Übungen zur Steigerung der Selbstsicherheit
12. NEIN
Das Wort „Nein“ kommt vielen Menschen schwer über die Lippen, obwohl es enorm wichtig
für das eigene Selbstbewusstsein ist. Lernt man Nein zu sagen, achtet man automatisch
auch sich selbst und die eigenen Bedürfnisse. Meist wird schnell deutlich, dass andere Menschen nur selten große Probleme damit haben,
wenn man etwas ablehnt. Mit einem Nein in der richtigen Situation erkennt man schnell,
dass man selbst großen Einfluss auf die Geschehnisse hat, die das eigene Leben bestimmen.
Man unterwirft sich nicht mehr so leicht. Oft ist es sogar so, dass man mit einem Nein mehr respektiert wird, als wenn man zu allem
Ja sagt.
Beginnen Sie mit einem Nein am Tag. Wenn wieder jemand mit einem Anliegen zu Ihnen
kommt oder Ihnen etwas aufhalsen will, für das Sie gar nicht zuständig sind, sagen Sie höflich aber bestimmt Nein! Mit jedem Nein fällt es leichter und Sie gewinnen schnell an
Selbstsicherheit. Wenn es Ihnen anfangs schwer fällt, Bitten abzulehnen, bestimmen Sie selbst, wann Sie der
Bitte nachkommen: "Ich kann das machen, aber erst am…!" Vermerken Sie jedes Nein, das
für Sie einen Erfolg darstellt, in Ihrem Notizbuch.
13. Ich trau mich nicht, aber ich mach es trotzdem [Verhaltenstherapeutischer Ansatz]
Fehlt das Selbstvertrauen, geht man in der Regel jeder Herausforderung aus dem Weg. Und
genau damit gerät man in eine Negativspirale, die einen immer weiter nach unten ziehen
kann. Aber man kann diesen Prozess auch umkehren, indem man bewusst herausfordernde Situationen sucht und sich diesen stellt. Man beginnt mit kleinen Herausforderungen. Und eine
überwundene Herausforderung bildet ein Erfolgserlebnis, motiviert und lässt an Selbstsicherheit gewinnen.
Deshalb suchen Sie sich solche Herausforderungen, beginnend mit der kleinstmöglichen.
Eine Affirmation kann bei der Überwindung sehr unterstützen, beispielsweise:
„Ich trau mich nicht, aber ich mach es trotzdem“ oder „Ich habe zwar Angst, mache es aber
trotzdem!“ Die Stärke dieser zwei Affirmationen liegt zum einen darin, dass man seine Angst und Unsicherheit akzeptiert und sich zugesteht. Nur so können sie auch reduziert und dann abgelegt
werden. Und zum anderen motiviert man sich gleichzeitig zum Handeln.
14. Forderungen
Menschen mit einem geringen Selbstvertrauen stellen häufig die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund.
Übung: Kommen Sie in eine Situation, in der man Sie benachteiligt oder in der Sie schlichtweg ein Bedürfnis empfinden, so sollten Sie sich dazu äußern. Gewöhnen Sie sich das Einfordern von Wünschen und Bedürfnissen an. Auch bei dieser Übung gilt: Beginnen Sie mit kleinen Forderungen und mit jeder Forderung wird es Ihnen leichter fallen. [Tipp: Auch eine nachdrückliche, ruhig formulierte Bitte kann bei einigen Menschen schon wirken].
15. In den Mittelpunkt setzen
Menschen mit wenig Selbstvertrauen neigen dazu, sich zu verstecken und sind darauf bedacht, sich nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Um aus diesem Muster auszubrechen, muss
man sich trauen, einmal etwas Aufsehen zu erregen. Selbstverständlich sollte dies nicht geschehen, indem man sich in einer Situation unangemessen verhält. Diese Strategie könnte
sonst leicht kippen und nach hinten losgehen.
Setzen Sie sich also bewusst, aber dezent in den Mittelpunkt. Das kann beispielsweise mit
einem auffälligen Kleidungsstück sein, das mehr Blicke erntet, oder mit einem Witz, den Sie
in einer Runde erzählen, oder indem Sie pfeifend durch die Fußgängerzone spazieren.
16. Blickkontakt suchen
Der Weg zu mehr Selbstsicherheit führt auch über den Augenkontakt. Eine Person, die im
Gespräch aber auch sonst den Augenkontakt zu anderen Menschen aufbauen und halten
kann, wirkt automatisch selbstsicherer und gefestigt.
Suchen Sie bewusst den Augenkontakt und halten Sie diesen angemessen lange. Das fällt
vor allem zu Beginn äußerst schwer. Deshalb sollten Sie mit dieser Übung bei vertrauten
Personen beginnen und dann auf fremde Personen ausweiten.
17. Falsche Freunde
Es gibt Menschen, die das geringe Selbstbewusstsein eines anderen zu ihrem Vorteil nutzen.
Solche Menschen, oft vermeintliche Freunde, sind wahre Energieräuber. Sie unterbinden eine Steigerung des Selbstbewusstseins allein dadurch, dass sie die betreffende Person ausnutzen und klein halten.
Befinden sich solche Menschen in Ihrem näheren Umfeld, versuchen Sie sich von Ihnen zu
trennen oder deutlich zu distanzieren. Wenn das schwer möglich ist, machen Sie diesen Personen zumindest deutlich, dass Sie nicht länger gewillt sind, ausgenutzt zu werden. Dieses
Trennen bzw. Distanzieren hat in der Regel eine große innere Befreiung zur Folge.
18. Fremde Menschen
Der Kontakt zu fremden Menschen ist für Personen mit einem geringen Selbstvertrauen
häufig ein schwieriges Unterfangen. Um sich künftig auf diesem Gebiet etwas mehr zuzutrauen, ist es verhaltenstherapeutisch gesehen sinnvoll, wenn man sich bewusst in Situationen begibt, in denen der Kontakt zu fremden
Menschen unumgänglich ist. Wie eine solche Situation aussehen kann, ist individuell und
bleibt jedem selbst überlassen. So kann beispielsweise die Anmeldung in einem Verein oder
auch die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen eine solche Herausforderung darstellen.
Suchen Sie eine Situation oder einen Ort auf, wo Sie mehreren fremden Menschen begegnen. Als nächste Herausforderung versuchen Sie mit mindestens einer Person in Kontakt zu
treten und das Gespräch zu suchen.
19. Lauter sprechen
Auch die Sprache und die Stimme haben Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein. So kann
ein Sprachfehler dazu führen, dass man sich grundsätzlich im Hintergrund hält.
Menschen mit einem geringen Selbstvertrauen sprechen automatisch leiser.
Wenn Sie auch zum leisen Sprechen tendieren, versuchen Sie bewusst lauter zu sprechen.
Beginnen Sie damit in Gesprächen mit vertrauten Personen. Dann Üben Sie das Gleiche in
Unterhaltungen mit Personen, die Ihnen nicht so vertraut sind. Auch ein Rhetorik- oder Sprecherziehungskurs kann
helfen, sich mit der eigenen Sprache und Stimme zu behaupten. [Ganz zu schweigen von Gesangsunterricht!]
20. Körperhaltung
Mehr Selbstsicherheit kann man auch durch Kontrolle der eigenen Körperhaltung gewinnen.
Die Haltung sollte stets aufrecht und gestärkt sein, nicht etwa zusammengesunken und
klein. Man fühlt sich automatisch besser und auch sicherer, wenn man mit geradem Rücken
und leicht geschwellter Brust auftritt.
Überprüfen Sie Ihre Körperhaltung in jeder Situation. Durch diese laufende Kontrolle wird
ein Zurückfallen in alte Muster reduziert. Und nach kurzer Zeit hat man sich eine selbstsichere Körperhaltung angeeignet.
21. Eigenverantwortung übernehmen
Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl verlassen sich in der Regel auf andere
Personen und trauen sich selbst kaum etwas zu.
Ziel dieser Übung ist, dass Sie bewusst Aufgaben suchen und diese angehen, die Sie sich
vorher nicht zugemutet hätten und anderen überließen. Eine solche Aufgabe kann beispielsweise ein unangenehmer Anruf sein. Der positive Nebeneffekt dieser Übung besteht
darin, dass jede geschaffte Situation automatisch ein Erfolgserlebnis darstellt und Ihre Selbstsicherheit stärkt.
22. Träume und Wünsche erkennen
Durch das Benennen und Erkennen der eigenen Träume und Wünsche wächst das Bewusstsein, dass es weit mehr gibt, als ein Dasein in stiller Verborgenheit.
Ziehen Sie sich an einem Ort zurück, wo Sie nicht gestört werden. Entspannen Sie sich. Gehen Sie dann in Gedanken Ihren Träumen nach. Notieren Sie Ihre Wünsche und Träume in
Ihrem Arbeitsbuch. Unabhängig davon, wie realistisch diese Träume sind. Allein dieses Niederschreiben kann neue Energien und Kräfte wecken und damit den Weg für Veränderungen
frei machen.
23. Ziele erreichen
Ziele sind der Weg Richtung Erfolg. Durch mangelndes Selbstvertrauen findet man sich allerdings schnell in einer Form der Unbeweglichkeit, die das Erreichen großer Ziele unmöglich
macht. Beginnen Sie, sich kleine Ziele zu setzen, die auch erreichbar sind. Und mit jedem erreichten Ziel, und sei es beispielsweise „nur“ eine kleine Gewichtsabnahme, fühlt man sich zunehmend in der Lage, größere Herausforderungen zu schaffen und damit positiver in die Zukunft zu blicken. Deshalb setzen Sie sich bewusst Ziele. Beginnen Sie mit kleinen, leicht erreichbaren und steigern Sie sich mit größeren Zielen.
24. Fehler akzeptieren
Die Einsicht, dass Fehler zum Leben gehören, ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die
man auf dem Weg zu mehr Selbstsicherheit gewinnen muss. Man muss damit aufhören, den
Fokus auf eigene Fehler zu legen und sich selbst zu kritisieren. Vielmehr sollte man lernen,
dass Fehler immer auch einen Schritt nach vorne bedeuten können. Deshalb gestehen Sie
sich Fehler zu. Sehen Sie die Fehler als Chance, sich weiter zu entwickeln.
25. Belohnungen
Eine in Aussicht gestellte Belohnung trägt zur Motivation bei. Für besonders fordernde Aufgaben, die ein wenig Überwindung kosten, sollten Sie sich auf alle Fälle belohnen. Wenn Sie
das nächste Mal vor einer solchen Situation stehen, überlegen Sie sich vorher eine Belohnung. Das motiviert und gibt Kraft.
26. Haltung annehmen
Hierbei handelt es sich um eine einfache Körperübung, die dennoch große Auswirkungen auf
das Selbstbewusstsein haben kann. Stellen Sie sich hierzu aufrecht hin, sodass die Füße etwa hüftbreit auf dem Boden stehen.
Nun bauen Sie sich so auf, als hätten Sie unendliche Kraft, drücken den Brustkorb nach
vorne und spannen die Schultern. Durch die Muskelspannung spürt man, wie viel Kraft in
einem steckt und fühlt sich beispielsweise für eine kommende Aufgabe gestärkt.
27. Lächeln
Ein Lächeln und das Lachen haben positive Auswirkungen auf unseren ganzen Körper. Auch
das Selbstbewusstsein bleibt von diesen Effekten nicht unberührt.
Nehmen Sie für diese Übung einen Bleistift zwischen die Zähne und halten diesen für dreißig
Sekunden fest, ohne dass er hierbei die Lippen oder die Zunge berührt. Hierdurch entsteht
ein sehr breites Grinsen, das auf wichtige Punkte im Gesicht drückt und mit beinahe sofortiger Wirkung Energie und Selbstbewusstsein weckt.
28. Negativen Gedanken den Kampf ansagen
Nicht selten richtet man das eigene Selbstvertrauen zugrunde, indem man sich selbst ständig kritisiert und so ein Gefühl erzeugt, nur wenig wert zu sein.
Selbstkritik sollte man sich also unbedingt abgewöhnen. Wenn Ihnen solche negativen und
dekonstruktiven Gedanken in den Sinn kommen, halten Sie bewusst inne und fordern Sie
die innere Stimme auf: „Halt die Klappe!“
Dieses bewusste Innehalten macht eine „Gedankenumkehr“ – also von dekonstruktiv in
konstruktiv, von negativ in positiv – möglich, bis die „guten“ Gedanken schließlich überhand
nehmen. Hilfreich bei diesem Prozess kann auch ein 30 Zentimeter langer Streifen sein, den man aufrollen und abschneiden kann. Markieren Sie auf diesem Streifen die ersten 10 Zentimeter in
grüner, die zweiten 10 in gelber und die letzten zehn Zentimeter in roter Farbe.
Diesen Streifen tragen Sie nun immer bei sich und schneiden oder reißen einen Zentimeter
ab, sobald Sie sich selbst kritisieren. Man beginnt mit dem grünen Bereich. Ziel ist es, dem
roten Bereich und am besten sogar dem gelben möglichst lange fern zu bleiben.
29. Auf das Äußere achten
Man muss sich in seiner Haut und in seinen Kleidern wohl fühlen. Nur dann kann man nach
Außen auch so auftreten. Deshalb ist es hilfreich, mehr Wert auf die Körperpflege und die
Kleidung legen. So kann man beispielsweise schon mit einer neuen passenden Frisur enorm an Selbstsicherheit gewinnen.
Burkhard Heidenberger,
www.zeitblueten.com