suomi89 hat geschrieben:Gast-Gast-Gast hat geschrieben:@ suomi89:
Das tut mir leid, suomi, dass es bei Dir so ausging. Vielleicht war's noch zu früh? Vielleicht kannst Du später oder mit einer anderen Methode eine Besserung und Linderung erreichen. Ich drück' Dir Daumen!
Danke!!
Na es war ca 6 Monate danach. Ich weiß nicht, ob das zu früh war? Insgesamt ist es jetzt erst 11 Monate her, dass es passiert ist.
Für mich ist zur Zeit eine gute Methode, so zu tun, als ob alles gut wäre. Ich weiß, dass das natürlich nicht auf Dauer geht, aber ist noch immer jedes Mal eine Qual drüber zu sprechen und bin dann immer nur fertig. Ich muss auf jeden Fall was anderes für mich finden, da ja EMDR leider nicht funktioniert hat...
Ich weiß es nicht, ob's zu früh war. Es wird bei Akut-Traumapatienten schon öfter auch mal relativ schnell mit der EMDR angefangen. Aber die Reaktion bei Dir war ja heftig. Besserung ist auch nicht eingetreten? Das wäre schon wichtig, in Erfahrung zu bringen, woran das jetzt lag, dass es so ausging.
Bei mir war's direkt nach der EMDR gleich besser. Dass da was passiert ist, war sofort spürbar. Ich kann mir das bei Dir nur damit erklären, dass es zu früh war oder generell die Methode EMDR für dieses Trauma zu heftig ist.
Tatsache ist, dass bei Trauma gesagt wird: "Die Zeit heilt nicht alle Wunden!". Das hat man früher so gesagt und hört man heute noch oft. Aber so pauschal stimmt es nicht. Bei PTBS sind auch die Selbstheilungskräfte aktiv, das Gehirn versucht mit diesen Zuständen zurechtzukommen und lernt an jedem Flash dazu. Es lernt die ganze Zeit dazu. Dh, die PTBS wird auch von allein besser werden und was heute an Aufarbeitung vielleicht noch nicht geht, kann vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt sehr erfolgreich gelingen. Langfristig hast Du also sicher gute Chancen, dass es Dir wieder besser gehen wird. Wenigstens ein kleiner Trost. Ich würde da noch nicht ganz aufstecken und außer EMDR gibt's ja wirklich noch andere Methoden zur Konfrontation.
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Mein Problem war entgegengesetzt: Ich bin gar nicht so tief in das Trauma, das hochgeholt wurde, reingekommen. Leider weiß ich noch nicht, woran das liegt und wie das dann für die Zukunft aussehen wird, ob's auch mal schlimmer wird, wenn geemdrt wird?
Die zwei Extremfälle zeigen ja, dass EMDR ganz unterschiedlich ablaufen kann.
Ich saß da und hab' gewartet, dass es schlimm wird und es kam halt gar nicht, was ich vorher über EMDR gelesen hatte. Mein Thera hat, wenn sich nichts getan hat, weiter EMDR-Sets gemacht. Ich hab' auch schon Angst gehabt, dass es gar nicht geht und nix bringt. Es hat dann aber doch geklappt. Mein Thera hat gemeint:"Bei Ihnen bringt die EMDR ja zum Glück ein bisschen was!". Da war ich dann auch beruhigt, als klar war, dass es als Methode im Rennen ist.
Mich würde es ja echt interessieren, warum die einen so heftig drauf reagieren und ich wieder mal so "verschleppt". Ich saß da einfach und hab' gedacht:"Ah ha, das soll jetzt das superüble, heftig EMDR sein!!?? Wann passiert hier denn endlich mal was?". Bei mir war's also genau umgekehrt. Ein bisschen sind wir rangekommen, ein bisschen an der Oberfläche gekratzt. Man könnte ja jetzt meinen, das war halt kein schlimmes Trauma, was man da hochgeholt hat und deshalb war fast tote Hose. Aber das kann's eigentlich nicht sein, weil es um eine schwere Traumatisierung ging. Mein Thera hat ein bisschen fast rumgeheult, hab' ich noch nie bei ihm gesehen, der ist sonst immer ganz cool. Aber mir hat's gar nix ausgemacht. Ich war da eher unbeteiligt. Bei mir ist das bei jedem Trauma so, dass ich alles weiß, drüber reden kann, ohne dass es mir was ausmacht und ich da nicht auf Trigger reagiere. Aber im Alltag kommt's irgendwo, der Zusammenhang ist nicht mehr klar. Mein Thera sagt, das kommt daher, dass die Traumata nicht richtig verarbeitet wurden. Deshalb taucht an völlig anderer Stelle wieder was auf. Und das sind dann auch unaushaltsame Flashs. Diese Woche musste ich zum TÜV und hab' vorher in die Waschanlage gewollt. Ich konnte nicht hinfahren, x mal verschoben. Sonst fahre ich dahin und ok, macht keinen Spaß. Dann plötzlich geht wieder gar nichts mehr, kein Anruf kann erledigt werden, keine 5 km mit dem Auto sind mehr machbar, das ganze Leben klappt zusammen wie in den Dornröschenschlaf oder man hat Dauerpanikattacken, es hört gar nicht mehr auf. Der ganze Krempel wechselt sich ab und man ist jeden Tag am Kämpfen.
Ja, ohne Aufarbeitung erreicht man halt höchstens eine relative Stabilität. Wir haben mit EMDR angefangen, weil es einfach nicht ging mit Stabilwerden. Irgendwann kommt die "Angriffsverteidigung". Ich bin aus der Klinik raus und mein Thera hat gemeint:"Stabilwerden geht bei Ihnen so nicht. Ich könnte Sie noch 3 Monate da lassen und Sie wären trotzdem nicht stabil.". Manchmal macht's einfach keinen Sinn mehr, noch mehr zu warten und dann fangen die mit EMDR auch an. Ich musste meinen echt in den Hintern treten, damit er es jetzt anfängt. Ich hab' zu ihm gesagt:"Wenn ich 80 bin, brauch' ich's auch nicht mehr!! Worauf warten wir eigentlich?? Die Bedingungen werden nicht besser, die werden nur noch schlechter.".
Normalerweise warten die EMDR-Theras halt lieber, die haben alle Angst, dass es nach hinten losgeht. Aber manchmal ist es halt auch einfach dran, weil jemand endlich weiterkommen muss. Dann versucht man eben zaghaft einen ersten Versuch.
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So ist das. Was der eine zuviel hat, hat der andere zu wenig. Das macht das EMDR jetzt auch nicht kalkulierbarer, aber wenigstens sieht man, wo es anfängt und aufhört mit dem Spektrum.