Hey Eli, danke für deine Antwort!
In den letzten Wochen hat sich ein bisschen was getan. Mir gehen dazu immer noch viele Gedanken durch den Kopf, die ich hier jetzt einfach mal stehen haben möchte. Es fällt mir halt immer noch schwer, ein wenig Ordnung reinzubringen. Vielleicht hilft das hier..
Der Plan war, an die Nordsee zu fahren, was ich dann letztendlich nicht geschafft habe. Ich war auf dem Weg, bin dann aber nach etwa zwei Stunden fahrt zurückgefahren, weil die Angst viel zu groß war. Und vermutlich habe ich mir auch viel zu viel Druck gemacht, was auch nicht unbedingt hilfreich war. Ich hab dann alles storniert, Geld war zwar so gut wie weg (ich hab einen kleinen Teil wiederbekommen), aber ich diesem Moment war mir das auch voll egal. Aber M. war so süß, sie sagte, dass sie ehrlich gesagt nicht mal davon ausgegangen ist, dass ich überhaupt losfahre, umso glücklicher war sie, dass ich zumindest losgefahren bin. Ich konnte das nicht so sehen, weil ich mir halt nur dachte "Mensch Whisper..warum? Es gab einen festen Plan, durchgeplante Tage, einen Notfallplan falls es schwierig wird und trotzdem schaffst dus nicht mal hinzufahren". Irgendwann konnte ich mich aber M. anschließend und sagen, wenigstens bin ich losgefahren. Das hätte ich ja auch nicht machen müssen. Egal, ich bin dann halt Zuhause geblieben. Kann ich jetzt im Nachhinein soweiso nicht mehr ändern.
Naja und was ambulante Therapie angeht hat sich jetzt auch ein bisschen was getan, was mich eben auch dazu brachte, mal wieder hier zu schreiben. Weil ich Angst davor habe..
M. und ich haben schon vor einigen Monaten darüber nachgedacht, nach einer privaten Praxis für eine ambulante Therapie zu suchen, sodass ich eben die Stunden selbst zahle. Dadurch, dass ich keine hohen Fixkosten habe, wäre das finanziell irgendwie möglich gewesen. Wir haben dann eine Praxis gefunden, die auch relativ kurzfristig einen Termin für ein Erstgespräch frei hatte. Den hab ich dann wahrgenommen, wir haben über viele Dinge gesprochen und die Therapeutin bot mir 5 probatorische Sitzungen an. Die habe ich dann wahrgenommen und jedes mal dachte ich mir "oh Gott..was mach ich hier eigentlich?!" Das hat sich so falsch angefühlt. Also nicht, dass es zwischen mir und der Therapeutin nicht funktioniert hat, aber hm..ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Es war dieses Gefühl von "sich zeigen" und nicht mehr davor wegrennen können. Naja..jedenfalls sagte die Therapeutin, dass sie vorerst bei der Krankenkasse nach einem Kostenerstattungsverfahren anfragen wollte. Ich sollte bei den Praxen, bei denen ich auf der Warteliste stand, nachfragen, ob diese mir einen zweizeiler verfassen können um darzulegen, wie lange es voraussichtlich noch dauern könnte, bis ein Platz frei wird. Diese Unterlagen und noch eine ausführliche Begründung von der Therapeutin hat sie an die Krankenkasse geschickt. Vor zwei Wochen hab ich einen Anruf von der Krankenkasse erhalten, dass sie die Kosten für die Privatbehandlung erstatten würden. Zunnächst mit begrenzter Stundenzahl, diese könnten später aber noch angepasst werden, aber dazu müsste nach ein paar Monaten ein Folgeantrag gestellt werden. Da muss ich mich aber nicht drüm kümmern, das macht die Therapeutin, würde mich nur vorher darüber Informieren.
Naja..jedenfall gehe ich da jetzt seit Wochen hin und hm..ich weiß nicht. Es passt ganz gut zwischen uns, vielleicht fällt es mir auch noch etwas leichter, weil sie noch nicht ganz so alt ist. Immer wenn ich bei ihr bin, spielen wie zu beginn ein Spiel, um uns noch besser kennenzulernen und das gibt mir auch etwas Sicherheit. Jedes mal wenn ich bei ihr bin weiß ich, dass der Beginn nicht von unangenehmer Stille gefüllt ist. Es passiert etwas, ohne das ich viel reden muss. Reden..ja..fällt mir immer noch schwer. Egal mit wem. Wer weiß..vielleicht gehört das auch zu meiner Persönlichkeit, dass ich lieber Zuhöre, als zu reden. Und wenn ich rede, dann bitte nicht über mich. Niemals..
Und das ist auch das, was mir so unheimlich große Angst macht. Ich weiß, dass ich irgendwann auch meinen Mund aufmachen muss, damit mir geholfen werden kann. Und im Moment sträubt sich alles in mir. Bei dem Gedanken möchte ich am liebsten einfach tot umfallen. Dann ist alles vorbei.
Ich mache mir viele Gedanken darüber und weiß nicht, wie ich das jemals schaffen soll. Reden über etwas, was ich vergessen möchte. Wofür ich mich schäme und hasse. Ich mache verwundbar, wenn ich jemandem etwas erzähle. Das darf nicht sein. Ich darf nicht sein. Hm..schwierig. Ganz, ganz schwierig.
Frau L. (die Therapeutin) macht das im Moment auch so, dass sie mir immer erklärt, weshalb sie was macht. Das gibt mir Sicherheit. Und sie sagt auch, dass ich immer Fragen stellen soll, wenn ich etwas nicht verstehe oder mir etwas überhaupt nicht vorstellen kann. Und sie fragte, ob ich mir vorstellen kann, ein gemeinsames Gespräch mit M. vorstellen kann, damit sie auch einen Eindruck von außen bekommt. Tja..ich weiß nicht. Ist vielleicht nicht verkehrt, aber puuh..macht mir Angst. Obwohl ich M. vertraue. Es macht Angst. Ich habe bejaht. Und das Gespräch wird auch erst stattfinden, wenn wir eine bessere Beziehung aufgebaut habe. Aber der Gedanke daran ist mir unangenehm. Ich bin auch am überlegen zu sagen, dass die beiden ohne mich miteinander reden. Ich weiß nicht, ob Frau L. das so machen darf und ob das so klug ist. Habt ihr Erfahrungen zu solchen Situationen?
Auch wenn das wirklich positiv ist, verspüre ich täglich eine Angst, die nicht weggeht. Mit dem Kopf bin ich immer bei der Therapeutin und den Stunden, ob ich das alles schaffe, ob ich Erwartungen erfüllen kann, ob ich bereit bin, mich der Vergangenheit zu stellen. Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht.
Gestern kam ein Anruf, dass ich ab dem 29. Juli zur ambulanten Ergotherapie kann. Das macht mir auch Angst. Neuen, fremden Menschen zu begegnen. Puuh..schwierig. Ich werde hingehen. Nur macht es eben Angst.
Und noch etwas neues..ich gehe jetzt seit fast einem Monat ins Fitnessstudio. Aber nicht alleine, sondern mit meiner besten Freundin.
Sie hat mich schon zu Beginn des Jahres gefragt, ob ich mit ihr zusammen hingehen möchte. Ich habe immer verneint, weil ich ja oft das Problem mit exzessiven Sport hab und nicht genug Essen und Trinken. Und ich habe mich eh nicht bereit gefühlt. Jetzt habe ich mich aber dafür entschieden. Und damit es eben nicht exzessiv wird, gehe ich immer nur mit meiner Freundin hin. Jeden zweiten Tag, für eine Stunde. Und es geht nicht ums Abnehmen, sondern um gesund zuzunehmen. Jetzt gerade sind wir noch dabei Muskeln aufzubauen, ich habe mit einem Fitnesstrainer einen Ernährungsplan aufgestellt, den ich bisher gut einhalten kann. Ich meine klar, ich lasse immer noch Mahlzeit aus, aber es ist nicht so extrem wie früher. M. begleitet mich das auch total. Ich mache das vor allem aber auch, um irgendwie meine eigenen vier Wände zu verlassen. Aufwärmen auf dem Laufband mache ich im großen Fitnessraum, der für alle ist. Für die anderen Übungen gehe ich nach oben in den Frauenbereich. Der ist fast immer leer und wenn nicht, sind höchsten 2 bis 3 andere Frauen da. Da fühle ich mich auch sicher. Heute gehe ich auch das erste mal zum Zumba. Ich bin wirklich gespannt, wie das wird. Meine Freundin geht schon länger hin und ist total begeistert, kennt den Trainer auch schon echt gut.
Und dadurch, dass sie mich ja kennt weiß sie auch, dass ich eben diese Probleme mit anderen Menschen hab und trotzdem fragt sie mich immer wieder, ob ich mit auf Veranstaltungen komme. Der Trainer, der das Zumba macht, veranstaltet auch außerhalb des Studios treffen, wo dann Salsa und Bachata getanzt wird. Letzte Woche bin ich mitgegangen. Im ersten Moment war mir das furchtbar unangenehm, aber danach hatte ich doch auch etwas Spaß. Es ist nichts gezwungen, ich konnte meine Pausen machen. Das war top.
Jetzt am Wochenende veranstaltet der Trainer eine kleine Sommerparty, wo gegrillt, gelacht und getanzt wird. Erst fragte sie mich, ob ich mitkommen möchte. Hab dann aber erst verneint. Dann kam der Trainer zu mir und fragte auch. Hab dann einfach ja gesagt. Ups..
Wir haben auch schon ein Geschenk für ihn, weil er die Kosten für alles selbst trägt. Es steht zwar immer eine Spendenbox auf nem Tisch, aber nicht jeder gibt etwas. Das finde ich so toll von ihm. Und er ist so super lieb. Vom Aussehen müsst ihr ihn euch vorstellen wir ein Türsteher. Er ist wirklich seeehr muskulös, breit, groß.., aber sobald man mit ihm spricht, wirkt er so ruhig und herzlich. Vor allem kommt er aus den Niederlanden, spricht 4 Sprachen, und manchmal vermischt er diese Sprachen. Dann kommen total lustige Sätze raus. Und ich habe bisher nicht einmal erlebt, dass er jemanden nicht zum Lachen bringt. Er macht heute Abend eben auch das Zumba, da bin ich echt gespannt, wie der das macht. Ob es da auch so lustig zugeht ^^
Es kam vorletzte Woche leider auch zum svv..aber ich komme klar damit, dass hat mich diesesmal nicht so extrem runtergezogen. Es war eher so ein "joa..ist passiert, weitermachen. Nicht wieder ins Schneckenhaus, nicht wieder alles absagen, weil ich eh nichts hinbekomme." Erstaunlich. AUch für mich. Morgen werden die Fäden gezogen. Und dann hoffe ich, dass es das auche erstmal war.