Ihr Lieben, die ihr euch die Mühe macht, mir zu schreiben. Danke! Es ist so hilfreich euch zu lesen, es ordnet ein wenig das totale Chaos im Kopf und tröstet auch sehr.
Es war heute ein schrecklicher Tag, schon auf dem weg zur Arbeit habe ich geweint.
Ich fühlte mich so verletzt, irgendwie geradezu vernichtet.
Es tut so weh, dass die eigene Familie das Gefühl det Vernichtung auslöst. Wirklich so, dass ich denke, ich habe kein recht, auf dieser Welt zu sein, ohne mich wären sie besser dran.
Es ist so erschütternd und schockierend, wie unglaublich bedürftig ich diesen beiden Frauen gegenüber bin. Eine Bedürftigkeit, die körperlich weh tut, als wurde mir das Herz herausgerissen werden und ich nicht mehr atmen können. Ich verliere dann jedes Gefühl für die Gegenwart.
Zum Glück hat meine Arbeit mich wirklich geerdet und ein Stück weit rausgeholt.
Auch eure Worte haben sehr geholfen.
Liebe Maya, ich will dir noch erzählen, dass ich meine Schwester sicher auch ein stuck weit falsch verstanden habe und sie auch tatsächlich, wie du es beschrieben hast, zwischen den Stühlen sitzt. Aber emotional habe ich sie nicht falsch verstanden.
Wir haben eine lange konfliktreiche Geschichte miteinander, die für mich damit beginnt, dass sie mich zu ihrer Hochzeit wieder ausgeladen hat, und dann den Täter wiederum eingeladen hat. Ich habe sie Jahre später darauf angesprochen, wie sie mit diesem Mann so einen Umgang pflegen kann und folgende Begründung gehört: er hat genau wie ich eine Sünde begangen. Sie hat ja mit mir auch noch Kontakt, sie darf Menschen nicht verurteilen für die Sünden, die sie begehen.
Ziemlich fassungslos fragte ich welche Sünde ich denn begangen habe, die mit seinen Taten vergleichbar sei. Ihre Antwort: du hast ein Leben getötet. Ja, ich hatte mit 18 eine Abtreibung.
Meine Schwester verurteilt die Art, wie ich mein Leben führe. Sie verurteilt dabei mich mit meinen Gewohnheiten, Charaktereigenschaften, Entscheidungen. Sie kann sehr unfreundlich und kalt zu mir sein.
Ich bilde mir das nicht ein. Ich weiß das seit langem. Aber gestern hat sie mich quasi ungeschützt erwischt, mitten in meiner kindlichen Bedürftigkeit als kleine Schwester...
Es ist im Moment einfach noch ein Schock, warum da so viel Kälte ist, wo ich Wärme suche. Anlehnung, wo ich mir Zusammenhalt wünsche. Verurteilung statt Verständnis.
Dabei weiß ich das ja eigentlich alles schon. Ich ja, aber irgendwie die kleine nicht
Eigentlich glaube ich, dass sie vermutlich auch betroffen ist. Und dass sie ganz massiv Trägerin des elterlichen Familiensystems ist.
Ich muss mich vor ihr schützen
Als unser Vater starb, der das Herz dieser Familie war, dachte und hoffte ich, wir könnten ein Stück zusammenrücken.