Liebe Aufatmende,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort und für die Zeit, die du dir dafür nimmst sowie danke für deine geteilten Erfahrungen.
Ich nehme für mich mit, dass es manchmal die Kleinigkeiten sind, die im Heute einen wesentlichen Unterschied machen können.
Dass man heute frei(er) ist das Leben insgesamt zu gestalten.
Dass es wichtig ist auf bereits bekannte Hilfen zurückzugreifen.
Dass Innenkommunikation wichtig ist. Immer wieder hinhören, nachfragen, sich Zeit nehmen.
Dass Pausen sowie ein achtsamer selbstfürsorglicher Umgang wichtig sind.
Zumindest vorübergehende Akzeptanz und Annehmen vom Ist-Zustand.
Gleichzeitig aber auch das Bewusstmachen von bereits erreichten Fortschritten. Und würdigen.
Und vor allem immer wieder die kleinen Lichtmomente nach Innen geben. Auch wenn es sich erst so anfühlt, als würde es nicht so richtig ankommen. Es trotzdem immer wieder neu versuchen. Und insgesamt macht es dann eben doch einen Unterschied.
Die Frage ist, ob der Alltag immer funktionieren muss. Was ist wichtig und unverzichtbar? Was ist mein eigener Anspruch und was der Umwelt? Wie oft bin ich krank im Vergleich zu anderen?
Das ist ein guter Punkt.
In meinem Kopf ist dabei glaube ich auch ein schwarz-weiß Denken verbunden. Ein ganz oder gar nicht. Es gibt keine Zwischenstufen.
Aber ja, es heißt ja eigentlich nicht, dass immer alles zu 100% funktionieren muss. Theoretisch. Auf mich bezogen fällt mir das extrem schwer so zu sehen. Bei anderen nicht, aber bei mir. Für andere ist da mehr Verständnis da. Für mich selbst besteht da ein Verbot.
Vielleicht dürfen Teile auch mal nicht funktionieren, müssen nicht 100% perfekt sein, müssen nicht 120% gegeben werden.
Weiß nicht, ist schwer. Ist irgendwie einerseits mit einer Existenzangst verknüpft. Quasi wenn es nicht perfekt ist, dann st*rben wir.
Auf der anderen Seite ist es ein Bedürfnis nach Anerkennung. Es ist mit dem Glauben verknüpft, wenn ich nicht alles 100% perfekt mache, bin ich nichts wert, sondern müsste bestr*ft werden und hätte auch keine Zuneigung verdient.
Irgendwie so.
Ja, grundsätzlich kann ich es rational erkennen. Das ist auf jeden Fall schon mal gut.
Aber im Gefühl kommt es noch nicht an. Ich kann es für mich selbst im Gefühl noch nicht ändern.
Ich kann mir nur rational sagen, dass es anders sein sollte. Ich kann für andere empfinden, dass es anders sein sollte. Aber für mich selbst kann ich es nicht fühlen.
Ich kann es für mich nicht im Heute fühlen und danach leben.
Wenn ich allerdings als Erwachsene auf die damaligen Situationen schaue, dann spüre ich einen Unterschied. Ich spüre als Erwachsene, dass ich damals keine Schuld hatte, dass die Schuld woanders hingehört. Ich spüre, dass es keine Situationen waren, in denen man "besser" hätte sein können. Dass es keine Wahl gab. Und dass der Kampf um irgendeine Zuneigung sowieso von vornherein verloren war, schon immer.
Ich empfinde Mitgefühl, Traurigkeit und Schmerz.
Aber aus Innenkindersicht ist es noch irgendwie verschoben. Nicht mehr ganz so schlimm wie in der Zeit, als der Erwachsenen noch jegliche Erinnerung gefehlt hat.
Gleichzeitig wurde aus bestimmten Gründen ein Leben lang nach diesen Glaubenssätzen gelebt. Und damals war Wiedersetzen tatsächlich leb*nsgef*hrlich.
Schwer sich davon zu lösen.
Aber ja, hier ist wahrscheinlich notwendig, was oben geschrieben steht.
Geduld haben.
Immer wieder nach Innen zeigen.
Kleine Unterschiede wahrnehmen.
Fortschritte würdigen.
Vielleicht ist das ein Anfang.
A.Rhiannon