Hi Herbsti!
Auch ich habe weggeschaut, oder sagen wir eher, ich habe hingeschaut, es gesehen, es erkannt, aber hab das Kind gehen lassen...
Ich sehe in manchen Augen der Kinder die Traurigkeit, aber was kann ich tun?
Ich kann nicht die Welt retten, aber wo ist das Mittelmaß? Wo ist der Weg ab durch die Mitte? Wo kann ich was tun, ohne mich selbst zu verletzen, wo
kann ich was tun um auch zu helfen?
Ich will helfen, muss aber erst einmal zusehen? Abwarten? Ruhig da stehen? warten?
Hat wirklich niemand uns gesehen? Haben wird nicht nach Aussen hin ein komplett straffes Programm abgezogen? Ich kann mich da dran erinnern,
dass mich eine Lehrerin in der 9.Klasse gefragt hat, was los wäre mit mir, aber ich wusste es ja selbst nicht, was sollte auch los sein?
In der 4.Klasse, als ich rapide abgefallen bin in der Schule, als ich meine kurzen Haare hatte, als ich komplette Verweigerung der Welt gegenüber gemacht hab.
Gab es nur Schläge, Nachsitzen... nie hat jemand gefragt, was mit der Kleineven los ist, niemand... in dem Chaos, wo das passiert ist, hat es niemanden interessiert, da war nur immer die Drohungen, ich ruf deine Eltern an, ich schreib einen Elternbrief, zeig das deinen Eltern...
Ich kann doch auch nichts dafür, ich konnte nicht mehr, ich konnte nicht mehr denken, ich konnte nicht mehr leben... ich war nur eine Hülle, die jeden Morgen in die Schule gegangen ist... mehr nicht... ja, die Schläge, das Nachsitzen, der Hausarrest hat mich wohl wieder auf den Boden der Tatsachen runtergebracht...

aber es hat nichts geändert...
Später meine Kopfschmerzen, wo nie jemand einen grund dafür finden konnte...
Menschen die mir erklärten, dass das, was ich erlebt hab, normal wäre, dass ich mich nicht so anstellen sollte, dass es viel schlimmere Probleme gäbe...
Danke...
Ein Kind, dass die Welt nicht mehr versteht und einen Welt, die das Kind nicht mehr versteht!!!
ich war nie für diese Welt gemacht, ich gehöre nicht hier her!!!
Ich hab meine Welt aufgebaut, mein Leben, meine Welt... und da hab ich gelebt...
Ja, das ist ja das Schlimme, dass es so ist!!! Und da können wir zu allererst bei uns selbst anfangen. Wir können den Kreislauf durchbrechen. Wie können mit wachen Augen in die Augen der Traurigkeit in uns und um uns herum schauen.
Ja, und sie erschlägt uns... soviel Trauer, soviel Angst... immer irgendwo leiden Menschen, leiden Kinder, Frauen...
Und was dann tun? was dann?
Deine Wut ist sowas von berechtigt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
hm Wut ändert sich wohl gerade in Hilfslosigkeit...
Grrrr, die Menschen schauten an einem vorbei und das tun die meisten noch immer, auch dann, wenn sie um dich wussten und wissen.
Ich denke, weil sie nicht damit klar kommen, woher sollen sie auch wissen, wie es ist ein Opfer zu sein, woher auch? Wer niemals gedemütigt wurde, wer nie erlebt hat, nackt vor jemanden bloß gestellt zu werden, der hat vielleicht auch niemals nur einen Hauch von Schimmer, was es heißt ein Missbrauchsopfer zu sein, was Demütigung, Freiheitsentzug, Bloßstellen, Erniedrigen, Missbrauchen, ausnutzen und noch so vieles mehr bedeutet...
Schau in den Spiegel, schau dir ganz tief in die Augen...
...Kannst du sie sehen?
Ich sah jahrelang eine junge Frau, eine Frau dich doch gar nichts mit mir gemeinsam hat, jemand fremdes stand mir gegenüber,
ich habe erst vor kurzem wirklich wahrgenommen, dass ich blaue Augen hab, die ich selbst auch mag...
schon komisch, man kennt die Person, weiß dass sie zu einem gehört, aber es kommt nicht an...
ja, ich blicke in die Augen einer jungen Frau, die Angst, Verzweiflung hat, aber eine Frau, die ihre Augen auch unter Kontrolle hat...
Kannst du die Traurigkeit in dir sehen? Was siehst du, wenn du in deine Augen blickst... Was siehst du...
Verzweiflung, Angst... trauer... der Schimmer fehlt, dieser Schimmer, das Glitzern dass ich einst kannte...
Ein missbrauchtes, vergessenens, geschlagenes, ausgenutztes Kind... das so unendlich schwach ist...
Wie fühlt es sich an, Kleineven so zu sehen?
Hm der Satz war schwer...weil das jetzt ein Übergang von mir auf Kleineven ist.
Dass heißt, dass Kleineven und ich eins sind...
Und es macht mich traurig, unendlich traurig, Tränen in den Augen... Arm nehmen möchte, die Kleine will in den Arm genommen werden,
die Große auch!
Niemand fragt nach, fragt nach, warum manche Kinder so durch den Wind sind...
Du kannst Kleineven fragen, warum sie so durch den Wind ist... Du kannst...
Nicht durch den Wind bin, gar nicht...
In der Vergangenheit, ja, da fragte niemand. Aber heute sind Menschen da, da für dich und du kannst für dich da sein.
Ja, kann ich das? Lass ich andere an mich ran? Versteck ich mich doch immernoch hinter eine Mauer, die unumgänglich ist...
ja, es sind Löcher in der Mauer, und manchmal steckt jemand den Kopf herein, und manchmal steht Kleineven oder ich hinter der Mauer mit einem Hammer,
um zuzuhauen...

des musste mal raus...
Du fühlst das Kind...
warum kann ich das? Warum können das so viele nicht? warum wissen auch Kinder, wie es in mir aussieht? Kinder nehmen anders wahr...
Kinder nehmen die Welt anders wahr... hab ich mir da ein Stück von früher bewahrt? Musste ich das bewahren um mich vor meiner Familie zu schützen, vor ihm?
Vieles vorahnen zu können, das Gefühl zu haben, dass etwas passiert? Zu wissen, dass manche Menschen anders drauf sind, wie sie es zeigen?
Woher weiß ich manchmal welche Worte gut tun?
Aber wer ist für dich da?
Even für sich selbst? Und wenn das nicht reicht, wird das verteilt...
Da, wo du Angst hast? Da, wo du Gefahr und Lebensbedrohlichkeit spürst?
Wie wohl viele mitbekommen haben, hab ich panische Angst vor Gewitter... es ist jetzt fast zwei Jahre her... dass ich rausgeh aus dem Geschäft es hatte vorher gewittert... bin raus lauf die Straße entlang, zwei Männer laufen mir entgegen, als der eine nur "AHHH" schreit, ich erschreck und in dem Moment donnert es was es kann, ich bekomm noch eine vom Regenschirm gescheuert... weiß nicht, wo der Blitz in den Blitzableiter des gegenüberliegendes Fabrikgebäude ist...
aber ich bin innerlich regelrecht zusammengebrochen, Even hat sich untergestellt, hat Handy rausgeholt, Wackelpuddingbeine gehabt, hab Menschen probiert zu erreichen... aber niemand hat abgenommen, wer da war, als ich Lebensbedrohlichkeit spürte?
Niemand...
Die große Even hat Angst bei der Kleineven zu sein, bei ihrer Angst, bei ihrem Schmerz.
"Ja" haucht...
Aber wenn die große Even sich mit einem anderen vertrauenswürdigen Menschen zusammenschließt, dann muss sie sich nicht der Angst der Kleineven alleine stellen. Du warst für dieses Mädchen an ihrem Unfallort da, damit sie nicht allein ist, allein mit dieser schrecklichen Angst. Du brauchst auch nicht allein sein... Du musst da, wo es so schmerzt nicht mit dir allein sein.
Wirklich?
Danke Rina...
Even