von Luisa » Do Jun 18, 2026 4:15 pm
Hallo liebe Eli,
ich kann gerne versuchen zu erklären, was ich damit meine, Halt in mir selbst zu finden. Es ist gar nicht so einfach, das in Worte zu fassen, weil es irgendwie so viel ist, was ich in der letzten Zeit begriffen habe. Und vielleicht passt das auch gar nicht für dich.
Ich versuche, zu akzeptieren was ist und dem Schmerz nicht mehr auszuweichen, sondern ihn anzunehmen und zu fühlen (nach Möglichkeit, soweit es geht). Ich versuche, mich nicht mehr abzulenken (auch nicht durch Hobbys), nichts mehr zu verdrängen oder zu unterdrücken oder zu kompensieren... Im begrenzten Rahmen natürlich.
Ich versuche, Gefühle zuzulassen (und teilweise auch, dementsprechend zu handeln, wenn ich es für sinnvoll erachte).
Und ich denke, es sind "nur" Gefühle. Unfassbar schmerzhafte Gefühle natürlich, es fühlt sich teilweise an als würde ich daran krepieren. Aber es sind nur Gefühle und sie gehen irgendwann vorüber, auch wenn das womöglich länger dauert. Ich versuche zu atmen und die Gefühle anzunehmen, willkommen zu heißen, es ist okay, dass es weh tut. Ich bin furchtbar verletzt und es darf weh tun. So ungefähr, verstehst du? Ich versuche, nicht mehr dagegen anzukämpfen.
Jemand aus der Selbsthilfegruppe hat gesagt, eine ptbs entsteht dadurch, dass Gefühle nicht gefühlt werden und sie müssen gefühlt werden, damit Heilung stattfinden kann. Das ist sehr aufschlussreich für mich. Da denke ich, es lohnt sich, das zu fühlen, weil es dadurch hoffentlich irgendwann abgeschlossen, vorbei und okay ist.
Ich versuche, mich nicht mehr so emotional abhängig von anderen Menschen zu machen. Niemand wird mich retten außer ich selbst. Und ich kann mich aber auch selber retten, wenn ich an mir arbeite.
Ich versuche, neue Kompetenzen zu erwerben, um mehr Stärke in mir selbst zu entwickeln. Zum Beispiel arbeite ich an diversen Sachen, die ich für das Leben brauche, was ich mir wünsche. Ich setze mir immer wieder kleine konkrete Ziele und finde Lösungen dafür, wie ich sie erreichen kann.
Ich versuche, mit einer Haltung der Dankbarkeit (nicht dankbar dafür, was ich für Scheiße erlebt habe!) und des Lernens durchs Leben zu gehen. Und dass ich wieder aufstehe, wenn's scheiße gelaufen ist.
Ich entwickle konkrete Wünsche und Ziele für die Zukunft (unter Berücksichtigung dessen, was nicht geht, zb liebevolle Eltern zu haben etc). Die Vorstellung gibt mir sehr viel Kraft. Und ich arbeite darauf hin.
Ich denke, dass ich was Besseres verdient habe als den Status quo. Und wenn mich sonst schon keiner wirklich will und ich nirgendwo richtig hingehöre, will ich wenigstens versuchen, mich selbst zu wollen und zu mir selbst zu gehören, weil ich komme ohnehin nicht von mir weg (egal wie sehr ich es versucht habe).
Es ist ein Privileg, mit mir Kontakt zu haben. Ich bin nicht weniger wert als der Rest der Menschheit und mit mir ist nichts falsch und deswegen muss ich mich auch nicht anpassen oder scheiße behandeln lassen. Erst Recht nicht, wenn ich eben nicht mehr auf andere Menschen angewiesen bin, weil ich mir selbst genug Halt geben kann. Was nicht heißt, dass ich gar keine Hilfe mehr annehme. Ich weiß nicht, wie ich's besser erklären soll.
Ich versuche, immer mehr herauszufinden, was ich will und was mir gut tut und was sich richtig anfühlt. Ich habe das Recht, das selbst zu entscheiden. Ich versuche, mitfühlend mit mir umzugehen und Sachen zu machen, die mir gut tun (was nicht heißt, dass die immer angenehm sind).
Ich versuche, mir selbst am meisten zu vertrauen (nicht mehr anderen Menschen).
Und ich übe ja schon länger, eigene bewusste Entscheidungen zu treffen.
Zu vielen Sachen sage ich innerlich: nein danke. Zb zu Sachen, die mir andere Menschen aufdrängen wollen. Und die ich bis vor kurzem blind übernommen habe.
Und was ganz wichtig ist: ich versuche, den Druck rauszunehmen. Und nicht an mir herumzuzerren oder mich selbst irgendwo reinzupressen, obwohl ich da offensichtlich nicht reinpasse. Das wurde ja so oft mit mir gemacht und ich hab's auch selber übernommen, ohne dass ich es gecheckt habe.
Ich versuche, keine Gewalt mehr gegen mich selbst anzuwenden.
Ich versuche, dem Chaos in meinem Kopf zuzuhören. Möglichst wertfrei und mitfühlend zuzuhören. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich denke, dass ich zuerst Vertrauen zu mir (uns) selbst aufbauen muss und das erreiche ich wohl am ehesten durch Zuhören als ersten Schritt.
Ich werfe anderen Menschen oft vor, dass sie mein Leid nicht sehen wollen (der Meinung bin ich auch nach wie vor). Aber kürzlich wurde mir bewusst, dass ja noch nicht mal ich selbst mein eigenes Leid sehen will. Seitdem versuche ich, das anders zu machen und wenigstens hinzuschauen. Dahin wo es wehtut. Das sollte ich mir wert sein.
Ich sollte es mir wert sein, für ein besseres Leben zu kämpfen.
Man weiß nie, wann man stirbt. Vielleicht kippe ich in der nächsten Minute tot um. Es wäre schön, wenn ich vorher wenigstens noch ein bisschen gelebt hätte. Ich möchte einfach leben können und das mache ich jetzt auch so viel wie möglich.
Leben beinhaltet irgendwie auch fühlen.
Vieles davon wurde mir sehr schmerzhaft klar, als ich feststellen musste, dass ich eigentlich keine richtigen Freunde habe (obwohl ich das dachte). Da bin ich erstmal komplett abgestürzt und auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Nämlich: wenn ich falle, falle ich und entweder ich helfe mir selbst wieder auf oder ich habe Pech gehabt. Ergo sollte ich das am besten anfangen zu lernen.
Und dann kam diese innere Stärke irgendwie.
Es fühlt sich wahnsinnig befreiend an.
Ich bin innerlich ruhiger geworden. Weniger angespannt.
Ich habe sehr viel Energie.
Ich bin zuversichtlich, dass ich mir ein lebenswertes Leben erarbeiten kann. Nicht das Leben, wonach ich mich ursprünglich gesehnt habe (Zuhause und so...). Aber es kann anders gut werden. Und vielleicht lerne ich auf diesem Weg auch die richtigen Menschen kennen.
Ich will das unbedingt weiter wachsen lassen. Und wenn ich genug Halt in mir selbst gefunden habe, brauche ich auch den Täter nicht mehr, hoffe ich. Ich brauche ihn jetzt schon immer weniger. Die letzten zwei Jahre habe ich ja wirklich qualvoll den permanenten Drang unterdrückt, nicht zurückzugehen. Klar, dass ich das nicht ewig durchhalte (zumal ich viel Halt bei Freunden verloren habe). Aber wenn ich das Bedürfnis nicht mehr habe, weil ich ihn nicht mehr brauche, dann bin ich hoffentlich wirklich frei.
Ich habe Freude auf eine gute Zukunft. Unglaublicherweise.
Und ja, ich habe wirklich starke seelische Schmerzen. Die merke ich auch körperlich.
Ich merke diverse positive Veränderungen.
Zb kann ich für meine Verhältnisse unglaublich gut essen. Ich hatte Wochen oder Monate lang keinen Fressanfall mehr und habe nicht absichtlich erbrochen, und ich reduziere auch die Kalorien nicht mehr so extrem und ich kann viele Sachen essen, die normalerweise niemals möglich waren. Es ist nicht perfekt und "normal" schon gar nicht (ist auch nicht mein Ziel), aber ich bin unglaublich erleichtert darüber.
Ich mache viel Sport, das hat mir früher schon zur Stabilisierung geholfen. Es hilft, die Stärke in mir selbst zu spüren und dass ich Ziele erreichen kann.
Ich mache möglichst viele Sachen, die mir gut tun und die ich gerne mache. Hobbys, wenn man so will. Aber eben nicht zur Ablenkung, sondern weil sie mir Freude machen.
Ich probiere auch neue Sachen aus und lerne neue Menschen kennen. Das fällt mir immer noch nicht leicht, aber ich sehe es als Chance für Wachstum.
Ich umgebe mich mit Menschen, die mir gut tun (hoffe ich). Und ich achte sehr genau darauf, wen ich wie nah an mich ranlasse, wem ich wie vertraue und wo ich meine Grenzen ziehe.
Ich bin misstrauischer gegenüber Menschen geworden. Ob das gut ist, keine Ahnung, aber es ist jedenfalls so.
Ich habe immer noch Krisen, aber ich komme leichter und schneller durch.
Ich versuche, möglichst viele Sachen alleine zu schaffen.
Ich betäube mich nicht mehr mit Alkohol.
Ich verletze mich nicht mehr jeden Tag (bis vor einer Weile habe ich das jahrelang tagtäglich mehrfach gemacht).
Ich nehme weniger Medikamente. Eigentlich nur noch zum Schlafen, weil das klappt leider gar nicht gut.
Ich will betonen, dass ich diese Sachen nicht unterdrücke. Sondern ich versuche zu fühlen, den Schmerz zu fühlen und wenn's geht, ist gut und wenn nicht, ist das auch in Ordnung und dann darf ich's aber auch kompensieren durch was auch immer. Ich lerne noch. Und ich muss auch nicht alles auf einmal schaffen.
Ich bin aber auch unsicher, wie das weitergeht. Hab durchaus Angst, dass es wieder so schlimm wird wie sonst.
Im Übrigen, Therapie hat mir auch nie geholfen (im Gegenteil) und deswegen will ich bis auf Weiteres auch keine mehr versuchen. Jedes Mal, wenn ich Fortschritte gemacht habe oder gewachsen bin und mich weiterentwickelt habe, kam das nicht durch eine Therapie, sondern zb aus mir selbst heraus, durch Gespräche mit Freunden oder durch andere Betroffene, durch Bücher (unter anderem auch durch "traumabedingte Dissoziation bewältigen", vielen Dank dir nochmal für die Empfehlung)...
Ergibt das irgendwie Sinn für dich?
Ich wünsche dir von Herzen das Beste!
Liebe Grüße
Luisa
Hallo liebe Eli,
ich kann gerne versuchen zu erklären, was ich damit meine, Halt in mir selbst zu finden. Es ist gar nicht so einfach, das in Worte zu fassen, weil es irgendwie so viel ist, was ich in der letzten Zeit begriffen habe. Und vielleicht passt das auch gar nicht für dich.
Ich versuche, zu akzeptieren was ist und dem Schmerz nicht mehr auszuweichen, sondern ihn anzunehmen und zu fühlen (nach Möglichkeit, soweit es geht). Ich versuche, mich nicht mehr abzulenken (auch nicht durch Hobbys), nichts mehr zu verdrängen oder zu unterdrücken oder zu kompensieren... Im begrenzten Rahmen natürlich.
Ich versuche, Gefühle zuzulassen (und teilweise auch, dementsprechend zu handeln, wenn ich es für sinnvoll erachte).
Und ich denke, es sind "nur" Gefühle. Unfassbar schmerzhafte Gefühle natürlich, es fühlt sich teilweise an als würde ich daran krepieren. Aber es sind nur Gefühle und sie gehen irgendwann vorüber, auch wenn das womöglich länger dauert. Ich versuche zu atmen und die Gefühle anzunehmen, willkommen zu heißen, es ist okay, dass es weh tut. Ich bin furchtbar verletzt und es darf weh tun. So ungefähr, verstehst du? Ich versuche, nicht mehr dagegen anzukämpfen.
Jemand aus der Selbsthilfegruppe hat gesagt, eine ptbs entsteht dadurch, dass Gefühle nicht gefühlt werden und sie müssen gefühlt werden, damit Heilung stattfinden kann. Das ist sehr aufschlussreich für mich. Da denke ich, es lohnt sich, das zu fühlen, weil es dadurch hoffentlich irgendwann abgeschlossen, vorbei und okay ist.
Ich versuche, mich nicht mehr so emotional abhängig von anderen Menschen zu machen. Niemand wird mich retten außer ich selbst. Und ich kann mich aber auch selber retten, wenn ich an mir arbeite.
Ich versuche, neue Kompetenzen zu erwerben, um mehr Stärke in mir selbst zu entwickeln. Zum Beispiel arbeite ich an diversen Sachen, die ich für das Leben brauche, was ich mir wünsche. Ich setze mir immer wieder kleine konkrete Ziele und finde Lösungen dafür, wie ich sie erreichen kann.
Ich versuche, mit einer Haltung der Dankbarkeit (nicht dankbar dafür, was ich für Scheiße erlebt habe!) und des Lernens durchs Leben zu gehen. Und dass ich wieder aufstehe, wenn's scheiße gelaufen ist.
Ich entwickle konkrete Wünsche und Ziele für die Zukunft (unter Berücksichtigung dessen, was nicht geht, zb liebevolle Eltern zu haben etc). Die Vorstellung gibt mir sehr viel Kraft. Und ich arbeite darauf hin.
Ich denke, dass ich was Besseres verdient habe als den Status quo. Und wenn mich sonst schon keiner wirklich will und ich nirgendwo richtig hingehöre, will ich wenigstens versuchen, mich selbst zu wollen und zu mir selbst zu gehören, weil ich komme ohnehin nicht von mir weg (egal wie sehr ich es versucht habe).
Es ist ein Privileg, mit mir Kontakt zu haben. Ich bin nicht weniger wert als der Rest der Menschheit und mit mir ist nichts falsch und deswegen muss ich mich auch nicht anpassen oder scheiße behandeln lassen. Erst Recht nicht, wenn ich eben nicht mehr auf andere Menschen angewiesen bin, weil ich mir selbst genug Halt geben kann. Was nicht heißt, dass ich gar keine Hilfe mehr annehme. Ich weiß nicht, wie ich's besser erklären soll.
Ich versuche, immer mehr herauszufinden, was ich will und was mir gut tut und was sich richtig anfühlt. Ich habe das Recht, das selbst zu entscheiden. Ich versuche, mitfühlend mit mir umzugehen und Sachen zu machen, die mir gut tun (was nicht heißt, dass die immer angenehm sind).
Ich versuche, mir selbst am meisten zu vertrauen (nicht mehr anderen Menschen).
Und ich übe ja schon länger, eigene bewusste Entscheidungen zu treffen.
Zu vielen Sachen sage ich innerlich: nein danke. Zb zu Sachen, die mir andere Menschen aufdrängen wollen. Und die ich bis vor kurzem blind übernommen habe.
Und was ganz wichtig ist: ich versuche, den Druck rauszunehmen. Und nicht an mir herumzuzerren oder mich selbst irgendwo reinzupressen, obwohl ich da offensichtlich nicht reinpasse. Das wurde ja so oft mit mir gemacht und ich hab's auch selber übernommen, ohne dass ich es gecheckt habe.
Ich versuche, keine Gewalt mehr gegen mich selbst anzuwenden.
Ich versuche, dem Chaos in meinem Kopf zuzuhören. Möglichst wertfrei und mitfühlend zuzuhören. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich denke, dass ich zuerst Vertrauen zu mir (uns) selbst aufbauen muss und das erreiche ich wohl am ehesten durch Zuhören als ersten Schritt.
Ich werfe anderen Menschen oft vor, dass sie mein Leid nicht sehen wollen (der Meinung bin ich auch nach wie vor). Aber kürzlich wurde mir bewusst, dass ja noch nicht mal ich selbst mein eigenes Leid sehen will. Seitdem versuche ich, das anders zu machen und wenigstens hinzuschauen. Dahin wo es wehtut. Das sollte ich mir wert sein.
Ich sollte es mir wert sein, für ein besseres Leben zu kämpfen.
Man weiß nie, wann man stirbt. Vielleicht kippe ich in der nächsten Minute tot um. Es wäre schön, wenn ich vorher wenigstens noch ein bisschen gelebt hätte. Ich möchte einfach leben können und das mache ich jetzt auch so viel wie möglich.
Leben beinhaltet irgendwie auch fühlen.
Vieles davon wurde mir sehr schmerzhaft klar, als ich feststellen musste, dass ich eigentlich keine richtigen Freunde habe (obwohl ich das dachte). Da bin ich erstmal komplett abgestürzt und auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Nämlich: wenn ich falle, falle ich und entweder ich helfe mir selbst wieder auf oder ich habe Pech gehabt. Ergo sollte ich das am besten anfangen zu lernen.
Und dann kam diese innere Stärke irgendwie.
Es fühlt sich wahnsinnig befreiend an.
Ich bin innerlich ruhiger geworden. Weniger angespannt.
Ich habe sehr viel Energie.
Ich bin zuversichtlich, dass ich mir ein lebenswertes Leben erarbeiten kann. Nicht das Leben, wonach ich mich ursprünglich gesehnt habe (Zuhause und so...). Aber es kann anders gut werden. Und vielleicht lerne ich auf diesem Weg auch die richtigen Menschen kennen.
Ich will das unbedingt weiter wachsen lassen. Und wenn ich genug Halt in mir selbst gefunden habe, brauche ich auch den Täter nicht mehr, hoffe ich. Ich brauche ihn jetzt schon immer weniger. Die letzten zwei Jahre habe ich ja wirklich qualvoll den permanenten Drang unterdrückt, nicht zurückzugehen. Klar, dass ich das nicht ewig durchhalte (zumal ich viel Halt bei Freunden verloren habe). Aber wenn ich das Bedürfnis nicht mehr habe, weil ich ihn nicht mehr brauche, dann bin ich hoffentlich wirklich frei.
Ich habe Freude auf eine gute Zukunft. Unglaublicherweise.
Und ja, ich habe wirklich starke seelische Schmerzen. Die merke ich auch körperlich.
Ich merke diverse positive Veränderungen.
Zb kann ich für meine Verhältnisse unglaublich gut essen. Ich hatte Wochen oder Monate lang keinen Fressanfall mehr und habe nicht absichtlich erbrochen, und ich reduziere auch die Kalorien nicht mehr so extrem und ich kann viele Sachen essen, die normalerweise niemals möglich waren. Es ist nicht perfekt und "normal" schon gar nicht (ist auch nicht mein Ziel), aber ich bin unglaublich erleichtert darüber.
Ich mache viel Sport, das hat mir früher schon zur Stabilisierung geholfen. Es hilft, die Stärke in mir selbst zu spüren und dass ich Ziele erreichen kann.
Ich mache möglichst viele Sachen, die mir gut tun und die ich gerne mache. Hobbys, wenn man so will. Aber eben nicht zur Ablenkung, sondern weil sie mir Freude machen.
Ich probiere auch neue Sachen aus und lerne neue Menschen kennen. Das fällt mir immer noch nicht leicht, aber ich sehe es als Chance für Wachstum.
Ich umgebe mich mit Menschen, die mir gut tun (hoffe ich). Und ich achte sehr genau darauf, wen ich wie nah an mich ranlasse, wem ich wie vertraue und wo ich meine Grenzen ziehe.
Ich bin misstrauischer gegenüber Menschen geworden. Ob das gut ist, keine Ahnung, aber es ist jedenfalls so.
Ich habe immer noch Krisen, aber ich komme leichter und schneller durch.
Ich versuche, möglichst viele Sachen alleine zu schaffen.
Ich betäube mich nicht mehr mit Alkohol.
Ich verletze mich nicht mehr jeden Tag (bis vor einer Weile habe ich das jahrelang tagtäglich mehrfach gemacht).
Ich nehme weniger Medikamente. Eigentlich nur noch zum Schlafen, weil das klappt leider gar nicht gut.
Ich will betonen, dass ich diese Sachen nicht unterdrücke. Sondern ich versuche zu fühlen, den Schmerz zu fühlen und wenn's geht, ist gut und wenn nicht, ist das auch in Ordnung und dann darf ich's aber auch kompensieren durch was auch immer. Ich lerne noch. Und ich muss auch nicht alles auf einmal schaffen.
Ich bin aber auch unsicher, wie das weitergeht. Hab durchaus Angst, dass es wieder so schlimm wird wie sonst.
Im Übrigen, Therapie hat mir auch nie geholfen (im Gegenteil) und deswegen will ich bis auf Weiteres auch keine mehr versuchen. Jedes Mal, wenn ich Fortschritte gemacht habe oder gewachsen bin und mich weiterentwickelt habe, kam das nicht durch eine Therapie, sondern zb aus mir selbst heraus, durch Gespräche mit Freunden oder durch andere Betroffene, durch Bücher (unter anderem auch durch "traumabedingte Dissoziation bewältigen", vielen Dank dir nochmal für die Empfehlung)...
Ergibt das irgendwie Sinn für dich?
Ich wünsche dir von Herzen das Beste!
Liebe Grüße
Luisa