklich verstehen kann, weil es diese dunkle Welt nicht kennt. Weil es beschützt werden muss.
Gleichzeitig weiß ich, dass ich es nie wirklich beschützen konnte, weil ich nie wirklich die Macht dazu hatte.
Außerdem ist es heute auch erwachsen.
Und der beste Schutz für uns beide ist nicht darüber zu reden!!!! Auch für mich ein Schutz.
Dieses Gefühl, diese Zerrissenheit ist kaum auszuhalten.
Was kann helfen mit der Zeit besser damit umzugehen?
Vor allem konnte ich schon mal besser damit umgehen als weniger Kontakt und weniger Druck vom Geschwister kam. Ich hatte meinen Umgang damit einigermaßen gefunden. Aber seit einiger Zeit kommen Forderungen nach Kontakt und dann werde ich doch wieder Monate ignoriert und dann werden doch wieder meine Grenzen missachtet.
Aber ich bin diejenige, die sich darüber schlecht fühlt und sich doch immer wieder versucht zu erklären und abzugrenzen. Aber ich gehe immer wieder darauf ein und lasse meine Grenzen verletzen. Und ich habe Angst davor es nicht mehr zuzulassen. Ich habe Angst vor weiß ich nicht...
Aber da ist der Gedanke (zumindest erstmal) gar nicht mehr zu reagieren???
Aber dann kommen direkt innere Vorwürfe und Verbote und und und ...
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mi Jul 24, 2024 6:57 pm
von A.Rhiannon
Ich habe den Stress im Innen wahrgenommen. Die Angst. Die Not. Die Traurigkeit.
Es darf da sein.
Alles.
Tatsache ist, dass unsere Angst da ist.
Tatsache ist, dass unser Körper inzwischen erwachsen ist.
Es ist also sehr viel Zeit vergangen.
Auch das Geschwister ist inzwischen erwachsen.
Es ist erwachsen und es ist selbst für sich verantwortlich. Wir haben mehrfach erklärt, dass wir keinen Kontakt wollen, weil es sehr engen Kontakt zu den Eltern hat. Wir haben mehrfach erklärt, dass wir nie wieder Kontakt zu den Eltern wollen, weil uns das nicht gut tut, weil wir das für unseren "Heilungsprozess" brauchen.
Wir haben erklärt, dass wir durch die Entscheidung sowohl das Geschwister als auch uns selbst schützen. Und erklärt, dass wir das Geschwister sehr sehr gern hatten und haben und immer haben werden, aber dass solange der Kontakt zu den Eltern besteht wir keinen Kontakt zulassen können, dass das unsere psychische Gesundheit gefährden würde. Dass wir aber alles Gute wünschen usw. Wir haben sogar geschrieben, dass wir das Geschwister verstehen und es uns leid tut, dass es uns nicht verstehen kann, wir es aber nicht anders erklären können, um es und uns eben zu schützen.
Das haben wir natürlich alles in der Ich-Form geschrieben.
Aber das muss und darf jetzt auch so reichen.
Ich verstehe, dass ihr es anders möchtet, dass ihr euch einen engeren Kontakt wünscht. Einen unbeschwerten Kontakt und Nähe und Familie. Aber das geht unter diesen Umständen so leider nicht.
Der Preis es zu versuchen wäre zu groß.
Außerdem äußert das Geschwister sehr direkt, dass es nicht an unserer Vergangenheit interessiert ist, dass es nicht darüber sprechen möchte.
Außerdem äußert es zwar klar seine Wünsche, ignoriert uns aber gleichzeitig sehr deutlich und unsere Grenzen. Mehrfach!!!
Außerdem zeigt es zwar Interesse an Treffen mit uns, aber zeigt kein Interesse daran wie es uns geht, wie unser Leben aussieht, wie wir uns fühlen.
Außerdem geht es nicht auf unsere Nachrichten ein, sondern bleibt bei den eigenen Interessen und Wünschen. Das ist zwar in nette Worte verpackt, aber es ändert nicht das Handeln, das Ignorieren unserer Grenzen.
Ich verstehe, dass ihr die Person von früher vermisst. Das tut mir so sehr leid. Aber sowohl die Person als auch wir haben uns verändert. Wir wissen gar nicht wie die Person heute ist. Vor allem wissen wir nicht, ob wir der Person vertrauen können, ob wir sicher wären. Den Kontakt, der zu den Eltern besteht, birgt eine zu große Gefahr.
Außerdem sind wir in den letzten Jahren gut ohne das Geschwister zurecht gekommen. Wir hatten einen guten Abstand und das tat uns gut.
Jetzt die Nähe, die Forderungen und unser eigenes schlechtes Gewissen darüber, diese Forderungen nicht zur Zufriedenheit des Geschwisters zu erfüllen, das löst immense Schuldgefühle in uns aus.
Diese Schuldgefühle gehören eher ins früher. Weil wir die Geschwister allein zurück gelassen haben. Aber mit dem besten Wissen und Gewissen, dass sie aufgrund verschiedener Umstände nicht so etwas erlebt haben wie wir. Wir waren dennoch erreichbar. Wir mussten und durften uns schützen.
Inzwischen sind sie alle lange erwachsen. Es ist nicht unsere Aufgabe sie zu schützen.
Es ist nicht unsere Aufgabe, wenn sich eines meldet und Wünsche äußert, diese um jeden Preis zu erfüllen.
Diese Sehnsucht, die ihr verspürt, tut mir leid.
Dieser Verlust.
Dieser Schmerz.
Dieses unendlich große Loch, was nie wieder gut zu sein scheint.
Ich kann nicht versprechen, dass dies vergeht. Es wird vielleicht immer ein Teil von uns sein.
Vielleicht geht es darum diesen Schmerz anzunehmen und zuzulassen.
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass ich euch diesen Schmerz nicht nehmen kann. Ich kann versuchen ihn zuzulassen. Ich kann auch versuchen euch die Verantwortung zu nehmen. Ich habe zu unserem Schutz entschieden. Ich weiß, ihr würdet gerne anders entscheiden.
Vielleicht ist es eines Tages möglich anders zu entscheiden. Aber für den Moment und für die nächste Zeit brauchen wir den Schutz. Das entscheide ich. Es ist meine Aufgabe uns zu schützen. Auch wenn es mir gleichzeitig leid tut, dass es so unendlich viel Schmerz auslöst. Es tut mir so sehr leid. Bitte glaubt mir. Aber es ist notwendig. Überlebensnotwendig. Für den Moment.
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Fr Jul 26, 2024 6:53 pm
von Aufatmende
Ich habe den Kontakt zu meinem Bruder komplett abgebrochen. Ich habe mit meinem Mann haarklein durchgespielt, was ich täte. Wenn er vor der Tür stände und obdachlos wäre oder wenn ich von einem Krankenhaus den Anruf bekäme, dass er im Sterben liegt und mich sehen möchte.
Ich sehe zurzeit meine Schwestern nicht. Weil ich nicht damit klarkomme, was wir einander antun mussten, was ich wieder weiß und sie nicht.
Es bleibt ein nagender Verlust. Vieles, was ich für mein Innen imaginativ tun kann, funktioniert für Geschwister nicht und ist nicht meine Aufgabe. Ich habe genug damit zu tun, für mich selber zu sorgen.
Ich kann nur sehr distanziert darüber schreiben, weil es nach wie vor sehr, sehr traurig macht.
Wir haben es uns nicht ausgesucht. Trauma macht einsam, auch innerhalb der Familie.
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Sa Jul 27, 2024 9:33 am
von A.Rhiannon
Liebe Aufatmende,
hab ganz lieben Dank für deine Worte. Es bedeutet mir wirklich viel, dass du sie hier geteilt hast, dass du von deinen eigenen traurigen und schmerzlichen Erfahrungen berichtet hast und auch für die klare Abgrenzung als Selbstschutz. Das fühlt sich weniger allein und weniger falsch an. Danke dafür!
Es tut mir leid, dass es noch immer so schmerzlich ist. Ich wünsche auch dir alles Gute und viel Kraft!
Ja, ich kann es gut nachempfinden, dass es immer ein Teil bleiben wird... Gleichzeitig hoffe ich irgendwie, dass es nicht immer so intensiv sein wird...
Gestern habe ich mir Zeit für meine Gefühle genommen. Es war so unendlich viel Traurigkeit und Schmerz darüber da keine Familie zu haben. Keine liebevollen schützenden Eltern. Der für mich als unmöglich empfundene echte vertraute Kontakt zu meinen Geschwistern. Immer nur wieder Menschen im Familiensystem, die extrem auf körperlicher und seelischer Ebene verletzten, gefährdeten oder wegsahen und dabei aber auch zusätzlich verletzendes Verhalten zeigten.
Diese Haltlosigkeit dufte gestern gefühlt werden. Es hat sich irgendwie so angefühlt, als hätte ich eine ganze Familie plötzlich durch einen schweren Schicksalsschlag verloren.
Ich habe zwar schon jahrelang keinen bzw. fast keinen Kontakt. Aber durch die erneute und noch stärkere Abgrenzung zum Geschwister und durch das Schreiben der verschiedenen Briefe, die nie abgeschickt werden sollen, kommt es mehr ins Gefühl.
Es hat sich tatsächlich während der letzten Jahre oft so angefühlt als hätte ich nicht das Gefühl dazu. Bzw. hatte ich bei einigen Personen noch die Hoffnung offen gehalten auf was auch immer.
Das verschließt sich jetzt. Ich verschließe es zum Selbstschutz.
Dadurch wird glaube ich nochmal eine andere Gefühlsebene frei gesetzt. Vorher konnte und durfte es noch nicht gefühlt werden, weil noch Hoffnung bestand.
Gleichzeitig wäre es früher überhaupt gar nicht auszuhalten gewesen die Hoffnung aufzugeben und die damit verbundenen Gefühle zuzulassen.
Ich merke ja jetzt schon wie sehr schlimm sich das - verbunden mit neuen Erinnerungsdetails - seit vielen Monaten inzwischen auf den Körper auswirkt.
Es fühlt sich ja jetzt noch unendlich schlimm an...
Für den Körperstress habe ich immerhin erstmal unterstützende Medikamente. Aber das bekämpft nur die Symptome, nicht die Ursache. Hilft mir trotzdem erstmal unterstützend, um nicht komplett durchzudrehen und aufzugeben.
Zusätzlich versuche ich die Erinnerungen und die Gefühle in Bezug auf die Familie Schritt für Schritt etwas zuzulassen. Denn es noch immer wieder krampfhaft zurück zu halten und zu verdrängen ist derzeit glaube ich auch nicht gut.
Gleichzeitig versuche ich nicht permanent damit in Kontakt zu sein. Dieser Balanceakt ist sehr herausfordernd... Ich spüre das auf so vielen Ebenen...
Gleichzeitig versuche ich mir vorzunehmen meinen Körper auch als Alarmsignal, als Grenze zu betrachten. Dass ich versuchen möchte etwas rücksichtsvoller mit mir umzugehen. Versuche zumindest durch Atemübungen Pausen zu gönnen. Versuche meinen Anspruch an Perfektion zumindest ein kleines bisschen runter zu schrauben. Versuche gleichzeitig es als Zeichen zu sehen, dass Innenwahrnehmung notwendig ist und den Gefühlen einen Raum zu geben.
Aber das schreibt sich hier so schön. Die Umsetzung ist alles andere als leicht. Es ist kräftezehrend und oft zum Verzweifeln. Weil es eben oft einfach nicht so gelingt oder nicht genug. Ich versuche mir aber zu sagen, dass schon mal der Gedanke, der Versuch zählt.
Vielleicht ist es in Ordnung mir zuzugestehen, dass ich durch eine sehr schmerzhafte und schwierige Zeit gehe...
Dieses Zugeständnis fühlt sich ja schon schwierig an.
A.Rhiannon
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Sa Jul 27, 2024 12:56 pm
von Aufatmende
Gehst du. Keine Frage. Schmerzhaft, schwierig und länger, als du es dir wünscht. Kannst du es dir nicht nur zugestehen, sondern auch würdigen?
Ich habe vor zwei Jahren ein neues Kniegelenk bekommen. Die Reha war extrem stressig und ich wusste, entweder, ich breche jetzt ab, weil ich zu instabil werde oder ich stürze mich, ohne die Psychologin zu kennen, in eine imaginative Konfrontation mit meinem Vater, lasse meine Wut raus. Sie hat mich gut begleitet und meinte danach, ich hätte in der knappen Stunde (für die sie eigentlich keine Zeit hatte) mehr Energie verbraucht als andere in einer ganzen Woche. Das hat mich enorm entlastet, weil ich vorher gedacht habe, ich störe den "normalen " Ablauf, brauche nachts einen Arzt......
Wir haben einfach Pech mit unserer Lebensgeschichte und versuchen, das beste daraus zu machen!
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Sa Jul 27, 2024 7:10 pm
von elefantenkind
Liebe A. Rhiannon,
da setzt du dich wirklich mit einem sehr großen und umfassenden Thema auseinander. Die Herkunftsfamilie hat uns ja damals alleine gelassen, oder in Gefahr gebracht, wir haben versucht sie zu beschützen, wir sind gescheitert. Mir geht es gut ein bisschen ähnlich wie dir. Es steckt unglaublich viel Sehnsucht in diesen Kontakten/in diesen Beziehungen
Ich hab mit intuitivem Tanz angefangen und war vor ein paar Wochen dort. Es gab ein Thema, dass an mir völlig vorüber ging, ich hab aber einfach getanzt und meine Gefühle, die Gedanken, die Empfindungen, die in meinem Körper stecken, versucht zuzulassen und auszudrücken. Das hat dazu geführt, dass ich spüren konnte, dass die Sehnsucht nach meiner Schwester und auch die Sehnsucht nach meinen Eltern in Wahrheit ein Schutzgefühl ist. Ich wollte mich davor schützen, den Verlust zu spüren, das wahre Ausmaß des Verlustes. Ich hab meine Familie damals verloren, als sie nicht für mich da sein konnten/wollten. Und ich hab meine Familie immer wieder verloren, bei all meinen Versuchen, mit ihnen in Kommunikation zu kommen und ihnen etwas von mir zu erzählen.
Meine Mutter konnte vielleicht nicht anders, ich weiß es nicht. Ich hab ja viel zu der Beziehung zu ihr gearbeitet und kann im Moment damit leben, wie es damals war und wie es heute ist. Komischer Satz, weil in Wahrheit ist es etwas, womit ich nicht leben kann. Aber irgendwie dann doch.
Was für mich so so viel schwerer ist, ist die Beziehung zu meiner Schwester. Sie ist inzwischen eigentlich abgebrochen, wir telefonieren einmal im Jahr miteinander, Reiner smalltalk, wir haben uns in den letzten sieben oder acht Jahren vielleicht zweimal gesehen. Ich hab die ganze Sehnsucht zu ihr getanzt und dann gespürt, dass ich in Wahrheit einfach nur den Verlust versuche zu überdecken. Und weil meine Schwester der einzige Mensch war, der mich in meiner Kindheit nicht benutzt und manipuliert hat, war der Verlust umso schwerer und ist bis heute eigentlich unerträglich.
Während meiner Aufarbeitung und Erinnerung hat sich meine Schwester von mir distanziert. Sie hat mir tatsächlich gesagt, dass sie zum Täter weiterhin Kontakt haben kann, dass sie ihm aus einer christlichen Perspektive heraus vergeben kann.
Ich fühle mich immer einsam, im Grunde nicht nur, weil ich meine Schwester heute verloren habe, sondern weil ich damals schon so einsam war und ich eine Familie hatte, die mich nicht gesehen hat, die mich total allein gelassen hat.
Mich macht es sehr traurig, dass sie auch als Erwachsene sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen.
Immer, wenn ich sehe, wie Menschen mit ihren Geschwistern verbunden sind.
Ich werde weiter tanzen, und ich werde meine Einsamkeit besiegen, wenn ich zu mir selbst und allen in mir drin stehen werde, weil ich nichts mehr leugnen werde und für jedes Gefühl dasein darf.
Ich hab gelesen, was du geschrieben hast und ich hab geweint, weil es so traurig ist.
Ich sende dir, wenn du magst, etwas Trost, vielleicht magst du auch, dass ich mich etwas zu dir/ euch setze und eure Traurigkeit teile.
Elefantenmädchen
Re: Gedankenraum - zu mir selbst finden
Verfasst: Mo Jul 29, 2024 8:20 am
von A.Rhiannon
Liebe Aufatmende,
Kannst du es dir nicht nur zugestehen, sondern auch würdigen?
Derzeit leider nicht. Selbst das Zugeständnis, dass es schwierig ist und dass es Pausen bedarf, ist schwierig. Selbst das ist noch ein Übungsfeld derzeit.
Liebe Elefantenmädchen,
ich freue mich sehr von dir zu lesen. Ich erinnere mich daran, dass du einen Teil deiner Aufarbeitung zu den Gefühlen zu deiner Mutter hier im Forum geteilt hattest.
Es bedeutet mir viel, dass du hier bei mir schreibst und deine Erfahrungen und Gefühle mit mir teilst. Hab ganz lieben Dank dafür!
Das mit dem intuitiven Tanz klingt wirklich hilfreich und irgendwie selbstwirksam zumindest auf der Wahrnehmungsebene (wahrscheinlich auch auf der Körperebene und Gefühlsebene). Es klingt so als dürfte dadurch nochmal anderes wahrgenommen und ausgedrückt werden und als wäre der Zugang dadurch ein besserer und als dürfte es sich dadurch verändern.
Das hat dazu geführt, dass ich spüren konnte, dass die Sehnsucht nach meiner Schwester und auch die Sehnsucht nach meinen Eltern in Wahrheit ein Schutzgefühl ist. Ich wollte mich davor schützen, den Verlust zu spüren, das wahre Ausmaß des Verlustes. Ich hab meine Familie damals verloren, als sie nicht für mich da sein konnten/wollten. Und ich hab meine Familie immer wieder verloren, bei all meinen Versuchen, mit ihnen in Kommunikation zu kommen und ihnen etwas von mir zu erzählen.
Das klingt für mich sehr stimmig. In einigen Momenten kann ich das glaube ich nachempfinden.
Hinter der Sehnsucht steckt der Verlust. Hinter dem Verlust steckt der Schmerz. Die Sehnsucht gilt noch viel mehr der Vergangenheit als der Gegenwart. Auch der Schmerz gehört größtenteils in die Vergangenheit und in das Immer-Wieder. Nur, dass er damals nie gefühlt werden durfte. Daher ist er unverändert und versucht immer wieder an die Oberfläche zu kommen bis er gefühlt werden darf.
Da ist die Hoffnung in mir, wenn der Schmerz über den Immer-Verlust zugelassen werden kann, dass es sich dann etwas legt. Gleichzeitig ist der Schmerz einfach so unendlich heftig.
Ich schaffe es nicht ausreichend damit in Kontakt zu sein. Aber vielleicht muss ich das auch nicht. Vielleicht ist es wichtig den Raum dafür regelmäßig anzubieten und das nicht aus dem Blick zu verlieren.
Ich habe vor einiger Zeit für erm*rd*te Kinder Steine bemalt. Als Erinnerung, als Wertschätzung und gleichzeitig zum Loslassen. Vielleicht kann ich auch einen oder mehrere Steine als Symbol für die Ablösung von der Familie bemalen. Mal schauen, ob sich da etwas stimmig anfühlt.
Ich hab die ganze Sehnsucht zu ihr getanzt und dann gespürt, dass ich in Wahrheit einfach nur den Verlust versuche zu überdecken. Und weil meine Schwester der einzige Mensch war, der mich in meiner Kindheit nicht benutzt und manipuliert hat, war der Verlust umso schwerer und ist bis heute eigentlich unerträglich.
Das liest sich so traurig und gleichzeitig kann ich es so sehr nachempfinden. Das ist für mich auch das, was die Beziehung zu Geschwistern so anders und den Umgang damit so viel schwerer macht...
Ich fühle mich immer einsam, im Grunde nicht nur, weil ich meine Schwester heute verloren habe, sondern weil ich damals schon so einsam war und ich eine Familie hatte, die mich nicht gesehen hat, die mich total allein gelassen hat.
Mich macht es sehr traurig, dass sie auch als Erwachsene sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen.
Immer, wenn ich sehe, wie Menschen mit ihren Geschwistern verbunden sind.
Das klingt auch wieder so sehr traurig und wieder kann ich es genau so nachempfinden.
Dass du weiter tanzen möchtest, klingt so voller Hoffnung. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und all den Mut und die Kraft dafür hinzufühlen und einen Umgang damit zu finden.
Ich wünsche mir das für mich auch. Vielleicht nicht durch tanzen, vielleicht durch andere Kreativität und durch andere sportliche Aktivierung.
Danke fürs Teilen. Danke fürs Inspirieren. Danke fürs mit mir Weinen.
Einen Gedanken möchte ich noch teilen. Eine Freundin, mit der ich kurz und ganz grob über das Thema Kontakt und Geschwister gesprochen habe, meinte: Es ist auch eine hilfreiche Vorstellung, dass die Geschwister in einer anderen Welt wohnen, ganz weit weg, sodass man sie nicht erreichen kann. Man kann sie dennoch im Herzen tragen und ihnen alles Gute wünschen.
Ich finde da ist viel dran. Zwei Welten. Ist gar nicht so verkehrt.
Die Kunst insgesamt ist für mich auch, dass ich mich nicht zu sehr in diese Gefühle hineinsteigere, um sie möglichst schnell weg zu haben. Dass ich sie aber dennoch ab und zu zulassen kann, ohne sie wieder zu verdrängen, weil es sich zu schlimm und zu anstrengend anfühlt.
Das ist auch keine wirklich bewusste Entscheidung. Es passiert einfach...
Balance finden - immer wieder eine Herausforderung.
Und ja, es wird mich mein Leben lang begleiten. Es wird immer ein Teil von mir sein. Daher wäre es gut und hilfreich einen Umgang damit zu finden, der nicht zu sehr belastet - weder Körper noch Seele.
Die Nacht heute war so schlecht. Ich habe kaum geschlafen, konnte kaum zur Ruhe kommen.
Der Magen-Darm war wieder schwierig und dadurch auch die Gedanken. Oder anders herum.
Dafür konnte ich mir gestern tagsüber mal etwas Gutes tun. Das ist auch viel Wert.
A.Rhiannon