~Inventur~
Immer mal mache ich Inventur.
Mal schauen, wo ich stehe, mir aufschreiben, was ich geschafft habe.
Meine Ziele ergeben sich oft daraus, weil ich natürlich immer etwas finde,
das ich noch verbesserungswürdig finde.
Die psychologische Checkliste, die Elfe im Info-Bereich hinteregt hat fiel mir wieder ein.
Dazu hatte ich ja auch schon das ein oder andere Mal etwas geschrieben.
Doch meine Sicht auf die Liste und auf mich ändert sich immer weiter.
Zunächst fand ich verblüffend und beängstigend, wie viele Punkte auf mich zutrafen.
Dann hatte ich wohl einen Höhenflug oder aber war eher im Modus "Verleugnen",
weil ich offenbar dachte, ich muss so viele Punkte wie möglich verneinen.
Um sagen zu können: es geht mir gut.
Heute sage ich: es geht mir gut!
Aber eine Reihe der Punkte beantworte ich mit Ja, trifft zu.
Wie das zusammenpasst?
Sie treffen zu, ich bin ehrlicher mit mir selber und habe gelernt,
mit dem Zutreffenden umzugehen und gut und gerne zu leben.
Definitiv unterliegt meine Stimmung auch heute noch ziemlichen Schwankungen.
Bestimmt bin ich nicht selten antriebsarm und deprimiert.
Anders ist aber, dass ich es erkenne, einordnen kann und etwas dagegen unternehme.
Selbstmordfantasien sind sicher auch nicht ganz verschwunden.
Sicher kann ich einordnen: es sind Gedanken, ich will leben.
Ich kann diese Gedanken aber zulassen als einen Teil von mir.
Und diesem Anteil trotzdem seine Grenzen setzen und destruktives Verhalten unterlassen.
Mein Impuls, mich aus einem fahrenden Wagen zu stürzen ist zwei Jahre her.
Meine Angst, dass ich jemals wieder mich so in die Enge getrieben fühlen werde
ist noch da, nimmt aber ab.
Ich sehe das Ganze heute gelassen und eigentlich ist es immer eine Mahnung:
Pass auf dich auf, damit du erst gar nicht in diese Situation gerätst.
Was ich nachhaltig ablegen konnte sind Sinnlosigkeitsgedanken.
Ja, mein Leben hat einen Sinn für mich!
Mein Essverhalten ist so eine Sache. Daran arbeite ich noch und muss da immer wieder aufpassen.
Hungern erkenne ich leider erst am Gewichtsverlust.
Aber dann - kommt die innere Feuerwehr angeeilt und teilt Erbsensuppe aus.
Das kriege ich nicht im Vorraus hin.
Macht nichts, ich muss ja auch noch etwas übrig behalten, sonst werde ich ja arbeitslos.
Mein Selbstwertgefühl hat einen Aufschwung erlebt, den ich manchmal selber bestaune.
Allerdings verfalle ich schon manchmal in Unsicherheit und hoffe mal,
dass ich nicht demnächst völlig arrogant werde.
Mich für das, was ich bin und tue auch zu mögen ist wohl der größte Erfolg.
Zudem merke ich, wie es mich davor bewahrt verletzt zu werden,
weil ich mich nicht dauernd verteidigen muss.
Emotional darf ich aber gerne noch etwas sicherer werden.
Also meiner Gefühle. Da brauche ich manchmal noch Hilfe und
muss mir bestätigen lassen: ja, du bist berechtigt sauer.
Nach der vollen Notbremse, weil ich da unkontrolliert Lauf gelassen und viel
Porzelan zerschlagen habe komme ich noch nicht wieder so richtig in Fahrt.
Aber das wird.
Was mein Vertrauen zu anderen Menschen angeht oder auch meine Fähigkeit, die Vertrauenswürdigkeit einzuschätzen
ist irgendwann etwas in Waage gekommen zwischen völligem Misstrauen und zu vorschnellem Vorschuss an Vertrauen.
Ich würde es als ein dosierte Offenheit bis gesunde Vorsicht beschreiben.
Im Laufe der Zeit habe ich das Wort Nein in meinen Wortschatz aufgenommen.
Auch da konnte ich Schuldgefühle abbauen, kann mich vernünftig abgrenzen
und eher bei mir bleiben, mich nicht verbiegen.
Interessant: mein Nein ist irgendwie glaubwürdiger geworden.
Gefühle von Machtlosigkeit beschleichen mich weiterhin. Auch empfinde ich so etwas wie "Ausgeschlossensein".
Aber oft kann ich das gut einordnen, hängt es mit einer depressiven Grundstimmung zusammen.
Sehr gut ist, dass ich es nicht mehr unbedingt anderen anlaste und damit Beziehungen aller Art
doch sehr viel konfliktärmer geworden sind.
Gerade im Moment schlafe ich eher schlecht, Träume größten Blödsinn und habe auch immer noch flashbacks.
Begeistert bin ich nicht gerade, aber dennoch weiß ich, dass ich damit umgehen kann.
Das ist alles auf ein gut tragbares Maß zurückgegangen.
Ich habe ganz gut heraus mich auch selber gut zu beruhigen, wenn ich in Panik gerate.
Mir ist auch klar, dass ich noch immer dissoziiere.
Aber auch da sind meine Sinne gut geschärft und ich erkenne es oft.
In der Summe kann ich also gar nicht sagen, dass die meisten Punkte der Checkliste nicht mehr zutreffen.
So ehrlich kann und möchte ich zu mir sein.
Ich werde wohl immer gut auf mich aufpasen müssen.
Aber das muss doch jeder.
Nur - wie viele können es?
Ich bin froh, dass ich die Chance bekommen habe
meine Innie`s wahrzunehmen, ernst zu nehmen und schätzen zu lernen.
Auch, dass ich Täteranteile in mir entlarven konnte, erkannt habe, wo ich fremdbestimmt dachte, handelte
und auch heute manchmal sicher noch tue, es aber immerhin im nachhinein bemerke.
Mich kennen zu lernen, mich zu nehmen wissen, mich und die Folgen des vielfältigen MB und der
Vernachlässigung zu akzeptieren, mich im Ganzen als liebenswerten, klugen, gereiften Menschen zu sehen
- falls es jemand noch nicht weiß:
Das ist der Lohn für die mühsame Arbeit, von der wir alle manchmal gar nicht wissen,
woher die Kraft kommen soll.
Kraftquelle kann immer wieder sein
Hoffnung, Mut und Zuversicht miteinander zu teilen!
Hier ist ein guter Ort dafür und jede/r Einzelne von euch ist ein Teil dieses Ortes!
Shalom
Luna